Halloween: Ein Spuk, zwei Meinungen

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Keep Calm and say Boo
 
Ja, wie auch der Valentinstag ist Halloween ein Import aus den USA, der scheinbar hauptsächlich einem Zweck dient, nämlich jede Menge Geld auszugeben. Das kann man halten wie man will, jedenfalls wird niemand von einem bluttriefenden Zombie gezwungen sein Geld in Kürbisse und leuchtende Skelette zu investieren. Und ja, Halloween hat nichts mit unseren deutschen Traditionen zu tun, aber tatsächlich wissen viele auch nicht warum man das Alternativfest Martinstag, den Reformationstag oder wahlweise Allerheiligen feiert, also läuft es so ziemlich auf das gleiche hinaus. Und ganz ehrlich, welchem Kind geht es beim Martinstag wirklich ums Teilen und zwischenmenschlichen Idealismus?
 
Als Kind, das auf dem Dorf aufwachsen musste durfte, fand ich Martini klasse. Man ist mit seiner kleinen Laterne losgezogen, durfte ein bisschen länger aufbleiben und hatte schließlich einen riesigen Beutel voller Süßigkeiten. Prima. Am Ende, einer der besten Tage im Jahr. Aber mit der Zeit wurde man etwas zu alt cool, um bei fremden Leuten an der Tür zu klingeln, sie mit schiefen Gesängen zu belästigen und dann auch noch Süßigkeiten dafür zu verlangen. Damit fiel ein weiterer „Feiertag“ aus dem Kalender und hinterließ eine Lücke (im Süßigkeitenvorrat). Nachdem man einige Jahre ohne besondere Feierlichkeiten im tristen Herbst auskommen musste, kam dann irgendwann Halloween in unser Leben. Freilich war man auch dann noch zu cool, um an anderer Leute Türen zu klingeln und, wenn auch ohne Gesang, Süßigkeiten zu fordern, aber dafür darf man sich an Halloween verkleiden und dafür ist man nie zu alt oder zu cool. Zugegeben, das kann man zu Fasching auch, aber Halloween vereint in sich nur die guten Eigenschaften von Fasching, nämlich Kostüme und Süßigkeiten und garniert sie mit Blut und Spinnenweben. Damit ist Halloween eben nicht nur ein Fest für Kinder, sondern auch für verkleidungsliebende Erwachsene.
 
Wie bei den meisten christlichen Festen geht es am Martinstag eher andächtig zu.
Halloween hingegen bringt mit seiner gruseligen Atmosphäre, gespenstischen Kostümen, geschnitzten Kürbissen, Essen in Form von Gehirnen und abgehackten Händen und Schabernack um jeder Ecke, Gespenster, Zombies, Hexen und Mumien überall in der Stadt bringen soviel mehr Spaß als der andachtsvolle Martin. Der kommt hingegen nur mit moralischen Grundsätzen, trockenen Martinshörnchen und angekokelten Papierlampions daher.
 
Wenn mir also ein italienischer Mafiaboss eine 77er an die Schläfe halten und mich zwingen würde zwischen Halloween feiern oder lassen zu entscheiden, würde meine Wahl für Halloween ausgehen (es sei denn, der Mafiaboss wäre dagegen). Andernfalls bin ich für jeden Feiertag (außer Fasching) zu haben, an dem man die Möglichkeit hat, sich (gruselig) zu verkleiden. Wenn dann auch noch eine vermehrte Fernsehausstrahlung von Horrorfilmen zu verzeichnen wäre und man Essen in lustiger Gestalt serviert, bin ich dabei. von Steffi
 

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Hello…Wayne?
 
Nun ist es wieder soweit. Der 31. Oktober naht und ich vermute, meine Kollegin war nicht die Einzige, die gefragt hat: „Was war da nochmal?“ Ja, naja, eigentlich ist es der Reformationstag, doch dank der Amis denken viele eher an gruselige Kostüme, Kürbisse und eine klingelnde Kindermeute, als an Martin Luther.
Mich persönlich nervt dieser ganze Spuk ja aus mehreren Gründen; Punkt 1: Wo bleibt der Spaß? In der fünften Jahreszeit wird wenigstens noch Wert auf lustige Unterhaltung gelegt, aber zu Halloween wird sich in Skelettsuits geschmissen und möglichst viel Ketchup als Blut auf den Klamotten verteilt, na Wahnsinn! Ich sehe mir keine Gruselfilme an und erst recht nicht son Zombiemist, bäh. Und warum um alles in der Welt sollte man Kindern beibringen, sich gegenseitig Angst einzujagen und sich mit Hexen und Untoten zu beschäftigen?! Die sollen doch ganz sorglos herumtollen und sich ihres Lebens freuen, solange es geht.
 
Und das mit den Süßigkeiten muss natürlich auch noch ausgenutzt werden. Ich will jetzt gar nicht auf der Konsumschiene rumreiten, von wegen is ja alles nur ein weiterer Tag, damit die Geschäfte mit ihrem Zuckerzeug Profit machen können. Aber, und das wäre Punkt 2, der erzieherische Aspekt. Dass die Kiddies an die Türen klopfen, ohne weiteres Zutun Süßes verlangen und wenn man nichts gibt oder rein zufällig nicht da ist, wird der Abtreter mit einem Eier-Ketchup-Klebe-Gemisch verschönert, hmm, was sagt denn das aus? Schon mal was von Freiwilligkeit und Zwang gehört? Klar, wenn das kleine Steppkes sind, die noch schüchtern nach nem Bonbon fragen, dann ist das schon ok; die mussten sich immerhin überwinden und kriegen was als Belohnung, aber bei älteren, pubertierenden Teenies? Die lernen dann, wenn ich nicht kriege, was ich will, dann zahl ich es dem anderen eben heim, in dem ich dessen Eigentum beschädige – ja, und da wundert man sich über die verlotterte Jugend, die angeblich keine Manieren und keinen Respekt vor anderen hat. Logisch!
 
Aber, was mich am meisten nervt, Punkt 3, warum muss es gerade der 31. sein?! Wenn es einem hauptsächlich ums Party machen geht, dann wär das doch viel logischer gewesen, man hätte Halloween auf einen anderen Tag verschoben, dann wäre das eben nur so halbwegs deckungsgleich mit den Amis, aber was soll‘s. Aber stattdessen, so‘n pseudo Konkurrenzkampf, pfff. Wir haben doch schon einen Feiertag, und Luthers Thesenanschlag, der die Reformation in der Kirche ausgelöst hat, ist es schon wert, gewürdigt zu werden – zumindest für mich, als evangelischen Christen. Aber leider – und das muss auch gesagt werden – hat es die Kirche nicht wirklich geschafft, diesen Feiertag in die heutige Zeit hinüber zu retten und den Leuten klarzumachen, worum es geht. Man könnte den Tag ja auch als Anlass nehmen, um, wie Luther, auf bestehende Missstände in der Gesellschaft, der Kirche oder der Politik hinzuweisen und zu zeigen, wo Veränderung und Verbesserung gebraucht wird. Das ist ja, beim Fasching beispielsweise, auch ein wichtiger Aspekt!
 
Also, am besten wäre es, beides miteinander zu verbinden, dann wäre Halloween zum Feiern und der Reformationstag für die ernsteren Themen da, aber ich fürchte, dafür würde ein Tag allein wahrscheinlich nicht ausreichen… von Nicole

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Ein Kommentar zu Halloween: Ein Spuk, zwei Meinungen

  1. Wanda sagt:

    Ich habe auch St. Martin als Kind total geliebt :) Aber ich sehe das wirklich viele Leute Halloween totalen Spass haben weil eben dieses Verkleiden dabei ist und ich muss sagen einige sehen wirklich super aus. Das ist ja schon fast Kunst. Kennst Du eigentlich den neuen Blogger-System Anbieter qwer com ? Ich würde mich sehr über eine Antwort auch per Email von Dir freuen. Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg mit Deinem Blog

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