VeggieDay – Ein Tag ohne Fleisch und die Welt bricht zusammen? oder
Liebe Fleischbürger, ich bin empört.

via weheartit

Ja, es ist ein Sommerloch- und Wahlkampfthema und ja, die Idee ist auch nicht die neueste: die Grünen fordern einen fleischfreien Tag in öffentlichen Kantinen. Und dennoch ist es der Aufreger des Tages.
 
Als ich die Meldung heute Morgen gelesen habe, dachte ich: „Prima, das ist doch mal eine gute Idee.“ Dann habe ich den Fehler gemacht und angefangen Facebook-Kommentare zu dem Thema zu lesen. Zugegeben, ich habe einen weiteren verheerenden Fehler gemacht und bei den Kommentaren von „Bild.de“ angefangen. Der erste Kommentar, mit mittlerweile 240 Likes: „Richtig ihr Grünen Gurken, am besten noch 1 Tag für das Kopftuch tragen, 1 Autofreier Tag, 1 Farrad Tag, 1 Wandertag, 1 Rauchfreier Tag, 1 Stromfreier Tag, und schon ist die Woche vorbei. Wie verblödet seid ihr eigendlich noch…..
 
Weiter geht es mit „Das schreit nach Gleichberechtigung. Ich fordere einen Fleisch-Tag in Salat-Bars und beim Gemüse-Händler!“ Dafür gab es 68 Likes. „Ich fordere einen Idiotentest, bevor man in den Bundestag reinkommt!“ – 53 Likes
 
Eigentlich war mir die Lust schon wieder vergangen, aber ich wollte wenigstens einen positiven Kommentar lesen. Aber nein, es ging erstmal mit Gehetze weiter: „Boah, die sollen sich doch gottverdammt aus unserem Essensplan raushalten! Wir können doch selbst entscheiden, was wir essen, da brauchen wir so was wie die nicht auch noch!“
„Ökoterroristen die meine Freiheit beschneiden wollen, NEIN DANKE!“
„Wenn man die Vegetarier einmal in der Woche dazu zwingt, Fleisch zu essen, dann gerne.“
„Ich fordere ein Verbot der Grünen, was denken sich diese möchtegern Faschisten eigentlich wer sie sind, die können uns doch nicht vorschreiben wollen was wir zu Essen haben. Sollen die sich doch mit ihren Armani Anzügen in ihren Hinterhofgärten zurückziehen und die Klappe halten, erst dann machen die was Produktives…“
 
Dann reichte es mir. Ich war entsetz. Wie konnte man sich über den Verzicht auf Fleisch (einmal in der Woche) nur so sehr echauffieren (andernorts fallen die Kommentare übrigens nicht besser aus)? Es war an der Zeit, dass ich mich echauffierte:
 
 
Liebe Fleischbürger,
 
bitte beruhigen Sie sich! Die Welt droht nicht unterzugehen, wenn Sie an einem Tag in der Woche auf Fleisch verzichten. Im Gegenteil, es würde Ihnen und der Welt sogar ganz gut tun. Falls es bisher noch nicht zu Ihnen durchgedrungen ist, weniger Fleisch ist gut für Ihre Gesundheit, die Umwelt und setzt ein Zeichen gegen Massentierhaltung. Was können Sie dagegen haben? Als ausgemachter Fan von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht und Klimawandel kann ich Ihre Bedenken verstehen, andernfalls nur sehr schwer.
 
Sie reden von Einschränkungen, Bevormundung und fühlen sich in Ihrer Freiheit begrenzt, weil Sie an einem Tag vegetarische Kost essen „müssen“. Das ist natürlich dramatisch. Sie fühlen sich sicher auch in Nichtraucher- und in Dreißigerzonen in ihrer Freiheit beschränkt.
 
Wenn Sie es allen Ernstes nicht einen Tag ohne Fleisch aushalten sollten, haben Sie immer noch die Wahl außerhalb der Kantine soviel Fleisch in sich reinzustopfen wie Sie wollen. Es ist möglich – Vegetariern bleibt häufig auch nichts anderes übrig, als außerhalb der Kantine eine fleischlose Alternative zu sich zu nehmen. Sie brauchen auch nicht befürchten es gebe eine Anti-Fleisch Polizei, die mit Sanktionen droht; Sie haben immer noch die freie Wahl. Erkennen Sie nicht, worum es bei dieser Aktion geht? Ich helfe Ihnen auf die Sprünge: es ist ein Denkanstoß zu einer anderen und gesunden Ernährung, von der wir alle etwas hätten. Der Spiegel rechnet vor: „Geht man davon aus, dass jeder an jedem Tag gleich viel Fleisch isst, würde ein Veggie-Tag den Fleischverzehr um ein Siebtel reduzieren.“ Wenn jeder in Deutschland an einem Tag kein Fleisch essen würde, könnten wir mehr Treibhausgas einsparen, als wenn wir 6 Millionen Autos von der Straße nehmen würden.
 
Wie können Sie nur so engstirnig und verbissen sein nicht mal den Gedanken zuzulassen an einem Tag kein Fleisch zu essen? Das kann ich nicht verstehen. Sie tun geradezu so als wollte man Ihnen die Luft zum Atmen verbieten oder Sie gleich ganz verhungern lassen. Aber ich kann Sie beruhigen, dem ist nicht so. Stellen Sie sich vor, in der belgischen Stadt Gent ist das Konzept eines fleischlosen Wochentages bereits durchgesetzt. Und, Sie mögen es kaum glauben, aber die Menschen dort haben überlebt. Es gibt also keinen Grund schreiend mit der Wurst in der Hand im Kreis zu rennen und in Panik zu geraten.
 
Fleischlose Grüße,
Steffi

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6 Kommentare zu VeggieDay – Ein Tag ohne Fleisch und die Welt bricht zusammen? oder
Liebe Fleischbürger, ich bin empört.

  1. Frank Martin sagt:

    Komischer Kommentar. Ich finde nichts dabei, wenn Menschen selbst bestimmen, was sie wann essen, Ich finde überhaupt nichts dabei, wenn einige glauben, „Treibhausgase“, die es in der irdischen Physik nicht gibt, würden die 30-jährige Wetterstatistik ändern. Ich finde auch nichts dabei, wenn eine Stadt in Belgien irgendwelche Essensvorschriften erläßt und sich niemand daran hält.

    Wo also ist das Problem? Die Grünen können von mir aus sich mit Vollgetreidprodukten mästen, bis ihnen das Stroh zum Kopf herausquillt. All das stört mich nicht im geringsten. Wenn ich aber eine Kantine betreiben würde, würde ich dort anbieten, was meine Kunden wünschen. Und wenn einer käme und Fleisch oder Wurst wollte, dann würde ich es ihm mit Freude verkaufen.

  2. Natalie sagt:

    Das Problem ist ja, dass eben nicht jeder darüber nachdenkt, was er wann isst und was das für die Umwelt bedeutet. Ich bin auch kein durch und durch grüner Öko, der bei jedem noch so kleinsten Erbschen gucken muss, wo das herkommt und wie es großgezogen wurde. Aber dennoch kann man doch nicht abstreiten, dass beispielsweise zu hoher Fleischkonsum einige Nachteile für einen selbst und auch die Umwelt bringt, also warum kann man dann nicht einfach mal über den Vorschlag, ich betone – über den Vorschlag!, nachdenken, statt sich über die Grünen aufzuregen. Es geht doch nicht um irgendeine Partei, die dem Volk irgendwas überhelfen will, sondern darum die Idee eines fleischlosen Tags in Arbeitswelt- und Schul-Kantinen mal neutral zu durchdenken? Das muss doch machbar sein.

  3. Frank Martin sagt:

    Nur ist man mit dem Durchdenken schnell fertig, wenn man nicht auf den Kopf gefallen ist. Und dann weiß man auch, daß auch der Vegetarier nicht einmal in der Woche alle anderen zu seinem Geschmack bekehren, sondern jeden Tag die von ihm bevorzugte Speise essen möchte. Und so geht es eben allen anderen auch. Fleischlose Tage kann schon heute jeder einlegen, wo und wann er will. Wo es kein Problem gibt, braucht man auch keine Vorschrift.

  4. Natalie sagt:

    Es geht eben nicht um irgendwelche Gruppen – offensichtlich ist das Denken oder Begreifen doch ein langwierigerer Prozess – wie Vegetarier und Fleischesser! Egal, was für Essen man bevorzugt, es handelt sich um einen Vorschlag die Umwelt zu schonen; das ist kein explizit grünes oder vegetarisches Anliegen, sondern ein globales, wenn wir es hier alle noch eine Weile lang nett haben wollen.
    Dass das Einschränkungen nach sich zieht, ist offenbar nicht jedem klar, denn wenn Sie schreiben, jeder kann, wenn er möchte, fleischlose Tage einlegen, ist das sicher richtig – aber dazu müsste man ja erstmal die Notwendigkeit dessen erkennen, oder? Und um diese Erkenntnis zu fördern, kam eben ein fleischloser Tag in Kantinen ins Gespräch. Aber sobald es um das Thema Essen geht, sieht scheinbar jeder Zweite rot und fühlt seine Freiheit bedroht.
    (Wenn die Aufmerksamkeit bei den Themen Datenvorratsspeicherung und NSA mal auch so ungestüm wäre, wow, was könnte man da erreichen…!)

  5. Frank Martin sagt:

    Wer hier die Umwelt schonen will, sollte mit der Regulierung und Begrenzung von Fleischimporten nach Europa aufhören. Die Unmengen an Futter, die zur Mästung von Viehbeständen im Inland herangeschafft werden müssen, könnten auch in Argentinien oder Kanada etc. verfüttert oder einfach nur gegrast werden. Und die Gülle bliebe uns auch erspart. Mit selektiven Aktionen dieser Art gegen Verbraucher erreicht man nichts. Partei-Grün ist aber schon lange das Gegenteil von ökologisch.

  6. Tablet sagt:

    Also ich bin zwar überzeugter Fleischesser und keinerlei Interesse an Vegetarischem Essen aber dennoch find ich ein Tag nicht schlimm. Find das wird alles total überzogen. Ist ja nicht so als ob es totales Fleisch Verbot gäbe.

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