Playground: Wenn 50 Cent ein Buch schreibt

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Wenn ein Rapper wie 50 Cent, der normalerweise über seinen Magic Stick rappt, selbst mit Drogen gedealt hat, von acht Kugeln getroffen wurde und mehrfach in extremen Gewaltsituationen war, ein Buch schreibt, könnte man meinen, dass ähnliche Inhalte in diesem literarischen Werk zu finden sein könnten. Und diese Annahme bestätigt sich, wenn er im Vorwort schreibt: „Playground zu schreiben war eine ganz persönliche Reise für mich. Eine Menge von mir steckt in Butterball. Ich habe aus Ereignissen meiner Kindheit und Jugend geschöpft, aber auch aus Dingen, die ich um mich herum gesehen habe“. Doch 50 Cents Jugendroman „Playground“ ist im Gegensatz zu seiner eigenen Geschichte ziemlich harmlos.
 
Der 13-jährige Burton alias Butterball ist übergewichtig, schwarz, aus einfachen Verhältnissen und ein Außenseiter. Seine Eltern leben getrennt und seine Mutter hat ihn in den öden Vorort Garden City nahe New York verfrachtet. Das Leben an seiner Schule ist ätzend und als er seinem einzigen Freund eine mit Batterien gefüllte Socke ins Gesicht rammt, wird alles nur noch schlimmer. Zwar gewinnt er kurzzeitig den Respekt einer Straßengang dafür muss er aber zu einer Gesprächstherapie. Dort erzählt er der Therapeutin Liz in anekdotischen Rückblicken seine Geschichte.
 
Auf knapp 200 Seiten erleben wir, wie Butterball zunächst in falsche Kreise gerät, wie Missverständnisse, Ängste und der Wunsch nach Anerkennung zu seinen brutalen Handlungen führen, wir er sich schließlich weiterentwickelt und wie „geistige Stärke dich im Leben voranbringt“, wie 50 Cent ebenfalls im Vorwort schreibt.
 
Bemerkenswert: Im Gegensatz zu 50 Cents Musikvideos, in denen Frauen nicht mehr als arschwackelnde Lustobjekte sind, sind gerade die Frauen in seinem Buch die stärkeren Persönlichkeiten. Da ist zum einen Butterballs Mutter, die alles dafür tut, um ihrem Sohn ein vernünftiges Leben zu ermöglichen und zum anderen die Psychologin Liz, die ihn wieder auf den richtigen Weg bringen will und sich leidenschaftlich für ihn engagiert. Außerdem Butterballs Schwarm Nia, die ihm nach allem Ärger noch eine zweite Chance gibt und für die er zum besseren Menschen werden will und obendrein neue lesbische Lebensgefährtin von Butterballs Mum, die ihm beim verwirklichen seiner Träume hilft.
Auf der anderen Seite steht Butterballs Dad, ein Macho, der ihm beibringt, dass man sich nehmen soll was man will, egal wie und egal ob man es verdient. Und eine Gruppe kleiner Nachwuchsgangster, die nicht viel mehr zu bieten haben als Alkohol und Gewalt.
 
Ganz neu ist die Geschichte nicht, aber inhaltlich immer aktuell. Und so wie 50 Cent Butterballs Leben und Gedankenwelt beschreibt, könnte sich die Story jeden Tag an hunderten Schulen genauso abspielen. Einzig am Ende ist es etwas zu belehrend und schönmalerisch. Aber das sei ihm verziehen, schließlich heiligt der Zweck die Mittel. Obwohl dieses Buch sicher wenige Kleinkriminelle in ihren Ansichten verändern wird.
 
Ein Buch, das nicht aufregt und nicht wehtut, das gelungene Beobachtungen in einem angemessenen Stil präsentiert, das durch geschickte Zeitsprünge eine gewisse Spannung aufrechterhält und die richtigen Werte vermittelt. Als Jugendbuch sollte es unbedingt in den Schulunterricht aufgenommen werden. von Steffi
 
Playground
50 Cent und Laura Moser
Rowohlt Polaris
191 S., 13,95 Euro
ISBN 978-3-862-52032-9

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