„Lass die Musik aaaan“
Mein Deichbrand-Festival-Erlebnis

Deichbrand Festival 2013

Neben Badengehen und Sonnenbrand sind es vor allem für Musikfans die alljährlichen Festivals, mit denen der wahre Sommer in Verbindung gebracht wird. Das traumhafte Line-Up des Deichbrand Festivals überzeugte mich, es in diesem Jahr – nach acht Jahren Abstinenz – auch noch einmal zu probieren.
Ich muss vorab sagen, ich bin kein genereller Festival-Fan, sondern gehöre zu den Leuten, die tatsächlich wegen der Musik und nicht wegen der Sauferei bei so einem Event dabei sind. Bei den Broilers, Jennifer Rostock, H-Blockx, Kraftklub, den Sportfreunden, Madsen, Royal Republic und den Hosen auf einem Haufen konnte ich aber nicht widerstehen und fuhr zusammen mit meiner besseren Hälfte gen Nordseeküste. Am Freitagmittag lief die Anreise ganz entspannt, da viele bereits einen Tag vorher ankamen. Am Himmel war neben ein, zwei kleinen Wölkchen hauptsächlich Sonne zu sehen. Ansich optimal, aber nach einer gefühlten Ewigkeit angefüllt mit Parkplatzsuche (und auch merken!), Anmeldeprozedur und vor allem Zeltplatzsuche, rächte es sich, dass ich vergessen hatte mich mit Sonnencreme einzureiben…
 
Nun ja, das war erstmal nebensächlich, denn ein gut gelaunter Sammy Amara betrat mit der restlichen Crew der Broilers die Firestage. Durch das Tanzen, Springen und den sich vor mir befindendem Pogo-Kreis machte sich bemerkbar, dass es hier offenbar eine ganze Weile lang nicht geregnet hatte und die Beine, Arme und das Gesicht wurden überzogen mit einer Staubschicht, die sich – trotz täglichen Waschens auf dem Festival (ja, die Sanitäranlagen waren ok) – erst wieder zuhause bei einem Bad in der Wanne gänzlich entfernen ließ, bei dem zum ersten Mal sogar ein Waschlappen zum Einsatz kam… Nach Jennifer Rostock gab es eine größere Pause und schon jetzt konnte man über die verschiedensten Outfits der Leute nur Staunen bis den Kopf schütteln. Tiger- , Affen- oder Katzenkostüme gehörten dabei noch zu den normalen Klamotten. Es gab auch Pokémons, mehrere komplett in passendem Blau bemalte Schlümpfe, Bananen und und und. Als wäre man auf einer ausufernden Karnevalfete dabei – bei der allerdings so unmenschlich viel Müll produziert wurde, mamma mia, da gab es wesentlich mehr Tiergemeinsamkeiten, als so ein übergestreiftes Kostüm vermuten ließ. Um 1.15 Uhr schälten wir uns nocheinmal aus dem Zelt, um uns das Late Night Special – die H-Blockx – anzusehen; die Band heizte dem Publikum ordentlich ein und war sichtlich überrascht, dass zu so vorgerückter Stunde doch noch so viele Leute zusammenkamen.
 
Am nächsten Tag wurde man von eklig schwülwarmer Luft im Zelt geweckt, obwohl es gerade einmal kurz nach acht war. So flohen wir am Vormittag erstmal an die Nordsee und schauten uns Cuxhaven an. Wieder auf dem Festivalgelände sorgte Gavin Rossdale mit Bush für rockige Grunge-Klänge und lies sich hautnah vom Publikum feiern. Immer noch ein bisschen Posterboy dieser Gavin, aber wenn man mit Gwen Stefani verheiratet ist, muss man sich das bestimmt bewahren. :) Der bestbesuchteste Act am Samstag waren Kraftklub, die von ihrem kleinen Auftritt im Red Bull-Tourbus vor drei Jahren berichteten und über die Menschenmassen begeistert waren, die nun ihre Texte mitsangen. Der lustigste Moment kam nach dem Stagediven von Frontmann Felix Brummer, der zwar unterwegs einen Schuh verlor, anstelle dessen aber einen schriftlichen Heiratsantrag in die Hände gespielt bekam. Als er auf der Bühne stand, stellte er fest, dass der Antrag gar nicht an ihn gerichtet war, sondern von einem Franz an seine Freundin Romy. Sie sagte Ja und so wurden die beiden kurzerhand zum Deichbrand-Paar 2013 gekürt.
Am Abend lockten die Sportfreunde mit einem tollen Mix aus alten, neuen, sanfteren und rockigeren Liedern für Höchststimmung und man konnte staunen, wie viele männliche Besucher den Text von „Applaus, Applaus“ mitsingen konnten… (Das vorherige Warten wurde hier übrigens mit einem kleinen Feuerwerk erleichtert!)
 
Nach dem samstäglichen Besuch der Nordsee bekamen wir den Tipp, uns doch am Sonntag in dem kleinen Freibad in Midlum abzukühlen, ein paar Kilometer vom Festivalgelände entfernt, was ich jedem Deichbrand-Besucher nur wärmstens empfehlen kann! Für gerade mal 1,50 € gab es ein Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken, Liegestühle, Sonnenschirm, zwei Rutschen und einen kleinen Kiosk. Am liebsten wären wir den ganzen Tag da geblieben, zumal man uns versicherte, dass man die Musik vom Festival auch hier ausreichend gut hören konnte. Aber nein, wir mussten ja auch unsere Sachen packen, denn gleich nach dem Konzert von Royal Republic sollte es nach Hause gehen. (Die Hosen, die wir glücklicherweise grad im Dezember live gesehen hatten, mussten wir leider auslassen, da wir eine lange Fahrt vor uns hatten und wenigstens ein paar Stunden Schlaf bekommen wollten, da Montag wieder die Arbeit rief.) Doch vorher kamen noch Madsen, die ebenfalls eine tolle Show lieferten! Natürlich war auch der charismatische Royal Republic-Frontsänger Adam Grahn wie gewohnt mit perfekt sitzender Frisur wieder voll in seinem Element und gab nebenbei auch noch ein paar Deutschkenntnisse (z.B. Wochentage aufzählen) zum Besten. Fast direkt vor der Bühne konnten wir ordentlich mitspringen und tanzen! Dann noch fix ein Festival-Shirt gekauft und ab ging es nach Hause.
 
Fazit: Es hat sich wirklich gelohnt, da ich einige meiner Lieblingsbands live erleben konnte, für die ich bei einzelnen Konzerten ein Vielfaches mehr bezahlt hätte; für ein Wochenende lang lassen sich dann auch der hohe Lärmpegel, eine unglaubliche Menge Müll, besoffene Typen und die Situation ertragen, sich mit 30.000 Leuten die Sanitäranlagen teilen zu müssen. von Nicole

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