Caragh O´Brien: Die Stadt der verschwundenen Kinder

via www.randamhouse.de/heyne

Die Erde in der Zukunft. Durch den Klimawandel, Umwelteinflüsse und Ressourcenknappheit ist die stark dezimierte Menschheit in einen äußerst rückständigen Zustand gefallen. Autos und die meisten elektronischen Geräte gehören der Vergangenheit an, Strom ist ein Luxusgut und Wasser ist streng rationiert. In dieser Welt wächst die 16-Jährige Gaia auf. Sie lebt in der Stadt Warfton, einem Ort, in dem die Menschen täglich ums Überleben kämpfen müssen. Warfton wiederum liegt vor der Enklave, einer hinter Mauern verschlossenen Stadt, in der die Einwohner in Wohlstand leben. Sie sind im Besitz von fließendem Wasser und sauberer Kleidung, haben Strom und können ihren Kindern eine Schulbildung ermöglichen.
Gaia ist wie ihre Mutter Hebamme. Jeden Monat müssen die ersten drei neugeborenen Kinder aus Warfton der Enklave übergeben werden. Für Gaia ist das eine ganz normale Prozedur, die sie nicht hinterfragt. Als ihre Eltern eines Tages verhaftet werden, ändert sich aber ihre Denkweise. 
Um sie zu retten schmuggelt sich Gaia in die Enklave ein und merkt schnell, dass auch an diesem vermeintlich sorgenfreien Ort nicht alles Gold ist was glänzt. Auch hier herrschen strenge Regeln, die bei Nichteinhaltung hart bestraft werden. Außerdem haben die Einwohner noch ein ganz anderes Problem, bei der Gaias Eltern der Schlüssel zu sein scheinen.
 
In der Erzählung begleitet der Leser die junge Gaia in einer fiktionalen, in der Zukunft spielenden Handlung. Gaia als Protagonistin hat eine mitfühlende und liebenswerte Art und trotz ihres Makels, einer großen Narbe über der gesamten linken Gesichtshälfte, lässt sie sich nie unterkriegen. Das macht das Mädchen sehr sympathisch, allerdings wirkt sie in manchen Handlungen auch ein wenig naiv. Aufgewachsen in einer armen, aber behüteten Kindheit ist sie nach der Verhaftung ihrer Eltern von einem Tag auf den anderen auf sich allein gestellt. Damit beginnt auch die Entwicklung ihres Charakters. Stellte sie das System und die Gesetzte der Enklave bis dahin nicht in Frage, so ordnet sie sich fortan nicht mehr unter, sondern versucht ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, die sie, wie es sooft im Leben ist, manchmal auch bereut.
 
Natürlich darf auch eine kleine Liebesgeschichte nicht fehlen. Diese entwickelt sich zwischen Gaia und dem Soldaten Leon, der gleichzeitig auch der Sohn des Protektors, dem Obersten der Enklave, ist. Durch die Bekanntschaft mit der Hebamme ändert sich auch seine Einstellung auf die Sicht der Dinge.
 
Allgemein liest sich das Buch sehr flüssig und man ist von der ersten Seite an in die Handlung involviert und von ihr gefesselt. Der lockere Schreibstil von Caragh O´Brien führt dazu, dass es einem schwer fällt, das Buch wieder aus den Händen zu legen, bis man nicht die wirklich letzte Seite gelesen hat.
 
Zwar fehlt an manchen Stellen der Geschichte der Tiefgang; zum Beispiel hätte ich gern noch mehr darüber erfahren, wie und warum die Welt im Jahr 2400 in solch einen rückständigen Zustand verfallen ist. Auch fehlen mir tiefere Einblicke in das Leben der Bevölkerung von Warfton und der Enklave. Aber all das tut der Handlung und dem Erzählverlauf keinen Abbruch.
 
Von der Aufmachung her ist das Buch sehr gut gelungen. Auf der ersten Seite befindet sich ein Skizze des Handlungsortes, sprich der Enklave, Warfton und dem umgebenen Ödland. So bekommt der Leser gleich eine Vorstellung der geografischen Lage der Umgebung. Im Text selbst sind Zeichnungen der in der Handlung integrierten Geheimschrift abgedruckt, sodass man sich oft selbst dabei erwischt, wie man versucht, diese zu entschlüsseln.
 
Zwar ist „Die Stadt der verschwundenen Kinder“ als Jugendroman ausgepriesen, ist aber durchaus auch für Erwachsene geeignet. Das Buch endet schließlich in einer Art „Open-End“-Situation, die den Leser neugierig auf den zweiten Band macht. Alles in allem ein wirklich schönes Buch, welches ich nur weiterempfehlen kann.
 

Caragh O´Brien

Die Stadt der verschwundenen Kinder

Ab 14 Jahren

ISBN: 978-3-453-52800-0

16,99 | 17,50 | 24,50* (* empf. VK-Preis) 

Verlag: Heyne


 von Nancy

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