Jojo Moyes: Eine Handvoll Worte

untitledNach ihrem Weltbestseller „Ein ganzes halbes Jahr“ erschien nun „Eine Handvoll Worte“ von Autorin Jojo Moyes. Ein Buch, bei dem auch wieder die Liebe im Mittelpunkt steht.
 
Ellie hat karrieretechnisch schon so einiges erreicht. Sie arbeitet in einem renommierten Londoner Verlag als Journalistin und „lebt ein Leben wie in Hochglanzmagazinen“ (S.378). Doch die Affäre mit einem verheirateten Mann nimmt sie mehr mit als ihr lieb ist. Das bekommt sie sowohl privat als auch beruflich zu spüren. Während der Recherche zu einem Artikel stößt Ellie auf einen alten Liebesbrief und beginnt Nachforschungen darüber anzustellen. Hinter dem Schreiben steckt die Liebes- (und Leidens-) geschichte von Jennifer Stirling. In den 1960er Jahren lebt die junge Frau zusammen mit ihrem Mann in London. Äußerlich führen die beiden eine perfekte Ehe – er ist ein betuchter Geschäftsmann, beide verkehren in wohlhabender Gesellschaft und rein materiell hat sie alles, was eine Frau sich wünscht. Aber Jennifer ist nicht glücklich in ihrer Ehe. Dann lernt sie den Reporter Anthony O´Hare kennen. Beide verlieben sich ineinander und beginnen eine heimliche Affäre, die nicht nur im wahren Leben, sondern vor allem auf dem Papier stattfindet.
 
Von der Aufmachung her ähnelt das Buch seinem berühmten Vorgängerroman. Obwohl man nicht unbedingt von einem Vorgänger sprechen kann. „Eine Handvoll Worte“ schrieb Moyes bereits vor ihrem Bestseller „Eine ganzes halbes Jahr“, aber erst jetzt ist die Lektüre in deutscher Sprache erschienen. Inhaltlich behandeln beide Bücher das Thema Liebe, aber auf einer ganz anderen Art und Weise.
 
Untergliedert ist der Roman in einen Prolog, drei große Teile, die wiederum in 26 kleinere Kapitel unterteilt sind, einem Dank der Autorin und einem Anhang mit Anregungen für Lesekreise.
Jedem Kapitel ist „ein echter letzter Brief, eine E-Mail oder eine andere Form der Korrespondenz vorangestellt“ (S. 575), die aufzeigen, wie Menschen sich voneinander trennen – mal liebevoll, mal reumütig, mal „unter der Gürtellinie“.
 
„Eine Handvoll Worte“ erzählt zwei Geschichten, die das Thema unglückliche Liebe und Ehebruch in den unterschiedlichen Situationen aufzeigen – und egal in welcher Lage sich die Protagonisten befinden, jeder hat sein Köfferchen zu tragen.
 
Jennifer Stirlings Geschichte nimmt den größten Teil des Buches ein. Jennifer ist unglücklich verheiratet und beginnt eine Liebesbeziehung mit einem anderen. Aufgrund der gesellschaftlichen Zwänge ist es ihr so gut wie unmöglich ihren Mann zu verlassen. Sie würde fast alles verlieren.
Die beiden Hauptfiguren dieses Parts, Jennifer Stirling und ihr Geliebter Anthony O´Hare, wirken authentisch und die Charaktere sind gut ausgearbeitet. Man lacht, leidet und fiebert mit ihnen mit und hofft die ganze Zeit, dass diese Love-Story ein gutes Ende nehmen möge.  
Ellie wirkt nicht ganz so liebenswürdig wie Jennifer. Zwar ist ihr Charakter nicht gänzlich unsympathisch, aber ihr Verhalten ist manchmal nicht nachvollziehbar. Sie macht sich psychisch von einem Mann abhängig bei dem es offensichtlich ist, dass er sie nicht so liebt, wie es eigentlich sein sollte. Dabei vernachlässigt sie ihre Arbeit, ist beleidigt, wenn ihre Freunde versuchen, ihr die Augen zu öffnen und denkt nicht mit einem Wimpernschlag an die Ehefrau ihres Geliebten.
 
Während der Erzählung springt die Autorin nicht nur zwischen Ellies und Jennifers Geschichte hin und her, sondern es finden auch Zeitsprünge zwischen den Kapiteln statt. Dabei dauert es eine Weile, bis man hinter dieses Prinzip gestiegen ist. Aber gerade diese Zeitsprünge machen das Lesen so interessant. Die Geschichte ist dadurch weniger vorhersehbar und dieses stilistische Mittel erhöht zudem die Spannung.  
Inhaltlich besonders interessant ist die Darstellung der Rolle der Frau in den 60er Jahren. Oft waren die Damen nur das schöne Zierwerk ihrer Männer, ohne eigene Meinung. Und gerade an dieser Tatsache hat Jennifer Stirling zu knuppern, denn die junge Frau ist nicht nur schön, sie hat auch was im Kopf.
Ein gutes Beispiel ist der Dialog zwischen Jennifer und ihrem Mann, bei dem es um das Lesen der Tageszeitung geht.
 
„Was tust du da?“
„Ich lese die Zeitung“
„Das ist wohl kaum etwas für dich, oder? Sind deine Zeitschriften noch nicht gekommen?“
„Ich dachte nur, ich könnte mich ein wenig informieren. Schauen, was in der Welt so passiert“
„Ich glaube da ist nichts dabei, was dich betrifft.“
[…]
„Ich habe“, sagte sie mit Bedacht, „etwas über den Lady-Chatterley-Prozess gelesen. Der ist tatsächlich ziemlich interessant.“
[…]
„Wie auch immer. Aber tue heute Abend bloß nicht deine halbgare Meinung über solche Angelegenheiten kund, ja? Die Leute dort wollen nicht hören, wie eine Frau sich über Dinge auslässt, von denen sie keine Ahnung hat.“ (S.258)

Durch den wunderbaren Schreibstil von Jojo Moyes, die es auch mit diesem Roman schafft, den Leser von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln, durch die überzeugenden Charaktere und natürlich durch die bezaubernde Umsetzung des Themas -stilistisch als auch inhaltlich- ist dieses Buch absolut empfehlenswert.

von Nancy
 

Jojo Moyes
Eine Handvoll Worte
Rowohlt Verlag
Aus dem Englischen von Marion Balkenhol
592 Seiten.
ISBN: 978-3-499-26776-5
€ (D) 14,99/ € (AT) 15,50/ sFr 21,90

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar