Leggings, Bauchfrei und Neonfarben
Ein paar Worte zum Thema Mode

via pinterest / Nyet

Glücklicherweise ist der Sommer bald vorbei und junge Mädchen werden aufgrund sinkender Temperaturen endlich wieder gezwungen sich vernünftig anzuziehen.
Denn in den Fashionmetropolen dieser Welt aber auch hier im beschaulichen Erfurt macht sich ein Trend breit, den ich nicht gut heißen kann: Bauchfreie Tops. Zugegeben, ich habe auch schon bauchfrei getragen und zwar mit Leidenschaft, aber da war ich ungefähr zehn und es waren die 90er. Ich hatte wirklich gedacht wir hätten dieses Thema hinter uns gelassen. Doch als ich im April 2012 die Wiederkehr des Plateauschuhs beklagte, hatte ich es eigentlich schon geahnt. Doch was damals noch ein unschuldiger Scherz war, ist heute traurige Wirklichkeit. Die Designer haben es sich wieder einfach gemacht, sich erneut im vergangenen Jahrzehnt bedient und dann einfach schnipp schnapp, ist die Hälfte des T-Shirts ab und geboren der Sommertrend 2013. Während man früher so ein halblanges T-Shirt einfach bauchfreies Top nannte, heißen die eingelaufenen Teile heute Cropped Tops, was die Sache aber auch nicht besser macht. Dabei gibt es doch, nachdem Bauchnabelpiercings und Arschgeweihe ihre teuflische Anziehungskraft verloren haben und von den körperlichen Bildflächen verschwunden sind, in der Rumpfregion gar nichts mehr zu sehen, was unbedingt durch fehlenden Stoff zur Schau gestellt werden müsste.

 

Miley Cyrus und Vogue Modechefin Anna Dello Russo © AFP

Tatsächlich präsentiert die aktuelle Mode aber auch keine Bauchnabel, sondern ein Stück des Bauches, dessen Name mir bisher nicht bekannt war (Die Recherche ergab, dass sich der Solarplexus dort befindet). Denn während Röcke und Hosen ihren Weg immer weiter gen Norden und zur Taillenmitte angetreten haben, scheinen Oberteile aus Angst des stetig näherrückenden Beinkleides in eben die gleiche Richtung zu flüchten. Und plötzlich liegen da einige Zentimeter des Körpers einfach frei zur Schau, die bisher gut verhüllt wurden.
 
Ich verstehe, das man einen durchtrainierten und durch reduzierte Kohlenhydratzufuhr geformten Traumkörper nach der harten Arbeit und dem dauerhaften Verzicht als Gegenleistung zur Schau stellen möchte, doch mit gutem Geschmack hat das wenig zu tun, denn durch diese Lücke am Bauch wirkt der Körper irgendwie unförmig zerteilt – die Beine irgendwie zu lang und der Oberkörper irgendwie zu kurz. Aber immerhin bleiben Hüftgold und Speckgürtel (falls vorhanden) gut versteckt, denn sie sind ja in den High-Waist Hosen gut verstaut.

 
Während die einen Damen ihre Beine zumindest in vernünftige Hosen verpacken, schlendern die Anderen im lässigsten Freizeitlook durch die Straßen und verzichten gleich ganz auf ein anständiges Beinkleid. Denn nein, liebe Frauen, Mädchen und Modepuppen: Leggings sind keine vollwertigen Hosen! Ja, zugegeben auf den ersten Blick kann es täuschen, denn die Merkmale sind die gleichen: ein großes Einstiegsloch im oberen Bereich, welches sich alsbald in zwei separate Röhren aufteilt an dessen Enden sich jeweils ein kleines Ausstiegsloch für die Füße befindet. Doch man beachte die bedeutenden Unterschiede zu einer anständigen Hose (Auch ein Laie kann den Unterschied erkennen.): es gibt keine Hosen(!)taschen, keine Knöpfe und Reißverschlüsse aber vor allem besteht eine Leggings aus einer recht dünnen Schicht Stoff, die den Körper vor der Außenwelt schützt. Blickdicht mag das Material zwar sein, dennoch schmiegt sich der elastische Stoff so gekonnt um Vorder- und Hinterteil, dass einiges zu Tage geführt wird, was lieber versteckt bleiben sollte. Um es noch einmal deutlich zu machen: man sieht nicht nur den Hintern in seiner vollsten Pracht (wenn er denn prächtig ist), sondern auch Schlüpferabdrücke, Cellulite und auch den formschönen „Kamelfuß“. So eine Leggings sorgt auch nicht gerade für die schönste Po-Form, dafür fehlt ihr einfach der Biss. Eine Leggings, auch wenn sie in noch so schönen Farben und Mustern daher kommt, wurde dazu geschaffen, um unter einem Kleidungsstück getragen zu werden, das zumindest das Hinterteil vollstens bedeckt. Der Anblick eines nur mit Leggings bekleideten Frauenkörpers lässt bei mir immer etwas Mitleid und die Frage aufkommen, ob Mutti wohl vergessen hat einen passenden Rock oder ein Oberteil in ausreichender Länge heraus zu legen. Denn wer nur mit Legging auf der Straße rum läuft, sieht immer ein bisschen aus wie ein Kindergartenkind, das aus Gründen der Bequemlichkeit und zum ungehinderten Spielvergnügen unnötige Kleider in die nächste Ecke geschmissen hat.

 

via buzzfeed / Amy Sly

Aber bauchfreie Tops und Leggings die als Hosen getragen werden, sind längst nicht das letzte Problem, das mein Blickfeld kreuzt und tiefste Erschütterung bei mir auslöst. Besonders dramatisch, diese Modesünde lässt sich wirklich nur schwer übersehen: Neonfarben. Die Signalfarben in pink, gelb, grün und orange, wie man sie sonst nur von der Stadtwirtschaft kennt, nehmen in den Fußgängerzonen überhand. Reizüberflutend wird neon einfach mit noch mehr neon kombiniert. So war das aber sicher nicht gedacht. Die knalligen Farben sollten als kleines Highlight und nicht als Ganzkörper-Leuchtschild getragen werden. Herbst und Winter dürfen also ruhig kommen, um fiese Modesünden unter dicken Mänteln, Schals und Mützen zu verbergen. Und zu kurz geratene Tops, zu freizügig getragene Leggings und zu leuchtende Kleidung dürfen sich ruhig in seinen sehr langen Winterschlaf begeben. von Steffi

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Ein Kommentar zu Leggings, Bauchfrei und Neonfarben
Ein paar Worte zum Thema Mode

  1. Petra sagt:

    In welchem Kloster lebst du denn? Welche Mode beim Kunden ankommt bestimmt dieser noch immer selbst. Es gab schon viele Flops in der Mode. Aber die Leggings sind nicht tot zu kriegen. In der 1970ern tauchten sie erstmals auf. Da waren die noch in der Regel aus 100% Baumwolle und sahen nach ein paar Stunden tragen aus wie eine lange Unterhose oder auch Schlafanzughose. aber das ist Vergangenheit. Fast vierzig Jahre gibt es nun die Legging, wobei sie von Jahr zu Jahr salonfähiger wird. ich bin regelmäßige Theatergängerin. und ob du es glaubst oder nicht: Auch da wird die Leggings getragen, auch in der Oper, von jüngerem Publikum sogar Pofrei. Abwertende Blicke? Keinesfalls!
    Ich denke, dass du da mit deiner prüden Einstellung zur Mode ziemlich allein dastehst. Ansonsten wäre die Leggings, auch Pobedeckt getragen, ein ganz exotisches Kleidungsstück.

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