Review: Circus HalliGalli mit Joko und Klaas

© ProSieben Claudius Pflug

Mit allem was das Internet und ProSieben aufzufahren wusste, wurde die neue Show Circus HalliGalli von Joko und Klaas angekündigt. Facebookseite, Twitteraccount – ist ja klar. Eigener Tumblrblog und Instagram – da sind die jungen Leute heute unterwegs. Und für die, die es noch nicht ins Internet geschafft haben, gab es Fernsehwerbung, taff-Berichte und eine Ankündigung in den ProSieben „Nachrichten“. Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf, von denen niemand weiß, welcher eigentlich wer ist, haben seit dem 25. Februar eine neue Show im privaten Fernsehen. Wer vorher schonmal bei ZDFneo zu neoParadise eingeschalten hat, sollte wissen was es zu erwarten gab: rumalbern im großen Stil. Von neoParadise gleich mitgebracht haben sie nicht nur Couch und Schreibtisch sondern auch Oma Violetta, die in einem Pagenkostüm ein bisschen rummotzen durfte. Ebenfalls bekannt aus alten Zeiten, Palina Rojinski ihr Sidekick bei MTV Home. Das ganze ist in ein Set eingefügt, dass sich irgendwo zwischen Zirkus, Saloon und Hotellobby der 30er Jahre wieder findet.
 
Los ging es mit dem Einspieler „Die Ja-Sager“ bei dem sich Joko und Klaas auf einem Rosenmontagsumzug in Köln befanden und alle Fragen mit Ja beantworten und entsprechende Taten folgen lassen mussten. Das hatte zwar Potential, wurde aber leider nicht ausgeschöpft. Ein Klaps ins Gesicht, eine Flasche Ketchup auf der Hand und ein paar ungewollte Umarmungen für Klaas waren eben nur so lustig wie ein Ketchup-Fleck auf einer Hose. Und auch die Fortsetzung in der zweiten Folge wurde nicht lustiger. In Hundekacke treten, eine Polonaise veranstalten, mit dem Kopf auf eine Trommel hauen und Stagediving sind eher durchschnittliche Ideen.
 
Als Studiogast der Premierenfolge kam Helge Schneider. Den einzuladen ist immer eine gute Idee, weil er allein für seine Präsenz beklatscht und fürs Nichtstun belacht wird. Aber gehaltvoll waren Fragen wie „Wie geht’s, wie steht´s, wie hängt der Sack?“ und „Werden Sie oft zu Promi-Partys eingeladen, und ist das geil?“ eben leider nicht. Daher gab es das meiste Gelächter auch von Joko und Klaas selbst, die es aber irgendwie auch nicht so richtig ernst meinten. Die Gäste der zweiten Folge, Anke Engelke und Bjarne Mädel, waren leider nur gekommen um ihr neues Projekt vorzustellen, die Synchronisation des Films „Sightseers“. Interessante Fragen hatten die Herren dazu nicht. Kein Wunder also, dass Olli Schulz Bjarne Mädel zum Rangeln aufforderte. Das war lustig. Irgendwie.
 
Ebenfalls ein vielversprechender Gast war Jung-Rapper Cro, der aber leider nur ein paarmal aus einem Schrank gehüpft kam um drei seiner Songs anzuspielen und danach wieder im Schrank zu verschwinden. Sehr schade, vielleicht hätte der Panda ja auch gern etwas gesagt. Das gleiche Schicksal traf auch MC Fitti in der zweiten Sendung, aber dem sollte man ja generell kein Mikro in die Hand geben.
 
Gerettet wurde die erste Folge von einem zehnminütigen Einspieler mit Charles Schulzkowksi alias Olli Schulz als Intellektueller Trinker. Bewaffnet mit einer Flasche Whiskey wurde Schulz auf eine Berlinale Feier losgelassen um auf intellektuell hohem Niveau zu pöbeln und zu blödeln. Olli Schulz ist der lustige Außenreporter den Shows wie diese brauchen, er war er selbst, nur eben betrunken. Dabei tanzte er auf dem schmalen Grad zwischen Humor und Fremdschämen.
 
Tiefpunkt der ersten Sendung war der Auftritt von „YouTube-Star“ Fritz, der seinen Song über Thüringer Klöße „performte“. Für dieses Ereignis wurde sogar ein halbstündiger Countdown eingeblendet, nach Ablauf der Zeit verhieß ein Untertext „Vom folgenden Ereignis wissen Joko und Klaas nichts.“ Und dann: eine Fanfare, die Türen öffneten sich und ein Kleinwüchsiger zog in einem Kinderauto Fritz in einem Wagen hinter sich her. Sie fuhren einmal quer durchs Studio, ließen ein paar Klöße da und verschwanden wieder.
Auch der Tiefpunkt der zweiten Sendung wurde durch einen Countdown eingeleitet. Darauf folgte eine sich auf dem Boden windende Person in einem Walrosskostüm mit freiliegendem Hintern. Nicht mehr nicht weniger. Das war aber trauriger anzusehen, als es sich zunächst anhört.
 
Insgesamt machen Joko und Klaas dort weiter wo sie bei neoParadise aufgehört haben, nur vor großem Publikum und mit (bisher) angezogener Handbremse. Sie produzieren lustige Einspieler, machen Quatsch in der Fußgängerzone, führen so etwas wie Interviews, versuchen ein paar spontane Gags, machen sich gegenseitig dumm, geben ein paar Leuten eine Bühne (ob sie es verdienen oder nicht) und versuchen sich irgendwo zwischen Stefan Raab, Harald Schmidt und Oliver Pocher einzusortieren. Und so wurde die angekündigte Manege des Wahnsinns eher ein Daumenkino der schlappen Lacher. von Steffi

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Rezensionen abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar