Heisskalt im Interview – Wenn sich der Schweiß zu einem hochexplosiven Gemisch verbindet

Heisskalt

2013 soll ihr Jahr werden. Nachdem unaufhaltsamen Aufstieg von den Orsons und Cro aus dem Hause Chimperator sind jetzt die bärtigen Jungs von Heisskalt, aus selbigem Hause, auf dem Weg nach oben. Im Gegensatz zu dem Panda und den Orsons fahren diese Jungs aber auf der Rock-Schiene und bringen neue Sounds in das sonst eher auf Rap spezialisierte Label. Heisskalt, das sind Sänger Mathias Bloech, Schlagzeuger Marius Bornmann, Bassist Lucas Mayer und Gitarrist Philip Koch, alle Anfang 20 und aus Stuttgart. Musikalisch kommen die vier Musiker eigentlich aus dem Hardcore-Bereich, haben sich jetzt aber auf brachialen Deutschrock mit gefühlvollen Pop-Elementen eingeschossen. Im Januar 2013 erschien ihre erste EP „Mit Liebe gebraut“, anschließend standen sie als Vorband von Jennifer Rostock auf den Bühnen der Republik. Seit dem 7. März sind sie nun auf ihrer eigenen Headliner-Tour unterwegs.
Sänger Matze war so nett mir Rede und Antwort zu stehen und erzählt von Zukunftsplänen, Tourhighlights und einem hochexplosiven Schweißgemisch. von Steffi
 

 
Für die, die euch noch nicht kennen, erzähl doch mal: wer seid ihr und was macht ihr?

Wir sind Heisskalt aus Stuttgart und machen harte Gitarrenmusik mit deutschen Texten!
 
Wann habt ihr euch gegründet und wie habt ihr zusammen gefunden?

Wir kennen und lieben uns schon sehr lange und haben im Herbst 2010 beschlossen, gemeinsam Musik zu machen. Auf Deutsch. Und hart zugehen sollte es. Das waren so die Vorgaben. Genau, und dann ging´s los.
 
Ihr seid bei Chimperator unter Vertrag, die bisher eher im Rap-Bereich unterwegs waren, wie seid ihr zu diesem Label gekommen?

Wir haben letztes Jahr tatsächlich mit vielen Leuten über Labeldeals gesprochen, sind aber schlussendlich einstimmig und begeistert bei Chimperator gelandet. Die Gründe dafür sind zahlreich, aber in erster Linie mögen wir die Nähe – es ist wahnsinnig toll, einfach bei den Jungs vorbei gehen zu können – und diese großartige familiäre Atmosphäre bei den Chimps. Da hat einfach jeder Bock auf seinen Job und alles wird mit Liebe und Begeisterung angegangen. Das machen wir auch und wollten unbedingt ein Label, das da den gleichen Weg geht wie wir – wenn auch bisher in einer anderen Musikrichtung.
Außerdem fanden wir es spannender, etwas Aufregendes und Neues auszuprobieren und mitzugestalten, anstatt zu einem Label zu gehen, dass schon seit Jahrzehnten Bands ähnlicher Stilistik betreut!
 
Ihr habt schon auf einigen Konzerten gespielt, unter anderem als Vorband von Jennifer Rostock, gab es da ein Highlight für euch?

Die schiere Masse an Zuschauern war auf der Jennifer Rostock Tour schon sehr beeindruckend. 2012 haben wir am Southside gespielt und morgens um 12.30 tatsächlich über tausend Menschen ins Zelt bekommen. Das war definitiv ein Highlight. Wir haben vor ein paar Tagen in Wien gespielt vor knapp 100 Leuten, das war auch ein wahnsinniger Abend. Wir mögen diese dreckige, etwas intimere Punkrock Atmosphäre einfach total gerne, in der sich der Schweiß aller Leute im Raum früher oder später zu einem hochexplosiven Gemisch verbindet und so eine gewisse Unkontrollierbarkeit entsteht, die alles sehr spannend macht!
 
Es heißt ihr seid das nächste große Ding und 2013 wird euer Jahr. Glaubt ihr was ihr da hört und wie fühlt es sich an, wenn die Erwartungen so hoch sind?

Das sagen tatsächlich viele Leute zu uns. Das finden wir einfach nur schön, einen Erfolgsdruck spüren wir im Moment kaum. Wir wissen, dass wir auf einem guten Weg sind und versuchen immer unser oberstes Ziel umzusetzen, gesund und ohne Eile als Band gemeinsam mit unserem Umfeld und den Fans zu wachsen und uns einzufinden. Wenn wir so 2013 das “nächste große Ding” werden können machen wir das natürlich sehr gerne. Aber wir wollen Nichts überstürzen. Da ist uns die Gefahr zu groß, dem Ganzen irgendwann nicht mehr gewachsen zu sein oder ganz fix wieder irgendwo in der Versenkung zu verschwinden!
 
Wie entstehen bei euch Song und wer schreibt die Texte? Sind eure Songs von persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen geprägt?

Die Texte schreibe ich. Ich sammle in meinem Textbüchlein ständig Erlebnisse, Gedanken und Gespräche die mich zum nachdenken anregen oder inspirieren. So entstehen langsam unsere Songs aus diesen Fragmenten. Es gibt aber auch Songs wie z. B. Dezemberluft, die ganz explizit eine bestimmte Geschichte erzählen wollen, die benötigen dann nicht die gleiche “Reifezeit”. Mir Geschichten auszudenken fände ich nicht befriedigend. Die Songs bereite ich bis zu einem gewissen Grad alleine vor und gebe ihnen eine Richtung und wir basteln sie dann gemeinsam Oldschool-Style im Proberaum fertig. Was mit unserem Proberaum-Sound funktioniert, funktioniert überall!
 

 
Viele junge deutsche Bands greifen lieber zur englischen Sprache, ihr singt deutsch, wie kam es zu dieser Entscheidung?

Wir haben auch schon Musik auf Englisch gemacht, so ist das nicht. Irgendwann war da plötzlich Dezemberluft, damals noch völlig ohne den Kontext der Band. Ich habe gemerkt, dass ich mich auf Deutsch viel präziser ausdrücken kann bzw. eine viel größere Kontrolle über die Präzision der Texte habe. Einen guten Text macht für mich immer die Mixtur aus Interpretationsmöglichkeit und Klarheit aus. Das fällt mir auf deutsch leichter. Außerdem verstehen die Menschen einen viel schneller, was uns gerade Live sehr entgegen kommt. Und ich mag einfach die Sprache.
 
Wo seht ihr euch als Band in den nächsten Jahren?

Wir sind gerade unglaublich viel beschäftigt und unterwegs und haben die Möglichkeit, viele Konzerte vor immer mehr Leuten zu spielen. Das macht unfassbaren Spaß und wir sind sehr dankbar dafür, das erleben zu dürfen. Und das wird auch erstmal unser Hauptaugenmerk bleiben:
Spielen, spielen, spielen bis keiner mehr an uns vorbei kommt. Und dann bringen wir einen Kopfhörer auf den Markt und werden reich oder sowas. Da müssen wir uns nochmal Gedanken machen…
Ach ja, an unserem ersten richtigen Album arbeiten wir zurzeit auch!
 
Bisher habt ihr die EP „Mit Liebe gebraut“ rausgebracht, wann darf denn mit einem Album gerechnet werden?

Wie gesagt: Wir schreiben gerade Lieder und möchten im Laufe des Sommers ins Studio gehen. Wann das Ding dann genau rauskommt, können wir noch nicht so genau sagen. Vermutlich wird Schnee liegen. Wir stellen übrigens fest, dass wir ein bisschen härter und ernster zu werden scheinen. Das ist eine interessante Entwicklung und wir sind sehr gespannt auf das fertige Ergebnis.
 
Mit wem würdet ihr gern mal zusammen auf der Bühne stehen?

Wir haben da schon ein paar Helden wie Underoath, Thrice, Norma Jean, Comeback Kid, mit denen wir gerne mal die Bühne teilen würden. Und ich ganz persönlich würde wahnsinnig gerne mal mit Jamie Cullum Musik machen. Der Typ ist der Wahnsinn. Ich kennen kaum einen Musiker der handwerklich so lächerlich gut ist und bei dem trotzdem jeder Ton – egal ob singend oder Tasten drückend – vor Emotion zu bersten scheint. Und dann schreibt er noch so tolle Songs und hat mit The Pursuit kurz mal eine meiner absoluten Lieblingsproduktionen rausgehauen… Vermutlich wird das niemals passieren – aber allein die Vorstellung macht mich grade ein bisschen hubbelig.
 
Am 23. März spielt ihr wieder in Erfurt, wie hat es euch beim ersten Mal gefallen?

Erfurt war unsere erste Show auf der Tour mit Jennifer Rostock. Das war definitiv eines der intensivsten Konzerte überhaupt bisher, weil wir bis zur letzten Sekunde vor dem Konzert auf Hochtouren mit dessen Vorbereitung beschäftigt waren und der erste Ton unseres Intros einfach nur die pure Erlösung war. Und das Publikum war auch wirklich toll und wir hatten danach noch sehr nette Gespräche. Allerdings wird’s dann gegen später auch ein bisschen verschwommen, wie ihr euch vorstellen könnt.
 
Heisskalt spielen am 23. März in Erfurt im Museumskeller.

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