Silvester: Ein Jahresende, zwei Meinungen

via AnastasiaDrama

Liebes Silvester,
 
niemand mag dich. Ich habe es dir letztes Jahr schon gesagt, aber du wolltest nicht auf mich hören und hast dich nicht geändert – kein bisschen. Ich glaube, du hast dir nicht einmal die Mühe gemacht, auch nur über deine Fehler nachzudenken. Hättest du es mal lieber gemacht. Denn wenn ich mich so umhöre, hat keiner Lust auf dich. Jedes Jahr stellst du uns vor die gleichen Probleme: Wo, mit wem und wie sollen wir es bloß so richtig krachen lassen? Einzig das Wann ist geklärt. Aber selbst das passt uns nicht. Denn eigentlich wollen wir diesen Tag ganz seicht an uns vorüber ziehen lassen, aber du willst Getöse und Tohuwabohu. Dabei kann man an jedem anderen Tag besser feiern als am 31.  Dezember.
 
Weißt du eigentlich, dass man schon schlechte Laune davon bekommt, wenn man nur nach dir gefragt wird? Keiner will an dich denken, geschweige denn mit dir feiern. Wir wollen dich eigentlich alle vergessen, einfach wegfahren und so tun als gäbe es dich überhaupt nicht. Aber in der Woche vor deinem „Ehrentag“ wird uns bewusst, dass wir aus Zeit- und Geldmangel wieder keine Flucht geplant haben. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als uns mit Leidensgenossen zusammenzurotten und die ganze Sache auszusitzen. Wir suchen uns einige Leute, die wir im alten und im neuen Jahr im betrunkenen Zustand ertragen können und versuchen das Beste daraus zu machen. Aber das dieser Abend gelungen wird, ist so unwahrscheinlich wie die Veröffentlichung von Avatar auf VHS. Was in Ordnung wäre, wenn du die Erwartungen nicht so unnötig nach oben schrauben würdest. Aber so ist jede Party zum Scheitern verurteilt und wird bestenfalls passabel.
 
Aus irgendeinem Grund wollen wir, wenn wir schon nicht nach New York oder Maui fliehen konnten, dir nicht vor den Kopf stoßen und dir an diesem Abend Tribut zollen – so gut es geht. Wir versammeln uns in unseren Wohnungen, überfluten Bars, Clubs und öffentliche Plätze und versuchen mit schlechter Laune irgendwie in Stimmung zu kommen. Weil man das nunmal so macht. Wir machen entweder einen auf traditionell und gießen Blei, gucken Dinner for One, halten Brotklumpen in eine fettige Käsemasse und sind ganz erwachsen, was ungefähr so spannend ist wie Treibsand. Oder wir begehen diese Endjahressause ganz exzessiv und lassen es in jeder Hinsicht krachen. Wir stürzen uns in die Massen besoffener Verrückter, die ihr Weihnachtsgeld für überteuerten Fusel und genauso überteuertes Knallwerk ausgeben. Um diese Seuche irgendwie zu ertragen, ertränken wir dann unseren Kummer ebenfalls in überteuertem Fusel und versuchen, in diesem Zustand den Böller- und Raketenangriffen auszuweichen. Auf Überlebende warten am nächsten Tag dann Kopfschmerzen und ein Haufen Müll – auf den Straßen sieht es aus wie auf einem Schlachtfeld und man watet durch zermatschte Böller- und Raktenüberreste, Glasscherben und Schnapsleichen. Diejenigen, die ihre Wohnung für diesen sinnlosen Freudentaumel zur Verfügung gestellt haben, erwartet ein ähnlicher Anblick. Alles nur, damit du dich gut fühlst.
 
Ach Silvester, ich finde dich so richtig scheiße doof. Auch Fondue, Galadinner, All-Inklusive-Partys und Unmengen Alkohol können nicht darüber hinweg täuschen, dass niemand Lust hat dich zu feiern. Warum sollten wir auch, es gibt nicht einmal Geschenke und am nächsten Morgen ist alles wie zuvor. 2013 fühlt sich nicht anders an als 2012. Du bist überflüssig, genau wie deine Freunde „die guten Vorsätze fürs neue Jahr“ – ihr könnt gern zu Hause bleiben und darüber nachdenken, ob das wirklich alles sein muss. 
Also dann, bis nächstes Jahr, ich hoffe wir sehen uns nicht wieder. von Steffi

 

via weheartit

Liebes Silvester,
 
ich finde dich toll. Du bist der Grund, alte, liebe Freunde zu treffen, gemeinsam zu essen, zu trinken und zu feiern. Wie viel öfter würden wir gern unsere alten Haudegen sehen, aber irgendwie fehlt immer die Zeit? Du gibst uns, was wir brauchen – einen Anlass.
 
Welches andere Fest erlaubt uns so ausdrücklich, es mit Freunden (laut oder eben etwas leiser) krachen zu lassen? Weihnachten wäre stinksauer, würde man ausschließlich mit Freunden trinken gehen, Ostern würde pikiert mit dem Kopf schütteln, zu Himmelfahrt darf man es nur eingeschlechtlich feiern. Nur du, liebes Silvester, willst nicht mehr, als uns eine gute Zeit gemeinsam mit Freunden geben. Ob nun als Riesenparty mit Sauferei, Böllerei und Kopfschmerzen am nächsten Morgen oder ganz ruhig mit einem guten Essen, einem Blick in die Zukunft mit dem altbewährten Bleigießen und ein paar Wunderkerzen um 0 Uhr – du stellst keine Forderungen. Nur du lässt uns selbst entscheiden, wie wir dich haben wollen. Ich finde dich einfach großartig.
 
Du bist bescheiden, hast gewartet bis zum letzten Tag des Jahres. Du bist völlig offen für unsere Vorschläge. Du zwingst uns zu nichts.
 
Vielleicht ist genau diese Freiheit, die du uns lässt, manchmal unser Problem. Denn du sagst nicht: „Heute gibt es Gans mit Klößen und Rotkraut und danach Geschenke für alle.“  Nein, auf diese Idee würdest du nie kommen. Du möchtest für uns genau das sein, was von dir haben möchten. Aber was ist das? Wir müssen uns entscheiden:  Riesenknallerparty mit haufenweise Leuten, gemütliches Zusammensein mit richtig guten Freunden oder irgendetwas dazwischen.
Und natürlich dürfen wir nicht zuviel von dir verlangen, dich mit Erwartungen erdrücken. Kaum etwas lässt sich weniger planen als die gute Stimmung auf einer Party. Aber, sei nicht traurig – das ist nicht dein Fehler.
Bleib wie du bist. von Conny



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