Instagram Klischees: Satiregram


Ihr kennt das: vor euch liegt ein köstliches Chicken-Avocado-Sandwich doch bevor ihr reinbeißen könnt muss noch schnell ein Foto gemacht und bei Instagram hochgeladen werden. Das Gleiche gilt für neue Schuhe, Sonnenuntergänge, Blätter im Sonnenschein, Wolken, die Flügel eines Flugzeugs, Blumen und jegliche Form von Essen.
Der Instagram Account “Satiregram” spielt mit diesen typischen Instagram-Klischees und postet Bilder von schriftlichen Beschreibung von Dingen, die man auf den üblichen Instagram Bildern eben so sieht.


via whudat/ satiregram

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Happiness Factory: The Movie
Was in einem Cola-Automaten passiert

Happiness Factory: The Movie

Als ich mir gestern zum ersten mal seit Jahren an einem Getränkeautomaten etwas ordern wollte, um beim Training nicht verdusten zu müssen, hat das Teil natürlich direkt mein Geld verschluckt aber nichts zum Trinken rausgerückt. Heute weiß ich, dass daran diese niedlichen kleinen Männchen aus dem Video Schuld sind. Weil Sie hier aber ihren Job ganz gut erledigen muss ich daraus schließen, dass sie entweder in Streik getreten sind, Urlaub machen oder persönlich etwas gegen mich haben.

 

via wihel

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Von Konzentrationsproblemen und Ablenkungsmanövern

via pinterest

Der blinkende kleine Cursor auf der weißen Seite schreit mich förmlich an: „Los, schreib etwas! Mach schon. Das kann doch nicht so schwer sein.“ Sein kontinuierliches Geblinke fordert mich auf, endlich in die Tasten zu hauen. Aber so einfach geht das nicht. Kreativität lässt sich nicht erzwingen. Ich muss erstmal richtig in Stimmung kommen. Am besten mal kurz aufstehen, das regt den Kreislauf an. Eine kleine Runde durchs Büro geschlendert, den Anderen über die Schulter geschaut. Soso. Jetzt geht‘s aber los.
Halt, stopp. Der Kaffee ist leer. So geht das natürlich nicht. Da kann ja kein Mensch arbeiten, ganz ohne Kaffee. Frisch aufgetankt kann ich dann aber wirklich starten.
Schnell noch einen Produktivität-fördernden Song auswählen – nein, der nicht, der auch nicht, nein, nein, auf keinen Fall, hmm vielleicht, nein, nein, okay der soll es sein. Ahhh ja, so lässt es sich arbeiten.
Oh, das Telefon…
Wo war ich noch gleich?
Egal, erstmal E-Mails checken, damit sich da auch ja nichts anstaut.
Ein Glück, die leere Seite hat geduldig auf mich gewartet. Unermüdlich taucht der kleine schwarze Strich auf und verschwindet wieder. Ich soll was schreiben? Okay, bitteschön: sdjkfgsdkfgdlskgfdjghd 

Na gut, so wird das nichts. Ich brauche Inspirationen. In den unendlichen Weiten des Internets, diesem Eldorado der guten Ideen, muss sich doch irgendwas finden lassen, das mich zu einem Text inspiriert. Uuuiiii „22 Dogs Who Are Just Really Excited To Be Dogs“ Das muss ich sehen. „Husky Goes Crazy In Pile Of Autumn Leaves“ Das kann ich mir nicht entgehen lassen. – Das war unterhaltsam. Aber nicht förderlich.

Frische Luft, das ist es. Das regt den Kreislauf an. Also, Fenster auf. Ich spüre förmlich wie mit der leichten Brise auch direkt die guten Ideen ins Büro wehen. Das frische Lüftchen wirbelt aber nicht nur CO2 Partikelchen durcheinander, sondern auch meinen Ablagestapel. Dabei fällt mir auf, der Schreibtisch könnte ohnehin mal wieder aufgeräumt werden. Das regt zwar nicht den Kreislauf an, ist aber sicher trotzdem gut. Jetzt kann es nicht mehr lange dauern, bis ich die zündende Idee habe und dieser leeren Seite endlich ein Ende bereite.
*Bing* Die Mikrowelle. Es gibt Popcorn. Yuhu. Das  zuckrige Zeugt hängt mir aber nicht nur in den Zähnen, sondern scheint auch den Kreativitätsfluss zu verkleben.
Zähne putzen wäre gut, das würde nicht nur für Frische in der Mundhöhle sorgen, sondern vielleicht auch im Kopf.
Aber da ruft auch schon die nächste Aufgabe: eine kleine rote Eins gibt mir bekannt, dass jemand im großen sozialen Netzwerk meine Hilfe benötigt. Gut, tatsächlich wollte sich wohl noch jemand von seiner Arbeit ablenken, aber man weiß ja nie welche Notfälle da auf einen warten. Jetzt aber wirklich ran ans Werk. Doch Moment, hat da etwa jemand neue Fotos gepostet? Ist die schwanger oder einfach nur fett geworden? Was ist da los?
Nur schwer befreie ich mich aus dem Joch der sozialen Medien und widme meine volle Aufmerksamkeit ganz der weißen Seite mit dem blinkenden Cursor. Und taadaa…
von Steffi

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Montags Prokrastination:
Fanfare – Die Kapelle zum selber spielen

Der beste Start in den Montag ist doch immer Ablenkung von der eigentlichen Arbeit. Ganz ideal dazu geeignet ist Fanfare – eine eigene kleine Band, bei der man die Instrumente per Klick selbst steuern kann. Ein heiden Spaß mit fröhlicher Musik.

via kfmw

 

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Underwater-Superpower

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“Ich will vor allem eine Geschichte erzählen”
Rezension: Daniel Kehlmanns Roman “F”

Rowohlt Verlag

„Fatum“, sagte Arthur. „Das große F. Aber der Zufall ist mächtig, und plötzlich bekommt man ein Schicksal, das nie für einen bestimmt war. Irgendein Zufallsschicksal. So etwas passiert schnell.“ (S.364)
 

Natürlich laufen einem bei der Lektüre des neuen Kehlmann noch mehr F-Wörter über den Weg, bei denen man überlegt, ob sie titelgebend gewesen sein könnten, doch der Begriff ,Fatum‘ – Schicksal spielt auf jeden Fall eine übergeordnete Rolle. Aber von Anfang an.
Arthur Friedland hat drei Söhne, mit denen er bei einem „Männerausflug“ zu einer Hypnose-Vorführung geht, die das Leben der kompletten Familie ändert. Obwohl er überzeugt war, Hypnose und derlei Übersinnliches würde bei ihm nicht funktionieren, wird Arthurs Ehrgeiz aktiviert, sodass er plötzlich alles hinter sich lässt und damit beginnt Bücher zu schreiben, sogar mit Erfolg. Erst als seine Söhne längst erwachsen sind, nimmt er wieder Kontakt mit ihnen auf.
Soweit zur Einleitung.
Der größte Teil des Romans dreht sich darum, wie es den drei quasi vaterlos aufgewachsenen Söhnen ergangen ist. Es wird jedoch nicht en detail beschrieben, wie sich ihr Leben seither entfaltet hat, sondern Kehlmann greift einen konkreten Tag, den 8. August 2008 heraus. Unter den Kapiteln „Das Leben der Heiligen“, „Geschäfte“ und „Von der Schönheit“ lässt er die Protagonisten selbst erzählen. Der älteste, Martin, ist Priester geworden, hat jedoch ein gravierendes Problem: Er glaubt nicht an Gott. Er hat zwar die Bibel gelesen, betet, hält Gottesdienste, war in einem Kloster, doch der Glaube hat sich nie vom Kopf ins Herz verlagert. Sein größtes Hobby ist der Rubix-Cube, mit dem er noch immer bei den Meisterschaften mitmischt. Ansonsten füllt er sein Amt so gut es geht aus und erklärt alle tiefer gehenden Fragen als „Mysterium“, das man eben auf Erden noch nicht verstehen kann.
Durch diesen skurrilen Umstand ergeben sich immer wieder komische, abstruse und einfach lustige Situationen, zum Beispiel während der Beichte.
 

„Außerdem habe ich Geld genommen.“
„Ach.“
„Nicht sehr viel. Tausend Euro. Aus der Firmenkasse.“
„Was ist Ihr Beruf?“
„Ich bin Steuerberater. Meine Freundin arbeitet in meiner Kanzlei.“
„Welche?“
„Welche Kanzlei?“
„Welche Freundin!“
„Na Klara. Die, von der meine Frau weiß.“
„Warum wird man Steuerberater?“
„Bitte?“
„Warum Steuerberater? Ich habe mich das immer wieder gefragt.“
Er schweigt. Aber warum soll ich keine Fragen stellen, wo steht geschrieben, dass ich in der Beichte nicht auch was lernen darf?
 

Der zweite Teil beschäftigt sich mit Eric. Er ist Anlageberater oder -manager, auf jeden Fall ein hohes Tier im Finanzdschungel – und korrupt. Man fühlt sich wieder mitten hineinversetzt in die Zeit, als vor fünf Jahren die große Börsenkrise mit der Insolvenz der Lehman-Brothers-Bank die ganze Welt in Atem hielt. Kehlmann beschreibt Eric als gehetzten, immer paranoider werdenden Mann, dessen Betrügereien einen so großen Rattenschwanz an Folgen nach sich ziehen, die zu händeln er nicht mehr in der Lage ist. Und so wartet er im Grunde darauf, dass jeden Moment alles zusammenbricht, er auffliegt und ins Kittchen wandert. Frau, Freundin, Kind – allesamt sind sie nur Nebenfiguren in seinem Leben.
Kehlmann trifft sehr gut das Gefühl des andauernden Angespannt-Seins; hin und her gerissen zwischen der Hoffnung, dass einerseits der Betrug nie herauskommt und andererseits die unerträgliche Situation endlich enden möge. Es ist ein nie zur Ruhe Kommen und so hat man nach diesem Kapitel wirklich das Bedürfnis nach einer kleinen Pause, weil einem der Kopf schwirrt.

In „Von der Schönheit“ berichtet Iwan über sein Leben als Künstler. Er wäre, wie er selbst sagt nicht übers Mittelmaß hinausgekommen, doch er bekommt eine Chance sein Talent unter Beweis zu stellen, wenn auch eine, die nur durch Betrug funktioniert. Als Kunstfälscher, der allerdings einen Maler fälscht und keine Bilder, kann er sich ein lukratives, angenehmes Leben aufbauen.

Die auffälligste Gemeinsamkeit der drei Brüder: Alle haben ihr Leben auf Betrug, auf Lügen aufgebaut und hoffen, dass der Schein nicht auffliegt und das mehr oder weniger ärmliche Sein enthüllt. Die drei ,Branchen‘ Kirche, Finanz- und Kunstwelt sind offenbar auf unterschiedliche Art und Weise alle prädestiniert eine Scheinwelt zu erzeugen, in der alles möglich ist. Andererseits drängt sich ebenfalls die Frage auf, ob dies nicht einfach der Lauf des Lebens ist; von einem Moment auf den anderen kann sich alles komplett wandeln. Ganz wie der Hypnotiseur bei einem späteren Gespräch mit Iwan sagt: „Der Mensch sei offen, sei ein Chaos ohne Grenze und feste Form.“

Daniel Kehlmann ist ein toller Erzähler, durch dessen Wortgewandtheit man mal zum Lachen und dann wieder zum Nachdenken angeregt wird. In diesem Netzwerk der Personen und Geschichten gibt es einige verblüffende Zusammenhänge und Wendungen zu entdecken. Immer wieder streut Kehlmann Hinweise, die zu so manchem Aha-Effekt führen…
 

Daniel Kehlmann – F
Rowohlt Verlag, August 2013
384 Seiten
22,95 EUR
ISBN: 978-3-498-03544-0
 

von Nicole

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Youtube-Erfolg: Die Wahlparty der CDU

„Jetzt hört der Spaß aber wirklich auf…“ kommentieren die Toten Hosen auf ihrer Facebookseite die Bundestagswahlparty der CDU. Grund: Die CDU hat deren Song „Tage wie diese“ gespielt. Die Kanzlerin klatscht wild, Hermann Gröhe und Ursula von der Leyen tanzen freudig zu den Rhythmen und irgendwie kommt es etwas komisch daher, dass sich gerade die CDU als musikalische Untermalung für eine ehemalige Punkband entschieden hat.
 
Die Toten Hosen hatten schon im Wahlkampf darauf aufmerksam gemacht, dass sie mit der Verwendung ihres Songs durch die Politik nicht einverstanden sind. “Wir empfinden es aber als unanständig und unkorrekt, dass unsere Musik auf politischen Wahlkampfveranstaltungen läuft”, erklärten sie auf Facebook. 
 
Kein Wunder also, dass jetzt überall auf Youtube neue Videos auftauchen, die dieses Thema durch neue Musikuntermalung der Wahlparty auf die Spitze treiben. Und ich weiß nicht, wie es euch geht, aber je punkiger der Song, desto sympathischer ist mir das Szenario der Wahlparty. Aber das ist ja Geschmackssache. Seht selbst:
von Susann

 
 


 

 
via kanzlerkaraoke

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Wissenswertes über Tiere in lustigen GIFs

Ja, wie so oft, sagt die Überschrift eigentlich schon alles, dennoch hier noch ein paar einführende Worte: diese unterhaltsamen GIFs stammen von Michael White, der ein paar Interessante Fakten aus der Tierwelt zusammengetragen und mit unterhaltsamen Bewegtbildern veranschaulicht hat, nicht mehr nicht weniger.
 
all Pictures © Michael White/ via wihel

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Bundestagswahl – Was ist das?

Noch mal für alle, auch die, die schon genau Bescheid wissen, einfach, unterhaltsam und detailverliebt erklärt, wie die Sache mit der Bundestagswahl am Sonntag nun eigentlich genau funktioniert.


via kfmw

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Mawrik wollte als Kind schon Streetart-Cowboy werden. Ein Interview

Wer in Erfurt in den letzten Monaten nicht ganz blind durch die Straßen gelaufen ist, dem dürfte möglicherweise der Name Mawrik ins Auge gefallen sein. Mawrik ist Streetartist und möbelt die etwas eingeschlafene Urbanart-Szene in Erfurt ordentlich auf. Seine Arbeiten schießen momentan wie Pilze aus dem Boden und verzieren mit sozialkritischen oder witzigen Botschaften Fassaden und Wände. Mit Stencils, Kacheln und Postern macht er sich die Stadt zu seinem eigenen Freiluftmuseum.

Mir persönlich sind Mawriks Arbeiten in letzter Zeit immer häufiger (positiv) aufgefallen und als ich vor ein paar Wochen mit angebrochenem Arm ins Klinikum gegangen bin und am Eingang lesen durfte: „112 – Stirb an einem anderen Tag“ und mich das trotz des verletzten Arms zum Schmunzeln brachte, hab ich beschlossen unbedingt mehr über diesen neuen Erfurter Streetartist herauszufinden. Glücklicherweise war Mawrik so freundlich meine Neugier zu stillen und gab mir ein ausführliches Interview, in dem er über Streetart im Allgemeinen, seine eigenen Arbeiten, politische Missstände und über Erfurt spricht. von Steffi
 

© Mawrik

Deine Arbeiten schießen gerade aus dem Boden wie Pilze, wo kommst du so plötzlich her?

Ich bin ehrlich gesagt selbst davon überrascht, wie schnell die Leute auf meine Sachen aufmerksam geworden sind. Das hätte ich so gar nicht erwartet. Ich habe schließlich erst vor einem Jahr begonnen mich mit Streetart auseinanderzusetzen. Ich bin seit jeher ein kreativer Mensch und habe mir immer Möglichkeiten gesucht, dieser Kreativität Ausdruck zu verleihen. Das schöne an Streetart sind die schier grenzenlosen Möglichkeiten, die du hast um einer Idee eine Form zu geben.
 
Warum nennst du dich Mawrik?

Das ist nur ein Name, der nur soviel Bedeutung besitzt, wie man ihm selbst beimessen möchte. Wenn du jemanden auf der Straße kennenlernst und er dir sympathisch ist, ist es doch egal, ob dieser jemand Mawrik, Klaus oder Elfriede heißt. Für was die Person steht, ist entscheidend. Und die Persönlichkeit eines Künstlers sind schlussendlich seine Inhalte und sein Stil, nicht sein Name.
 
Was ist Streetart und was bedeutet es für dich? Was macht für dich gute Streetart aus?

Streetart ist eine Kunstform, die den öffentlichen Raum als Kommunikationsplattform begreift. Die Idee ist übrigens gar nicht neu. Wenn man durch die Stadt läuft, sieht man an jeder Ecke Straßenschilder, Werbetafeln, Schaufenster, Plakate, usw. Wo du auch hinschaust, die Stadt spricht mit dir, wenn du ihr zuhörst. Allerdings sind viele Menschen die Inhalte einfach leid. Ein gutes Beispiel hierfür war bis vor Kurzem die Ecke Kettenstraße/Paulstraße in Erfurt. Dort wird ein Haus saniert und am Baugerüst hing einige Wochen lang eine riesige Werbeplane, die eine halbnackte Frau zeigte, die am Strick baumelt. Keine Ahnung wofür die Werbung machen wollten, aber es ist mehr als geschmacklos und ich kenne viele Leute, die sich maßlos darüber aufgeregt haben. Und Streetart ist in gewisser Weise ein Gegenentwurf hierzu, weil sie keinen Selbstzweck hat. Streetart will niemanden etwas um jeden Preis verkaufen oder vorschreiben. Es geht darum den Menschen bei ihrem Weg durch die Stadt etwas Sinnvolles zu erzählen, sie zum lachen zu bringen oder ihnen neue Perspektiven auf eine Sache zu eröffnen. Das ist für mich „gute Streetart“.


 
Was motiviert dich dazu Streetart zu machen?

Anfangs war es nur das Verlangen meiner Kreativität eine Projektionsfläche zu geben. Mittlerweile motiviert es mich, dass unheimlich viele Menschen positiv auf meine Bilder reagieren und sich damit identifizieren können.
In einer große Stadt wie Erfurt gehört Streetart einfach auch dazu. Vielen Leuten macht es Spaß in ihrer Stadt noch etwas entdecken zu können, sich zu amüsieren oder nachzudenken, statt die ewig gleichen Fassaden und Geschäfte abzulaufen. Viele deutsche Innenstädte sind durch Politik und Wirtschaft zu reinen Orten des Kaufen und Verkaufens degradiert worden. Ich denke der Erfolg von Streetart beruht darauf, dass die Stadtbewohner dadurch das Gefühl bekommen, ihre Stadt sei lebendig. Darüber hinaus ist die Kunst, die auf der Straße stattfindet jedem zugänglich. Dafür braucht man keine Eintrittskarte wie etwa im Museum oder Theater.

 

Was willst du mit deinen Arbeiten ausdrücken? (Willst du kritisieren, die Gesellschaft vorführen oder auf politische Missstände hinweisen?)

Es gibt keine Mawrik-Programmatik. Was ich mit meinen Arbeiten ausdrücken möchte, ist deshalb von Fall zu Fall verschieden. Zum Teil sind die Bilder hochpolitisch, dann aber auch wieder banal und bloße Reminiszenzen an meine Kindheit. Ich lege großen Wert auf Ästhetik und Unterhaltung, denn das erzeugt Verständnis und Aufmerksamkeit. Thematisch legt sich Mawrik also auf nichts fest.
Da du aber mit politischen Missständen schon mal angefangen hast, gebe ich gern meinen Senf dazu: Allgemein gesagt, halte ich unsere Weltgesellschaft für eine einzige Krise. Probleme werden erzeugt, um auf einem qualitativ niederen Niveau gelöst zu werden. Es bleibt spannend, ob sich die Menschen wirklich in einer ewigen Wiederkehr des Gleichen zwischen Krise und Aufschwung aufreiben lassen. Ich glaube weder an eine Reformierbarkeit des Systems noch an eine klassische Revolution. Exakt vor 100 Jahren, am Vorabend des Ersten Weltkrieges existierte die gleiche Krisenstimmung. Besonders die künstlerische Avantgarde sehnte den Untergang der wilhelminisch verkrusteten Gesellschaft herbei. Vielleicht stehen wir wieder an so einer Schwelle. Versteh mich nicht falsch, ich sehne keinen Krieg herbei – das wäre furchtbar – ich rede von Veränderung. Denn so wie es ist, sehen wir uns einer immer wiederkehrenden ökonomischen Krise ausgesetzt, bei der jedes Mal ein Haufen Leute unter die Räder kommt.
Deshalb würde ich meine „Programmatik“, mit einem Augenzwinkern, als apokalyptischen Galgenhumor beschreiben.
 
Von was lässt du dich inspirieren?

Kunst, Musik, Literatur, Politik, Geschichte, ja auch Ereignisse die in und um Erfurt passieren, können als Inspiration dienen. Oft karikiere ich meinen eigenen Alltag. Es gibt zum Beispiel ein Paste-Up, auf dem ein Typ sein Gehirn in sein Smartphone presst. Jeder kann das natürlich interpretieren, wie er möchte, ich für meinen Teil entdecke darin meine eigene Abhängigkeit von der modernen Technik. Ein Smartphone ist super praktisch, aber ich ertappe mich oft dabei, wie ich damit ziellos im Internet stöbere und Zeit verschwende. Es ist Fluch und Segen.
 
Wie nimmst du selbst Erfurts Graffiti/ Streetart-Szene wahr?

Streetart gibt es in Erfurt relativ wenig. Das ist wohl auch ein Grund dafür, dass ich so schnell Aufmerksamkeit auf mich gezogen habe. Die Graffiti-Szene kann ich schwer beurteilen. Es gibt eine Reihe von Writern und Crews, die mir ein Begriff sind und die ich für ihre Arbeiten auch sehr schätze. Aber ich kenne niemanden persönlich.
 

Ich will mehr lesen!

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