Drei Frauen, eine Insel –
T.C. Boyles „San Miguel“

Es sind drei grundverschiedene Frauen, die zu unterschiedlichen Zeiten auf San Miguel stranden. Die Insel ist die Basis, die innerhalb der Erzählung immer wieder ihren Status als eigentlicher Protagonist einfordert.
von Nicole

Cover: Hanser-Verlag

Boyle stellt dem Leser als erstes Maranatha vor. Sie ist eine kränkliche, an Tuberkulose leidende Frau mittleren Alters, die den Versprechungen ihres Mannes glaubt, auf der Insel durch die besseren Luftverhältnisse etwas genesen zu können. Maranatha ist eine kultivierte, wohlerzogene Frau, die ihr Leben als Stadtmensch genossen hat; Bälle, Teeverabredungen und Museen – ab der Ankunft auf der Insel muss sie all das hinter sich lassen. Durch ihre Krankheit geschwächt, ist sie in kaum einer Hinsicht „geeignet“ solch ein karges und hartes Dasein zu fristen. Sie muss in einem winzigen, schmutzigen, kalten Haus unterkommen, bei dem sich die Toilette weit außerhalb befindet. Auch ihrer Tochter Edith missfällt der erzwungene Wechsel in die absolute Einöde, ohne die Möglichkeiten jeglicher Zerstreuung und seien es nur jemand anderes als die Mutter oder der Stiefvater, mit dem man sich unterhalten kann. Einzig mit dem Gehilfen Jimmy, der ungefähr in ihrem Alter ist, vertreibt sie sich die Zeit.
Edith selbst wird als zweite Hauptperson nach einigen Ereignissen auf die Insel zurückkehren, dieses Mal allein mit dem Stiefvater aber genauso unter Zwang wie schon beim ersten Mal. Als der Mutter einziges Kind wurde sie einst verwöhnt, doch nun soll sie Haushälterin, Köchin und Putzfrau in einem sein, obwohl sie sich doch nicht mal ein Ei ohne fremde Hilfe kochen kann..
Die dritte, Elise, ist die erste, die gänzlich aus freien Stücken mit ihrem frisch vermählten Mann Herbie die Insel bewohnen will. Sie ist bereits 38 und erlebt auf San Miguel ihren zweiten Frühling. Das Paar sieht die Tristheit der Insel mehr als Chance und positive Herausforderung denn als Last und vielleicht ist es schon diese Einstellung, die das Leben erträglicher und glücklicher macht, als bei den vorangegangenen Frauen.
 
T.C. Boyle beweist mit „San Miguel“ einmal mehr, dass er ein fantastischer Erzähler ist, der wieder einmal Frauen als Protagonisten ausgewählt hat. Die beschriebenen, unterschiedlichen Leben der drei stützen sich auf reale Vorbilder und sind nicht spektakulär oder extrem, aber trotzdem besonders. Es ist die Insel, die das Besondere und zugleich Gemeinsamkeit und Unterschied ausmacht. Sie ist die Konstante, die den Frauen, so könnte man meinen, immer genau das widerspiegelt, was sie ihr entgegenbringen. Für die eine ist es eine trostlose Insel mit jeder Menge Schafe, die absolute Einsamkeit sowie Unmengen Arbeit für die Männer mit sich bringt. Die andere sieht es als Pionier-Leistung an, hier zu leben, die Gegebenheiten zu akzeptieren und noch mehr, sich selbst etwas Eigenes aufzubauen und sich das Leben dort stetig zu verbessern, so gut es eben geht. Boyle schafft es meisterlich die einzelnen Charaktere klar herauszuarbeiten und dabei in Beziehung zur Insel zu setzen.
 
Fazit: Das Thema in „San Miguel“ mag nicht jedermanns Sache sein, es ist kein spannender Krimi, der hier vorliegt, sondern ein sehr explizit ausgearbeitetes und toll beschriebenes Portrait dreier verschiedener Frauen, in deren Leben man mal kürzer, mal länger eintauchen darf.
 
T.C. Boyle
San Miguel
448 Seiten
€ 22,90 (D)/ € 23,60 (A)/ CHF 32,90 (CH)
ISBN : 978-3-446-24323-1

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Trash-Untiefen-Erforschung mit ‘Schmidt – Chaos auf Rezept’

Wow, ich schüttel unwillkürlich mit dem Kopf, wenn ich an gestern Abend denke – was war das denn um alles in der Welt? Ich weiß nicht, ob man das überhaupt als Trash bezeichnen kann, eigentlich fehlen mir für diese grottenschlechten 45 Minuten exklusive Werbung echt die Worte. Nein, ich gehöre nicht zu der Fraktion, die jede neue deutsche Serie schon vorab verteufelt. Ich habe auch den letzten Anwärtern ,Doc meets Dorf‘, ,Christine – Perfekt war gestern‘ und ,Sekretärinnen – Überleben von 9 bis 3‘ oder so eine Chance gegeben. Und die hatten ihre guten Momente: Inez Bjørg David hatte kesse Sprüche drauf, der Rest wurde leider immer kruder. Auch das Sekretärinnen-Ding war lustig – die Schauspieler hatten Spaß und das hat man gemerkt, auch wenn es keine hoch niveauvolle Unterhaltung war.
Aber kommen wir zu gestern Abend. Ich dachte, mal schauen, wie die neue Serie so ist und war davor, danach und währenddessen mit meiner Schwester bei Facebook am chatten. Da es nach dem Sonntags-Tatort ja für gewöhnlich auch eine zusammengestellte „Twittritik“ – Kritik per Twitter-Kommentaren – gibt, anhand derer man sich zusammenreimen kann, wie die Zuschauer die Sendung fanden, stelle ich hier mal einen Teil meiner gestrigen Korrespondenz mit meiner Schwester als Pendant dazu zum Lesen zur Verfügung.

Julia Hartmann und Lucas Gregorowicz als Dr. Eva & Adam Schmidt
Foto: RTL/ Conny Klein

21.15 Ich: und es geht los!
21.16 Ich: oh boy - Sie: ja
21.18 Ich: oh boy2 - Sie: ob das noch besser wird?
21.19 Ich: is zu hoffen.. was war das denn mit den herzen? Hilfe - Sie: das geht wirklich gar nich
21.21 Sie: wer macht denn da die geräusche?? einfach normal bleiben!!! - Ich: oh, gretchens mutter!! (Anm.: von Doctor‘s Diary)
21.22 Sie: ich hab den jesus liebt mich gesehn, da warn auch wieder viele doctors diary dabei
21.23 Ich: ach so? - und so gehts bergab - das thema (die serie) is schon passé
21.23 Sie: glaub ich auch
21.24 Sie: nix neues und auch nich witzig - Ich: wir zählen einfach die bekannten darsteller
21.25 Sie: das find ich gut - guck ma wie locker die da steht! - Ich: ja, hoffentlich gehts uns auch so drei minuten nachdem wir n kind gekriegt haben.. die blaue bluse gefällt mir
21.26 Sie: und auch das hat ja nur 3 min gedauert. perfekt würd ich sagen
21.29 Sie: warum kriegen die keine vernünftigen gags hin?
21.49 Sie: ich glaub die versuchen mark nachzuahmen! klappt aber nich
21.50 Ich: sloane? (Anm.: Mc Sexy von Grey‘s Anatomy) - Sie: nein! Meyer (Anm.: Doctor‘s Diary) jaa ich meinte allgemein soll freund schmidt so ne art mark meyer sein
21.52 Ich: *lachtsichkaputt
21.53 Sie: warum? - Ich: freund schmidt
22.01 Ich: der kerl vom tatort odenthal.. lena odenthal, der partner von ihr
22.02 Sie: seeed is wohl alles an musik... guck ma wie dünn die is
22.04 Sie: wer füttert das kind? und womit?
22.06 Sie: duu was war das eben für ne serienwerbung mit gabriel macht?
22.07 Ich: na suits! kommt morgen aber auf vox, bin auch schon gespannt aber hab spät, da krieg ich wohl nich alles mit
22.11 Ich: hast du eben die back to school-werbung gesehen? mitm schweighöfer? haste den daneben erkannt, den anderen kandidaten?
22.12 Sie: nee ich hab noch überlegt, kam mir bekannt vor und jetzt hab ich angst zu fragen...wer isses denn?
22.13 Ich: tom beck! der aktuelle alarm für cobra 11.. - Sie: nee du meine güte hab ich kurz dran gedacht und denn: nee - Ich: voll der mega bart, die kerle gehen echt grad ab
22.14 Sie: obwohl ich sagen muss, bart muss nich schlecht sein aber ganz wichtig zu dem thema: bitte kein schnauzer wenn dann ganz oder gar nich
22.17 Ich: auf jeden!! - Sie: gut haben wir das auch
22.19 Ich: boah, also das ging echt nich. ich hatte es ja schon bei quotenmeter gelesen, aber die machen ja manchmal auch alles mies, aber hier haben die nich übertrieben
22.20 Sie: nee ich geb denen noch eine chance, manchmal is nur die erste folge doof...aber ich fürchte hier nicht
22.21 Ich: der style is echt wie für ne nachmittags oder maximal vorabendserie, aber doch nich für abends und erwachsene, also echt
22.22 Sie: ja wohl wahr. wer soll das gucken? also welche zielgruppe?
Ich: 12-18
22.24 Sie: ich würd eher sagen 12-13 - Ich: *gg
Sie: ich werd denn auch ma los
Ich: *gähn
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Ja, das war unser ungefiltertes Schmidt-Erlebnis. Ich muss leider sagen, der Begriff Klischee oder wenigstens Klischee-Bedienung wurde für diese(n) Serie(nauftakt) erfunden. Die Figuren sind dermaßen platt und vorhersehbar. Es ist wirklich eine Frechheit, dass einem sowas am Abend als ,normale‘ Serie angeboten wird; sagen wir's gemeinsam: Lächerlich!

von Nicole

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Review: Turtle Beach „Z22“ Gaming Headset (PC/Mac)

Ich hatte einmal mehr die Gelegenheit ein neues Spielzeug in unserer Redaktion testen zu dürfen. Diesmal handelt es sich nicht um ein „Spielzeug“ im eigentlichen Sinne, sondern um ein feines Stückchen Peripherie. Das Turtle Beach Gaming Headset mit der Kennung „Z22“ konnte ich in meinem Test auf Herz und Nieren prüfen. von Matze
 

 
Erster Eindruck
Ich wartete schon den ganzen Morgen auf den netten Herren mit der gelben Jacke. Gegen Mittag war es dann endlich soweit. Mein lang erwartetes Päckchen kam endlich an. Als ich den Versandkarton öffnete, strahlte mich schon die im schlichten schwarz und rot gehaltene Verpackung an. Schon jetzt sah es nicht nach einem der 08-15-Headsets aus, die lieblos in irgendwelchen Plastikkäfigen auf ihren Kauf warteten. Vielmehr sollte es dem Käufer suggerieren hier ein echtes Schmuckstück à la Apple-Hardware zu erhalten. Nach dem ich den Pappschuber entfernte und ich einen Blick ins Innere erhaschen konnte, war mir klar, dass die Verpackung nicht vom eigentlichen Inhalt ablenken sollte.
 

Tragekomfort und Technik
 
Das Erste was mir eingefallen ist war „Okay, es ist zwar komplett aus Plastik aber sieht nicht billig aus!“ Natürlich hat das verarbeitete Plastik auch einen Sinn. Mit gerade einmal knappen 250 Gramm ist das vollwertige Gaming Headset ein echtes Leichtgewicht. Nach einiger Zeit in Benutzung merkt man schon gar nicht mehr, dass man es auf dem Kopf trägt. Was ich, wie bei jedem Turtle Beach Headset, wirklich schätze, sind die großzügig gepolsterten Kopfbügel, die sehr gut verarbeitet sind und die ebenfalls sehr bequemen Ohrmuscheln. Mehr Tragekomfort bieten selbst Headsets im höheren Preissegment nicht.
 
Neben dem Komfort des Tragens geht es natürlich vor allem um den Sound. Und das „Z22“ hat sehr viel davon! Die Fünf Zentimeter große Lautsprecher geben einen satten Sound aus und lassen Schleichversuche eines Gegners kaum zu. Da es sich um ein reines Stereo-Headset handelt, hört man zwar die Schritte der Gegner, kann sie aber nicht genau lokalisieren. Im Lieferumfang befinden sich neben diversen Kabeln auch der Inline-Verstärker. An ihm habt ihr die Möglichkeit den Sound des Spiels, Chat-Lautstärke und den Mikrofonmonitor separat zu steuern. Aber auch die Höhen und Bässe lassen sich damit einzeln einstellen. Ein weiteres Highlight ist die Möglichkeit, mit dem beigelegten Klinken-Kabel ein Smartphone oder Tablet ebenfalls über das Headset laufen zu lassen. Damit ihr beispielsweise keine Anrufe mehr verpasst, wenn ihr gerade mitten im Spiel seid. Das Beste, ihr müsst dann nicht einmal die Kopfhörer ablegen. Einfach den Schieber des Inline-Verstärkers auf das Telefonsymbol schieben, et voilà, das war es schon.
 
Um das Headset in Betrieb zu nehmen, braucht ihr keine Treiber oder Ähnliches installieren. Einfach das Gerät via USB und Klinke mit dem Rechner verbinden und schon kann es los gehen. Nicht nur bei Spielen macht das Headset eine gute Figur, auch bei Telefonie-Programmen wie Skype oder auch Videoschnittprogrammen wie Final Cut ist das „Z22“ ein guter Begleiter. Der Sound ist satt und die Sprachqualität hervorragend. Einziger Kritikpunkt ist das zwar leise aber durchgehende rauschen wenn die Kopfhörer sich im „Stand-By-Modus“ befinden. Aber darüber kann man hinwegsehen.
 

Fazit
 
Das Turtle Beach „Z22“ Gaming Headset ist ein Alleskönner im Bereich der Einsteiger- und Mittelklasse. Makelloser Tragekomfort und leichte Komponenten machen es zu einem echten Leichtgewicht. Die Sound- und Sprachqualität können überzeugen, Platz nach oben gibt es immer. Einstellungsmöglichkeiten und Features wie das zusätzliche Anschließen eines Smartphones oder Tablets sind sehr gut und machen Sinn. Alles in allem macht das „Z22“ eine richtig gute Figur und das bei einem Preis von circa 43 Euro. Wenn ihr also ein neues PC-Headset benötigt und es nicht nur zum Spielen benutzen wollt, können wir euch das „Z22“ wärmstens empfehlen.

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CONSERVE THE SOUND – Ein Online-Archiv für verschwindende Geräusche

Spitzt mal die Ohren und schließt eure Augen. Jetzt stellt euch mal vor, ihr seid 20 Jahre jünger und gerade im Haus eurer Großeltern. Die Oma will mit Tante Hedwig aus Buxtehude telefonieren, greift zum Hörer des Telefons und führt den Zeigefinger in das Loch der Wählscheibe. Erst die Null: „rischt-rüscht“ – die Wählscheibe dreht sich wieder zurück in die Ausgangsposition. Dann die Neun: „riiiescht-rüüüüscht“. Hört ihr den Klang von diesem alten Plastetelefon im Ohr? Meine Großeltern hatten übrigens ein Exemplar in Grün mit extra Ohrmuschel, falls der Opa beim Gespräch von Oma und Tante Hedwig mithören wollte. von Susann
 
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Und darum geht‘s. Mein Fundstück in dieser Woche ist das „rischt-rüscht“ und das „riiiescht-rüüüüscht“ des alten Telefons meiner Großeltern, das schon längst nicht mehr existiert. Irgendwann im Zuge einer technischen Modernisierung wurde es samt dem Apparat im ersten Stock des Hauses (der war schwarzbraun) und dem Telefon für heimliche Anrufe im Keller (das war auch grün, damit haben wir die Leute aus dem Telefonbuch mit Scherzanrufen zur Verzweiflung getrieben) entsorgt und durch eine schnurlose Tastenvariante ersetzt. Aber das Geräusch, das die Wählscheibe macht, wenn sie zurückschwingt, dieses „riiiescht-rüüüüscht“, vergisst man nicht.
 
Jetzt bin ich durch Zufall auf ein spannendes Projekt gestoßen, das den Namen „Conserve the sound“ trägt. Es ist phantastisch. Ein Sammelsurium an Tönen und Bildern von Gegenständen aus vergangenen Zeiten.
 

 
Worum geht‘s? „Conserve the sound“ ist ein Online-Archiv für verschwindende Geräusche. “Die Geräusche eines Wählscheibentelefons, eines Walkmans, einer analogen Schreibmaschine, eines 56k-Modems, eines Atomkraftwerks oder sogar einer Handytastatur sind teilweise schon verschwunden oder verschwinden gerade aus dem täglichen Leben. Diese Sounds werden gesucht, aufgenommen und auf www.conservethesound.de ausgestellt.” 2013 wurde das Projekt mit dem Deutschen Kulturförderpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft BDI e.V. ausgezeichnet.
 
Und das zu recht: Schließlich gibt es für viele Dinge Archive. Für Fotografie, öffentliche Dokumente, Videoaufnahmen, Malerei oder sogar Saatgut. „Die heutige Industriegesellschaft ist schnelllebig. Täglich werden neue Objekte erfunden und produziert. Die Produktlebenszyklen werden immer kürzer. Altes gerät in Vergessenheit und wird verworfen. Eine damit einhergehende akustische Evolution der Dinge wird bisher völlig außer Acht gelassen. Dabei sind die uns umgebenden Klanglandschaften immer auch ein Spiegelbild unserer Gesellschaft und Kultur“, erklären die Gründer von Conserve The Sound, Daniel Chun und Jan Derksen. Beide betreiben „CHUNDERKSEN“, ein junges Büro für Filmproduktion und Kommunikationsdesign in Essen und Hamburg.
 
Schaut bzw. hört euch mal um, es lohnt sich!

 

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Fundstück

Hier ist mein schönstes Fundstück der Woche. Viel Spaß damit. von Susann
 

 

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“Likeattack”: Facebookseite der NPD gekapert!

Super Idee! Leute auf Facebook posten einfach unter die menschenverachtenden, rechtsextremen Beiträge auf der Facebookseite der NPD bunte Bilder und freundliche, antirassistische Kommentare oder einfach ein Rezept für indisches Naan Brot. Zur Aktion „Likeattack“ hat die Initiative „Laut gegen Nazis“ aufgerufen. Scheinbar mit Erfolg, denn der Social Media Manager (oder wie auch immer die Bezeichnung ist) kommt kaum hinterher, die bunten Beiträge zu löschen. So kann man folgende Kommentare lesen:  von Susann
 

„Wo das Gehirn in den Schuhen sitzt kann nur Mief rauskommen!!!“ 

„Flower Power statt White Power“
“Katzen statt Glatzen”

 

Screenshot


 
Erklärtes Ziel ist es die “Facebook-Seite der NPD bunt statt braun” zu machen. Dabei kann jeder mitmachen, wird auf der Homepage der „Likeattack“ erklärt:
 
„1. Auf Facebook einloggen und NPD-Fanpage liken!
2. Den Link einer unserer Botschaften dort als Kommentar posten.
3. Das Aktions-Video auf Facebook und Twitter mit Freunden teilen, damit alle mitmachen.
4. Nach der Aktion Entliken nicht vergessen!“
 
Bunte Bilder für bunte Inhalte gibt es auch zur Auswahl:

 

via Likeattack.de

via Likeattack.de


 

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Rambazamba in der Pampa!
ZDF-Vorzeige-Saubermann Markus Lanz gegen Linken-Galionsfigur Sahra Wagenknecht

Der 16. Januar – für manche ein normaler Donnerstag, für andere wurde an diesem Tag die Büchse der Pandora geöffnet. Man könnte vermuten, es wäre bei einer Sendung wie „Tatort“ oder „Wetten, dass..?“ passiert, bei der es zig Millionen Zuschauer gibt; irgendeine Art Fauxpas, der die Nation seither mehr aufregt als Larissa Marolt im „Dschungelcamp“. Aber nein, es passierte quasi in der Pampa, in dem kleinen Spätprogramm des ZDF, bei der Talkshow von Markus Lanz.
 

via radioactivegrrl/tumblr

Was hier so eine riesige Medienaufmerksam erregen konnte? Markus Lanz hatte Sahra Wagenknecht eingeladen. Nun ja, das weibliche Flaggschiff der Linken lässt sich des Öfteren in Talkshows sehen und war auch schon mehrmals bei Lanz zu Gast, wusste also ungefähr, was und vor allem wer sie – zumindest in Gestalt des Moderators – erwartet. Als äquivalentes Gesprächs-Pendant gesellte sich Hans-Ulrich Jörges dazu, Journalist und u.a. Teil der Stern-Chefredaktion.
Man hätte nach der Vorstellung der Gäste sagen können: ,Ring frei!‘, denn in den folgenden ca. 37 Minuten lieferten sich Wagenknecht und Jörges einen politischen Schlagabtausch der Extraklasse und Moderator Lanz stellte zwischendurch ein paar Fragen. Ja, es war schon ungewöhnlich, dass immerhin die halbe Sendezeit lang lediglich zwei Gäste plus Moderator zu Wort kamen und kein anderer einen Einwand wagte, ganz geflasht von diesem Showdown. Moritz Bleibtreu gab ganz verdattert zu: „Also, damit hatte ich nicht gerechnet.“
In diesen 37 Minuten hatte Sahra Wagenknecht eine alleinige Redezeit von ca. 15 Minuten – ich habe die Zeit selbst gestoppt – nicht schlecht in einer Sendung mit fünf Gästen! Gesetzt den Fall, es gäbe keine Fragen, Pausen und Einspieler hätte natürlich theoretisch jeder 15 min Redezeit bei dem 75 minütigen Format. Ergo, Frau Wagenknecht hat schon ein paar Minuten der anderen Gäste übernommen und kann sich dementsprechend wirklich nicht beschweren, dass sie ihre Positionen nicht ausführlich hätte darlegen können!
 
Ja, phasenweise hatte Herr Lanz drei-, viermal nachgefragt, aber:
1.) so ein bisschen Dazwischenquatscherei bzw. Sätze des anderen beenden, ist eben seine Art und wenn man‘s furchtbar findet, geht man nicht hin
2.) muss es als Moderator legitim sein Nachfragen zu stellen und das auch mehrfach, wenn der Gefragte ausweicht (Spezialität der Politiker) zumal er meist sehr höflich geblieben ist: „Entschuldigung, hier muss ich nochmal nachfragen/einhaken etc.“
3.) hat er während der Sendung auch schon selbst reflektiert zugegeben, dass die beiden (Lanz und Wagenknecht) in dem Punkt Europa z.B. schon mal aneinander geraten sind bzw. einfach nicht auf einen Nenner kommen und dass es Sahra Wagenknecht als einzige Frau in der Runde nicht leicht hatte. Man hatte das Gefühl, es war ein Thema über das sich Lanz selbst aufgeregt hat und er deshalb etwas, wie er es nannte „rustikaler“ wurde – er war – im Gegensatz zu ein paar Aussagen von Herrn Jörges – aber in keinster Weise beleidigend
4.) denke ich, dass Lanz manche Fragen, wie beispielsweise nach dem Verdienst Wagenknechts, gestellt hat, um es dem Zuschauer zu vereinfachen, am Ball zu bleiben und diesen regelrechten Opinion-Clash ein bisschen runterzubrechen. Klassisches Beispiel für diese Methode ist Stefan Raab bei „Schlag den Raab“, der immer tausend Nachfragen vor jedem Spiel hat – die er, meiner Meinung nach, aber nicht stellt, weil er die Regeln nicht begreift, sondern weil er will, dass auch der letzte Zuschauer alles geschnallt hat.
 
Was also ist passiert? Ein Moderator hat an einigen Stellen etwas zu beherzt bzw. penetrant nachgehakt – er wurde nicht beleidigend und der Fragestil war – wenn man zum Beispiel an die expliziten Politik-Talkrunden denkt – nicht ungewöhnlich.

Und darum regen sich zigtausend Leute auf? Das ist das Furchtbarste, was es im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen gibt? Ich bitte euch, was ist schon eine Sendung wie „Markus Lanz“ im Vergleich zu Rote Rosen oder Sturm der Liebe?!? Sein Format läuft zudem erst um 23.15 Uhr, da sind nun wirklich wenige Leute noch munter und gezwungen sich das anzugucken!
 
Im Gegensatz dazu läuft aber heute zur Prime-Time Fußball – das ist erstmal ein Spartenprgramm und eine Zumutung, für die ich Gebühren zahlen muss!!!
Mal sehen wie viele Leute ich per Online-Petition zusammenkriege, die dafür sind, diese lästigen Übertragungen auf Sonntagnachmittag zu verschieben…

von Nicole
 

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Original und Fälschung – Kommune I und JuLis

Die neue Social-Media-Kampagne APO 2.0 der JuLis sorgt im Moment für Aufregung: Die jungen Liberalen wollen mit einem provokanten Bild auf die 68er-Bewegung verweisen und damit für liberalen Zuwachs (in der Partei) werben und  ja – man könnte dem liberalen Nachwuchs Popolismus vorwerfen. Die JuLis erklären die Aktion so: “Wir Liberalen sind nun die APO, die außerparlamentarische Opposition. Das haben wir uns zwar nie so gewünscht, werden jetzt aber das Beste draus machen! Dass man politisch auch von außerhalb des Parlaments viel verändern kann, hat uns spätestens die 68er-Bewegung gezeigt.”
 
Die Rechnung scheint jedoch nicht ganz aufzugehen. Während sich auf dem Facebookprofil der Social-Media-Beauftragte der jungen Liberalen damit brüstet, dass das Bild von Facebook gesperrt wurde, weil es “etwa zu sexy für Facebook?” sei, erntet das Foto auf anderen Kanälen eher hämische Kommentare. “Oh, die JuLis geben die Abspaltung von der FDP bekannt: Nun für Pazifismus, Feminismus und die Überwindung des Kapitalismus!”, heißt es noch eher gesittet. Mal Schauen ob die Kampagne Früchte trägt….
 
Hier das besagte Foto der JuLis mit entblößten Hinterteilen:
 

via http://www.julis.de/apo.html


 
Das Original stammt von der Kommune I:
 

via indymedia.org


 

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Für Indie zu schön für Mainstream zu obszön
,Schlaflos‘ – Das neue Album von Jennifer Rostock

Foto: Shane McCauley

Ja, ik find se großartig, die Jungens und dat Mädel von Jennifer Rostock. Seit ich beim BuViSoCo 2008 ,Kopf oder Zahl‘ gehört habe. Endlich mal (wieder) eine Band, die das kreative Potenzial, das unsere deutsche Sprache zu bieten hat anständig ausnutzt. Nicht dieser ewig schnulzige Einheitsbrei, sondern jede Menge Wortspielerei – ich liebe es!
Was ,Wir sind Helden‘ vor – Hilfe! – 10, 11 Jahren angefangen haben; ich kann mich noch gut erinnern, als ich 2003 in Berlin auf Abschlussfahrt das Helden-Album „Reklamation“ für meine große Schwester gekauft und mich sofort verliebt hab; führen Jennifer Rostock – um einiges rockiger und punkiger als die Helden – seither weiter.  
von Nicole
 

Seit dem letzten Album ‘Mit Haut und Haar’ sind schon wieder 2,3 Jahre ins Land gegangen, deshalb war meine Vorfreude aufs neue Album groß und die Freude über den kleinen Karton, der mich am 17. Januar endlich erreichte riesig – die heißersehnte Schlaflos-Deluxe Box, bereits vor Monaten bestellt. Warum Deluxe Box? Da waren ein Wecker und ein Shirt dabei!! Ich bin so einfach zu ködern – tolle Gimmicks und schon hat man mich am Haken. Nun ja, das Shirt passt und der Wecker funktioniert, allet schick soweit. Jennifer Rostock Schlaflos Deluxe Box
Natürlich hat mich in erster Linie das Album interessiert. Und beim Stöbern fanden sich gleich zwei weitere CDs – „Stromlos“ (Unplugged-Versionen von sieben Songs) sowie „Tanz, los!“ (Remixe von neun Songs) – schon mal eine sehr feine Idee, JR für jede Gemütslage. Ich gebe zu, bei „Tanz, los!“ hab ich nur sporadisch reingehört, son Remix-Krams packt mich nicht so, aber vielleicht war zuhause auch nicht der richtige Ort für diesen Sound. „Stromlos“ ist auf jeden Fall sehr gut gelungen – der Variationsreichtum der Stimme von Frontfrau Jennifer Weist kann sich sehen lassen.
 
Zu den Texten:
Es gibt wieder jede Menge toller, einfallsreicher Wortspielereien à la ,Ohne Weg und Weiser ohne Schild‘, ,Wir spielen Stadt Land Überfluss‘ oder ,Doch die Gedanken sind in Bild und Ton asynchron‘ oder mit Betonung auf den Klang: ,Zwischen all den Lippen wippen Kippen‘.
Abseits der Form geht es noch immer um Liebe, Leben, sich ausleben wollen, darum, was einen begeistert, langweilt, antreibt und auch um Frust, um die alltäglichen gesellschaftlichen und persönlichen Zwiespältigkeiten und Kompromisse, mit denen man zu tun und kämpfen hat: ,Was ich will und was ich will, das sind zwei verschiedene Dinge‘.
Durch all das zieht sich mal mehr mal weniger präsent das Überthema ,Schlaflos‘ und zeigt auf, welche Gedanken, Menschen, Situationen einen manchmal freiwillig oder unfreiwillig wachbleiben lassen.
 
Zur Musik:
Es ist natürlich nicht alles perfekt, der Song ,Hollywood‘ beispielsweise gefällt mir am wenigsten, aber nach wie vor ein tanzbarer, unterhaltsamer Mix aus Pop-, Rock-Songs, frei Schnauze, energiegeladen, wütend gesungen. So manche kleiden sich zwar in altbewährter, typischer Jennifer Rostock-Robe, aber durch den frischen auch mal ironischen Text, wie beispielsweise bei K.B.A.G. („Wo kriegen wir ein Feature her, das keinen interessiert?“) kommt keine Langeweile auf. Natürlich dürfen auch neue Balladen nicht fehlen, bei denen Jennifers Stimme wundervoll zerbrechlich klingt (,Bis hier und nicht weiter‘ & ,Schlaflos‘). Bei ,Wenn der Wodka zweimal klingelt‘ musste ich ob der Country-Anleihen echt schmunzeln. Einer meiner Favoriten ist ,Ein Schmerz und eine Kehle‘, denn der musikalische Rahmen und der Rap-Gesang von Jennifer Weist bilden ein traumhaftes Faust aufs Auge-Duo, das funtastisch zum Lied passt.

Insgesamt ein wirklich gelungenes Album, wie ich finde, bei dem Band und Sound merklich gereift sind. Ich bin sicher, dass das Ganze auch auf der Bühne bestens funktionieren wird!

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Traurige Fische

Der traurig schauende Blobfisch ist bereits 2013 zum hässlichsten Tier der Welt gewählt worden. Nun ist er das Maskottchen der „Ugly Animal Preservation Society“ (Gesellschaft zur Bewahrung hässlicher Tiere). Doch ganz ehrlich:
 

via smartpeopleposting/Tumblr


 
Der Blobfisch schaut so grummelig, traurig und griesgrämig, dass er mit seiner beinahe menschlichen Erscheinung Mitleid erregt.
So auch der Fisch im folgenden Video. Man möchte den traurigen Kerl am liebsten – um es mit Elviras Worten zu sagen (ihr wisst schon: Die Rothaarige von den Tiny Toons) – „knuddeln und wuddeln, bis ihm die Luft weg bleibt“.
 

via dedemais/Tumblr

Hier das Video von Fisch “Harley”, der auf ein Happy End hofft. Übrigens: Der Erfinder von “Harley” hat über 200 Stunden Arbeit in das Video gesteckt. 
 

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