Weltuntergang 2012 – Lässig dem Ende entgegen

via luciasoto

Dass die Welt am 21. Dezember, laut freien Interpretationen eines uralten mexikanischen Relikts, untergehen wird, dürfte mittlerweile selbst bei den eisernen Medienverweigerern angekommen sein. Doch obwohl nur noch wenige Tage bis zum Untergang unseres Planeten bleiben, sitzen wir immer noch in unseren Neonlicht durchfluteten Büros, hauen in die Tasten, schreiben E-Mails, verfassen Jahresabrechnungen und machen einfach weiter wie bisher. So sind wir eben, solange sich der Boden unter unseren Füßen nicht auftut und die Bürostühle unter unseren Hintern wegreißt, bleiben wir erstmal gelassen. Panik? Das ist einfach nicht so unser Ding. Schließlich sind wir weltuntergangserprobt. Seit Jahren trotzen wir einem Weltuntergang nach dem anderen. Lässig haben wir in der Nacht vom  31. Dezember 1999 auf die Uhren geschaut und beobachtet wie die Digitalanzeige von 00.00 Uhr auf 00.01 Uhr springt und keine Veränderung zu spüren war. Selbst unsere alten Windows ´98 Rechner hatten mit der scheinbar magische Zahl 2000 keine Probleme.
 
Wir haben dieses Jahr schon so viel Dramatisches erlebt, da macht uns so eine Apokalypse auch nicht mehr verrückt. Was soll uns nach einer Pleite der deutschen Nationalelf bei der EM, Gottschalk als Jurymitglied bei „Das Supertalent“ und dem Schlecker-Aus noch großartig erschüttern? Falls die Apokalypse unausweichlich ist, gehen wir die Sache ganz entspannt an. Man darf schließlich die entscheidenden Vorzüge so eines Weltuntergangs nicht verachten. Wenn am 21. Dezember die Erde mit einem leisen „Plopp“ einfach verpufft, brauchen wir uns heute keine Gedanken mehr über die Schuldenkrise, den Klimawandel und eine neue Samstagabendshow mit Thomas Gottschalk machen. All diese Sorgen werden durch eine alles vernichtende Sintflut, einen Kometeneinschlag oder den Einbruch der Eiszeit einfach dahin gerafft. Wozu jetzt noch mit dem Rauchen aufhören, die Kohlsuppen-Diät anfangen oder in die Rente einzahlen? Alles verschwendete Liebesmühen.
 
Während sich andernorts die Menschen mit Dosenbrot und Chili con Carne eindecken, nehmen wir uns erst am 20. Dezember einen Moment der Ruhe, denken kurz an die letzten 2012 Jahre zurück und bedauern für einen Augenblick das Ende dieses eigentlich doch ganz ansehnlichen Planetens. Dann legen wir uns ins Bett und warten auf die Dinge, die da kommen. Doch statt einer meterhohen Flutwelle wird es wohl eher das schrille Klingeln unseres Weckers, welches uns aus dem Bett reißt. Dann müssen wir doch den halb ausgefüllten Riestervertrag wieder aus dem Mülleimer kramen, den Stromanbieter wechseln und einen Griechenland-Urlaub buchen.
von Steffi

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