Sonntagnachmittag – Chaos, Kinder und Kuchen unterm Sofa

Kinder….ich habe lange darüber nachgedacht, ob es nicht schon Zeit ist, eigene zu haben. Den Satz „Du hast doch jetzt das richtige Alter!“ oder „Euch würde ein Kind bestimmt gut stehen“ haben wir schon oft gehört, zu oft wie ich finde. Doch nach diesem Sonntagnachmittag ist auch der kleinste Wunsch nach eventuellem Nachwuchs im Keim erstickt worden. von Susann
 

via caterville/tumblr

Es hätte so schön sein können: Die Verabredung am Sonntag zu Kaffee und Kuchen. Wir hatten uns lang nicht mehr gesehen, wir haben uns auf einander gefreut. Vorher nochmal kurz durchsaugen und dann die schönen grünen Keramiktassen auf den Tisch, Schokokuchen ist auch noch warm. Für die drei kleinen Kiddies gibt es Saft und Kakao. Dann klingelt es. „Line ist in Hundekacke getreten“ – „Das macht doch nichts! Kommt erst mal rein! Hallo! Schön, dass ihr da seid.“ Samt Scheiße am Schuh nahm die dreijährige Line die Einladung an und machte sich auf die Suche nach unserer Katze – einmal quer durch die Wohnung – SAMT SCHEIßE AM SCHUH!
 
Dann ging es los. „Die Kinder haben keinen Mittagsschlaf gemacht, stattdessen waren wir im Wald spazieren.“ Aha! Daher haben die Kleinen die so schönen, großen Stöcke mitgebracht und schlagen damit gleich gegen unseren 60er-Jahre Designschrank. Boom, boom, boom! Gut, die Eltern werden schon etwas sagen, denke ich. Falsch gedacht! Mein Freund geht dazwischen – liebevoll und mit guten Argumenten. Die Kinder schauen ihn an und starten den Run aufs Sofa – das hat(te) einen hellen Bezug. Boom, boom, boom. Sie sehen den Kuchen, wir setzen uns an den Tisch, es gibt Kaffee. Linus, fünf Jahre, meint zum Kuchen „Der schmeckt angebrannt, den esse ich nicht!“ Ich gebe zu, dass ich den Kuchen fünf Minuten zu lange im Ofen hatte und erkläre ihm, dass er ja das untere Teil des Stücks essen könne. Linus nimmt beide Hände, greift sich den Schokoladenkuchen und teilt ihn mit seinen kleinen Fingern in unendlich viele Teile. Seine Mama sagt: „Linus, pass bitte auf, dass du nicht so sehr krümelst.“ Lina und Lilly sehen die schöne Kuchenmatschepampe ihres Bruders und quieken wie verrückt, als sie ihre winzigen Hände in den Kuchen stecken, um ihn vollends zu zerstören. Das Backen hat mich übrigens 1 1/2 Stunden meines Sonntagvormittags gekostet. Schwups: Lina rutscht ab, der Kuchen fliegt über den Tellerrand und landet unter dem Sofa. Meine Freundin sieht nach unten, findet ihn aber nicht und gibt sich auch nicht wirklich Mühe weiter danach zu suchen. „Nicht so schlimm!“, sage ich schon das zweite Mal an diesem Nachmittag und frage mich, warum die Kinder gerade heute keinen Mittagsschlaf machen sollten. Die erste Schokoladenhand landet auf dem sandfarbenen Sofa. „Nicht so schlimm! Die Bezüge sind waschbar.“ Danke schön, Ikea. Ihr denkt mit!
 
So hatte ich mir das nicht vorgestellt. In meiner Version sitzen wir alle am Tisch und führen wirklich anregende Gespräche, die Kinder lachen und malen mit Buntstiften Bilder aus. Später trinken mein Freund und der Papa der Kinder noch ein Bier auf die alten Zeiten und ich tausche mich mit der Mama der Kinder über dies und jenes aus.
 
Die Wirklichkeit ist anders: Die Kinder sind wie eine große Sturmfront, ein Tornado mit einem allesfressenden Auge. Sie springen auf unserem Bett im Schlafzimmer auf und ab. Es knackt gefährlich laut. Unser Mietzekätzchen kauert unter dem Bett, versteckt sich. „Morle, Morle, Morle!“, „Die doofe Katze soll vor kommen!“, „Die versteckt sich vor uns!“ Ich will mich auch verstecken. Mein Freund rettet Morle und erklärt den Kindern, dass Morle nicht mit ihnen spielen will. Mama und Papa von Lina, Lilly und Linus – die Namen sind ja wirklich süß – sitzen im Wohnzimmer und entspannen. Es muss nicht einfach sein, Kinder zu haben – Kinder, die keinen Mittagsschlaf gehalten haben. Dann endlich greift der Papa von Linus ein, spricht ein Machtwort, als Linus aus der Wohnung rennt und bei unseren Nachbarn Sturm klingelt. Sie gehen. Endlich. Zwei Stunden Chaos, Kinder und jede Menge Kuchen unter, auf und im Sofa. Mein Freund fragt mich, ob wir später immer noch Kinder haben wollen. „Ja, aber viel später!“ Ob unsere auch so wild werden? Diese Zwei-Stunden-Erfahrung reicht bestimmt für die nächsten fünf Jahre. Und dann kommt Morle unterm Bett vor und schleicht – noch immer ganz benommen – zu uns. Ich finde, wir sehen ganz schön geschafft aus – am Sonntag.

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