Thüringen, die Arbeit und Ich

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Wir schreiben den 24. September 2011, vier Uhr in der Früh. Der Wecker klingelt. Ich war noch nie so wach um diese Uhrzeit…ich stehe auf und begebe mich ins Bad. Erst mal eine Ladung Wasser ins Gesicht schütten und die Zähne putzen. Mein Vater wirbelt schon seit einer halben Stunden durch das Haus, immer wieder zum Auto und wieder rein in die warme Stube. Ich bin zwar wach, sehe aber keineswegs danach aus. Erst mal eine Super-Size-Dose Energy Drink in den Rachen kippen und die Erste von vielen Zigaretten des Tages rauchen. Der Grund warum ich zu so einer unchristlichen Uhrzeit aufgestanden bin war klar…heute ist der Tag gekommen an dem ich mein geliebtes Ruhrgebiet verlassen und nach Gera ziehen werde.

So richtig realisiert habe ich es allerdings noch nicht. Heute kann ich sagen, es dauerte auch seine Zeit bis ich es wirklich verinnerlicht habe. Endlich ins viel zu beladene Auto gesetzt, beginnt auch schon die wilde Fahrt von gut 500 Kilometern in das „Grüne Herz Deutschlands“. Nach fünf Stunden Fahrt und diversen Stopps kamen wir endlich in der Zielstraße an. Unten wurde ich auch schon von meiner Freundin begrüßt (Sie war schon einen Tag vor mir dort) und zeigte mir die schon so gut wie fertig eingerichtete Wohnung. Ein paar Stunden und diverse Einkäufe später, fuhr mein Vater und meine Stiefmutter auch wieder zurück in Richtung Westen. Die ersten Wochen fühlten wir uns als würden wir in einer Ferienwohnung leben und als würde es bald zurück in die Heimat gehen.
 
Aber nach knappen zwei Monaten wurde uns bewusst, dass es nicht zurück geht. Das erste Jahr in Gera war wirklich hart für mich, nicht weil ich die Metropole Ruhr vermisste, eher weil ich als gelernter Mediengestalter hier einfach keinen Job bekam. Aber irgendwo musste das Geld ja herkommen. So begann ich zeitweise bei einem Fast-Food Restaurant, welches mit auf offener Flamme gegrillten Fleisch warb, zu arbeiten. Kurze Zeit später sogar als Schichtleiter. Darauf folgte ein kurzes Intermezzo bei einer Druckerei, bei der ich meinem gelernten Beruf nachgehen konnte. Danach arbeitete ich wieder bei einem Burgerbrater, diesmal das Restaurant mit dem güldenen M als Logo.
 
Durch einen Zufall sah ich eine Anzeige in der „hallo thüringen“, dass ein Volontär für die Redaktion in Gera gesucht wird. Kurz nach der Sichtung der Annonce setzte ich mich an meinen Rechner und schrieb meine Bewerbung und versendete sie. Ein paar Tage später bekam ich die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch in der Redaktion. Ich war schon lange nicht mehr so aufgeregt wie an diesem Tag. Für mich bot sich die Gelegenheit, nach einer langen Periode von Jobs die einen wirklich kaputt machen können. Einen Tag nach dem Gespräch erhielt ich einen Anruf, dass der Zuschlag zu meinen Gunsten ausgefallen ist und dass ich ab dem 1. August 2013 Volontär bei einer Zeitung bin.
 
Und so ist es nun…seit knappen drei Monaten sitze ich jeden Tag im Licht der Neonröhren und ich muss sagen, ich liebe diesen Job! Man lernt so viele verschiedene interessante Personen kennen, knüpft gute Kontakte und erlebt eine Menge, von dem viele Leute nur träumen. Hätte ich früher gewusst wie viel Spaß dieser Beruf macht, hätte ich mir die drei Jahre Ausbildung zum Mediengestalter sparen können. Aber das sind alles Erfahrungen die mir niemand mehr nehmen kann. von Marcel

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