Fundstück in Jena: Wohnzimmer auf der Straße

Heute Morgen habe ich diese tolle Szenerie gesehen: Ein fast komplett eingerichtetes Wohnzimmer mitten auf der Kreuzung im Damenviertel. von Susann

 
 

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Donnerstag, 26. Februar morgens im Damenviertel, Jena.


 
Mir fallen dazu so viele Dinge ein, dass ich sie kurz aufschreiben muss:
 
1. Hat da jemand seine Miete in der WG nicht bezahlt und wurde so höflichst auf das Säumnis hingewiesen?
 
2. Ist das eine neue Form des Protestes, weil die Mieten gerade im Damenviertel so teuer sind?
 
3. Das Sofa hat die Farbe terracotta. Ich musste sofort an das typisch deutsche Wohnzimmer denken. Demnach haben die meisten Sofas (ist das die richtige Bezeichnung für die Mehrzahl von Sofa?) die Farbe terracotta. Ich hatte mein erstes WG-Zimmer in diesem Farbton gestrichen. Es dauerte vier Wochen, bis ich neue Wandfarbe gekauft habe. Terracotta ist widerlich. Warum wird der noch hergestellt und vor allem: Warum ist die Farbe in deutschen Wohnzimmern so häufig vorhanden? Ist es die Sehnsucht nach mediterranem Flair, nach italienischem Temperament oder der Leichtigkeit des Seins an der Cote d’Azur?
 
4. Ich wäre gern dabei gewesen, als das Sofa in einer nächtlichen Aktion aus einer spontanen Laune heraus auf die Straße gestellt wurde. Was muss das für ein Gefühl gewesen sein? Jeder kennt doch den gequälten Satz „Mir fällt die Decke auf den Kopf“,  wenn selbst der größte Ballsaal mit den höchsten Decken zu eng ist. Und dann plötzlich: Endlose Weite, Sternenhimmel, frische Luft, die Gedanken können fliegen, ganz weit – auf der Kreuzung im Damenviertel.
 
5. Heute Abend stell ich meine Möbel auch raus….das Bett, die Couch, die Leselampe, den Küchentisch, die Kaffeemaschine und meinen allerliebsten alten Rumfletzsessel. Einfach mitten auf die Straße.
 
(Höchstwahrscheinlich hat aber nur jemand den Grobmüll ansehnlich arrangiert)

 

 

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