Peer hat’s schwer –
Plädoyer für mehr Inhalte!

Foto: AFP

Einst sind sie beide ein beliebtes Gespann auf dem politischen Parkett gewesen: Peer Steinbrück und Angela Merkel; mittlerweile stehen sie sich als harte Konkurrenten im Kampf um den Chefsessel im Kanzleramt gegenüber. Peer Steinbrück sagt, Angela Merkel habe „verwaltet und nicht gestaltet“. Er möchte es besser machen. Doch während es zu Angela Merkel größtenteils positive oder zumindest wohlwollende Kommentare in den Medien gibt, wird auf Peer Steinbrück (verbal) eingedroschen als wäre er der Staatsfeind Nr.1.
 

Ja, die Kanzlerin ist sehr beliebt und zieht die CDU in der Wählergunst gleich mit nach oben. Die SPD hingegen schwächelt und auch ihr Kanzlerkandidat scheint – selbst in den eigenen Reihen – noch nicht alle von seinen Qualitäten überzeugt zu haben. Doch ist es da wirklich vonnöten, dass Sandra Maischberger während einer ARD-Talkrunde gut 70 Prozent der Sendezeit lang auf den vermeintlichen Schwächen des Kanzlerkandidaten herumreitet? Anzuführen, wie unbeliebt und alt er sei, wie er überhaupt auf die Idee käme, es könnte im September mit einem SPD-Sieg enden, seinen Bruder als Leumund aufzuführen und und und? Sollte es in der Sendung nicht darum gehen, zu zeigen, was Peer Steinbrück für eine Vision hat, was er zusammen mit der SPD verändern möchte und wie oder warum er sich überhaupt als Kanzlerkandidat aufstellen ließ? Nein, stattdessen muss er sich in einem Einspieler anhören, warum Frauen ihn so unbeliebt finden – man beachte die „neutrale“ Fragestellung! Sieht so Informationsjournalismus aus?

 

Ist es noch würdevoll jedes noch so kleine Detail aus dem Leben einer öffentlichen Person ins Rampenlicht zu stellen, jede noch so kleine Äußerung aus dem Zusammenhang zu reißen und zu verteufeln? Man könnte meinen, die Medien – und ich meine nicht die BILD oder irgendwelche Boulevard-Blättchen – befänden sich auf einer Hetzjagd, die Peer Steinbrück auf Teufel komm raus diskreditieren soll.

 

Zu welchem Zweck, kann man sich da fragen. Ist es eine verquere Sympathiebekundung für die Kanzlerin und die CDU, dass Peer Steinbrück als Vertreter der SPD vorsorglich und in regelmäßigen Abständen mit Dreck beworfen werden muss? Ist das alles Wahlkampf-Säbelrasseln oder eine Art Spießrutenlauf, den schlichtweg jeder über sich ergehen lassen muss, der einmal an die Spitze der Regierung möchte? Oder wird auf diese Art und Weise vereinfachte Meinungsmache betrieben, weil die Bürger eh keine Lust haben sich ein über 100 Seiten langes Wahlprogramm durchzulesen?

 

Ich habe noch keine eindeutige Erklärung gefunden, aber es wäre wirklich wünschenswert, wenn man als wahlberechtigter mündiger Bürger im Hinblick auf die Bundestagswahl mit mehr politisch relevanten als privaten Inhalten konfrontiert würde, denn so langsam wird diese übertrieben negative Darstellung Peer Steinbrücks langweilig – oder wer muss bei der Frage, warum die weibliche Wählerschaft eher Angela Merkel als Peer Steinbrück zugetan ist lange überlegen?!

 

In einem weiteren Einspieler am Anfang des zwei Wochen zurückliegenden Interviews kommt Steinbrücks Frau Gertrud zu Wort und sie fasst, wenn auch aus persönlicher Sicht, sehr gut zusammen, was im Moment für ein Zirkus veranstaltet wird: „Ich halte es nicht aus, wenn ich sehe, dass eigentlich nur das herausgefiltert werden soll aus ihm, was negative Gefühle auslöst, also er soll als hart, als kantig, als unwirsch, ja als zweite Wahl dargestellt werden.“ Er möchte aber auch etwas bewirken und hat sich deshalb auf den steinigen Weg begeben, das Kanzleramt zu erobern und dieser Aspekt wird gerne unterschlagen. Ob das, was er zu sagen hat überzeugt, steht auf einem anderen Blatt – es müsste eben nur mal jemand zu hören bekommen.

 

von Nicole

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Kommentare zu Peer hat’s schwer –
Plädoyer für mehr Inhalte!

  1. Talkshows sind ja nun wirklich reine Zeitverschwendung. Ich denke da eher: „Nicht Quatschen, machen!“, auch wenn das zugegeben nicht immer so klappt wie gedacht. Aber am Ende zählen eh die Taten. Wer lieber zu den Zuschauern gehört, sollte dann aber lieber mal eine komplette Bundestagssitzung auf Phoenix TV anschauen. Da sieht man wenigstens was wirklich in der Politik passiert. Die meisten News-Sendungen und vor allen Dingen Talkshows kann man da getrost in die Kategorie Quoten-Schrott stellen.

    • Natalie sagt:

      Der Kommentar bezieht sich auf die allgemeine mediale Berichterstattung; Vorträge, Kanzlergehalt, getrennter Sportunterricht-Debatte und momentan irgendein Stasi-Argument- nicht nur auf diesen einen Beitrag im Fernsehen, auch wenn der ziemlich herausragend war im negativen Sinne. Und es war auch keine normale Talkshow-Runde, sondern ein Vier-Augen-Gespräch/Interview, dass zumindest in der Theorie um einiges hochwertiger und informativer sein sollte…

      • Seit wann bekommt man in Talkshows denn Informationen? Ich kenne das eher nur so, dass jeder irgendwie seinen intellektuellen Senf dazu gibt. Am Ende der Sendung kann man dann vielleicht sagen, ach was für eine tolle Gesprächsrunde. Aber mehr ist es dann auch nicht. Unterhaltung pur eben :)

        Und nichts gegen den Peer Steinbrück. Er mag ein guter Redner sein (Mit Vorträgen verdient Er ja nach eigenen Angaben super gut). Aber wenn man dann eine Wahlkampfveranstaltung (Bericht im ZDF Heute-Journal) sieht und der Steinbrück erst groß rumtönt Er wolle die Altersarmut bekämpfen, indem Er die Arbeitsarmut beenden will…. ja bitte? Wie will Er das denn machen? Das sagt Er nämlich nicht. Sein Programmm ist eher: Steuern für Reiche (das sind meist Unternehmer) erhöhen. Nette Idee, nur leider führt das dazu, dass immer mehr Unternehen abwandern und die Jobs noch knapper werden.

        Und dann fragte noch eine Journalistin, wie Er denn die Arbeitsarmut familienverträglich bekämpfen will. Seine Antwort: „Darf ich diese Frage bitte zurück geben?“. Also ich weiß nicht…. mir scheint der Mann als Politiker eher inkompetent. Vielleicht sollte Er doch lieber bei seinen Vorträgen bleiben. Das kann Er ja scheinbar sehr gut, gemessen an den Einnahmen.

        • Natalie sagt:

          Es war eben KEINE Talkshow im herkömmlichen Sinn! Und über die Ziele der Parteien informiert man sich am besten über die Wahlprogramme; ich bezweifel, dass die jeder Minister runterbeten kann bei den Ausmaßen…

          • Wenn im Artikel „ARD-Talkrunde“ steht, muss man ja schon von einer herkömmlichen Talkshow ausgehen, würde ich mal sagen. Aber o.k. Nichts in der Welt ist perfekt. Und wer aus dem Millieu der Talkshows kommt, kann vielleicht nicht anders? Und so ganz unschuldig daran ist Steinbrück meiner Meinung nach auch nicht. Aber stimmt schon, oft wird in den Medien auch übertieben. So sind Menschen halt :)

Schreibe einen Kommentar