Rezension: Leichte Turbulenzen bei erhöhter Strömungsgeschwindigkeit von Maggie Shipstead

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Nachdem „Leichte Turbulenzen bei erhöhter Strömungsgeschwindigkeit“ schon kurz in der „Sommerlektüre: Fünf Bücher für den Urlaub“ Erwähnung fand, folgt hier nun eine etwas ausführlichere Besprechung.
 
Winn Van Meter führt ein wohlsituiertes und spießbürgerliches Leben mit allem was dazu gehört: Harvard-Abschluss, einer Mitgliedschaft in den richtigen Clubs, einer Ehefrau mit Herkunftsnachweis und einem angemessen bescheidenen Sommerhaus am Atlantik auf einer der vornehmen Ostküsten-Inseln. Winn ging davon aus, er würde seinem 60. Geburtstag mit der Gelassenheit eines Mannes entgegensehen, der gut gelebt und sein Leben im Griff hat. Dummerweise kooperieren weder die Vorsehung noch die Familie.
„Leichte Turbulenzen bei erhöhter Strömungsgeschwindigkeit“ dreht sich um das Wochenende an dem Daphne, seine älteste Tochter, heiraten wird. Zu den Hochzeitsvorbereitungen haben sich ein Haufen Brautjungfern und die Familie Van Meter im Wochenendhäuschen auf der Insel Waskeke versammelt. Diese Zusammenkunft wirbelt Familienkonflikte, Sehnsüchte und alte Rivalitäten auf. Hinter dem Vorhang der perfekt arrangierten Hochzeit spielen sich einige unschickliche Eskapaden ab und Winns geregeltes Leben gerät in leichte Turbulenzen. Schuld daran ist zum einen die Trauzeugin seiner Tochter, zu der er sich nach 30 Jahren mit der immer gleichen Frau plötzlich hingezogen fühlt und zum anderen die ihm verwehrte Mitgliedschaft in einem noblen Golfclub. Dazu kommen ein gestrandeter Wal, ein Unfall mit einem Golfwagen und ein halbtoter Hummer. Doch Winn ist nicht der Einzige, dessen Leben ins Wanken gerät, seine Tochter Livia hat mit der Trennung von ihrem Exfreund zu kämpfen und gerät dabei gleich wieder in die Fänge des nächsten falschen Mannes.
 
Winn Van Meter, im Spätsommer seines Lebens, festgefahren in seinen Ansichten und kleinkariert, reflektiert sein Leben und kommt dabei zum ersten Mal ins Grübeln.
Der Roman beschäftigt sich mit den Träumen und Sehnsüchten der einzelnen Protagonisten und skizziert ein kritisches Bild des gehobenen Mittelstands Amerikas. Maggie Shipstead legt die Fehler ihrer Charaktere und der feinen Gesellschaft auf eine ironische und witzige Art offen. Dabei gelingen ihr ein paar recht unsympathische aber dafür authentische und bemerkenswert interessante Charaktere. Ihre sprachliche Gewandtheit, ihre präzise Beobachtung der Protagonisten und ihr scharfer Blick auf die großen und kleinen Themen des Lebens, bei denen sich Komik und Tragik die Waage halten, machen „Leichte Turbulenzen bei erhöhter Strömungsgeschwindigkeit“ zu einem wahren Lesevergnügen. Doch leider erfordert die Lektüre streckenweise einiges an Durchhaltevermögen, denn zahlreiche Rückblenden in die Vergangenheit der Protagonisten bremsen die Handlung immer wieder aus und lassen den Roman etwas zähflüssig dahin gleiten. Insgesamt hat Maggie Shipstead dennoch mit diesem Gesellschaftsstück ein ausgezeichnetes Romandebüt hingelegt, das mit Leichtigkeit, Herz und Witz brillieren kann und von Leichtigkeit gekennzeichnet ist. von Steffi
 
Maggie Shipstead
Leichte Turbulenzen bei erhöhter Strömungsgeschwindigkeit
dtv Verlag
440 Seiten, 16,90 EUR
ISBN 978-3-423-24967-6
Mai 2013

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