„Benehmen ist Glücksache“
Zum Geburtstag des Freiherrn zu Knigge

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Am 16. Oktober 2014 hätte Adolph Freiherr zu Knigge seinen 262. Geburtstag gefeiert. Wer denkt, seine Geburtstagsfeier wäre steif, hochgradig penibel und unter der besten Etikette verlaufen, irrt sich.

 
Gutes Benehmen, Anstand und Höflichkeit sind zweifelsohne Eigenschaften, die jeder Mensch einigermaßen beherrschen sollte. Sei es im Alltag, im Beruf oder im Freundeskreis – überall gilt es, diverse Richtlinien einzuhalten.
 
Für alle, die nicht in sämtliche Fettnäpfchen des Alltags stolpern wollen, gibt es Ratgeber, Benimmkurse und Anstandsportale. Ursprung aller Etikette ist der „Knigge“, die Anstandsfibel des souveränen gesellschaftlichen Auftrittes.
 
Wussten Sie, dass eine Dame entscheiden darf, wem sie die Hand gibt? Oder, dass man Brot nicht in die Suppe tunkt? Dafür ist es erlaubt, die restlichen Suppenschlückchen zu trinken, falls sie sich in einer kleinen Suppentasse mit Henkeln befinden. Davor aber immer schön alle dickeren Bestandteile herauslöffeln – mit der Löffelspitze in den Mund – niemals breitlings.
 
Kaffee- oder Teelöffel werden nicht abgeleckt, sondern vom Heißgetränk direkt auf den Untersetzer befördert. „Guten Appetit“ wünscht man sich nicht mehr, das klingt im Restaurant nämlich entweder wie Eigenlob oder als Wunsch, dass das Essen auch hoffentlich schmecken möge.
 
Mit Gläsern darf man nicht mehr anstoßen (außer bei runden Geburtstagen), sie sollten immer am Griff angefasst werden und dem Gastgeber gebührt der erste Schluck. Geht es leger zu, kann sich zugeprostet werden, ansonsten wird das elegantere „Zum Wohl“ verwendet.
 
Das sind nur einige von vielen Regeln, die immer mit einem Namen in Verbindung gebracht werden – dem Knigge. Doch wer war dieser Herr, dem wir all das zu verdanken haben?
 
Freiherr Adolph Franz Friedrich Ludwig Knigge wurde am 16. Oktober 1752 in Bredenbeck geboren. Als er zehn Jahre alt war, starb seine Mutter. Wenige Jahre später auch sein Vater und seine Schwester. Allein, und mit mehreren Gulden an Schulden, führte er ein unstetes Leben.
 
Nach seinem Jurastudium wurde er als höherer Beamter in Kassel angestellt, wo auch seine Tochter Philippine Auguste Amalie zur Welt kam. Er versuchte an verschiedenen Höfen Karriere zu machen, was ihm aber nicht gelang, so schrieb er Literaturrezensionen, politische Satiren oder Theaterstücke. Knigge war ein Aufklärer. Er setzte sich gegen den Absolutismus und für die Gleichheit der Menschen ein. 1796 starb er in Bremen.
 
Adolph Freiherr von Knigge wäre es so ziemlich egal gewesen, wie man ein Weinglas halten muss oder wer wem zuerst zuprosten darf. Zeit seines Lebens hat er sich nicht über diese Dinge geäußert und es ist anzunehmen, dass er nicht gerade begeistert darüber wäre, mit welchen kleinkarierten Etiketten sein Name in Verbindung gebracht wird.
 
Der ursprüngliche „Knigge“, das 1788 verfasste Werk „Über den Umgang mit Menschen“ beinhaltet keine Benimmregeln, sondern ist eine Aufklärungsschrift für die bürgerliche Gesellschaft, über menschlichen Anstand und wie man mit verschiedenen Charakteren umzugehen hat, ohne sich verstellen oder falsch sein zu müssen. „Sei, was du bist, immer ganz und immer derselbe“, steht dort geschrieben.
 
Erst nach seinem Tod wurde das Werk immer weiter ergänzt und ist im Laufe der Zeit zum Benimmwerk avanciert. Bei jeder neuen Edition werden weitere Anstandsregeln ergänzt, an die sich Knigge wohl nie gehalten hätte. Knigge vertrat den Ansatz: „Man soll nie vergessen, dass die Gesellschaft lieber unterhalten als unterrichtet sein will.“ Er hatte seine ganz eigenen, lockeren Ansichten was gesellschaftliche Unschicklichkeiten, Tischmanieren, festliche Anlässe oder Betrunkene betrifft:
 
„Der Wein erfreut des Menschen Herz, und wenn man dies Vehiculum nicht als ein notwendiges Bedürfnis, sondern als ein Erweckungsmittel braucht, um in trüben Augenblicken den natürlichen guten Humor, hervorzurufen, so habe ich nichts dagegen einzuwenden, sondern gestehe vielmehr, dass ich selbst die wohltätige Wirkung dieser herrlichen Arznei aus dankbarer Erfahrung kenne.“
 
Mit diesem Mann hätte man doch gerne gefeiert! Prost und alles Gute, Herr Knigge! von Julia

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