„Shades of Grey“, an dem Buchtitel kam in diesem Sommer wohl kaum jemand vorbei, der regelmäßig in Buchhandlungen stöbert. Die Medien lobten (Dieses Buch ist schärfer als Porno -Bild-), doch vor allem zerrissen („Das ist ein Buch wie eine aufgedunsene Leiche.“ -Denis Scheck- ) sie den Roman von E.L. James wie kaum eine andere Lektüre. Dem Erfolg tat dies keinen Abbruch. Mittlerweile ist die deutsche Übersetzung des ersten Bandes 1,2 Millionen Mal über den Ladentisch gegangen. Auch beim zweiten Teil zeichnet sich ein ähnlicher Erfolg ab. In den Verkaufscharts löste „Gefährliche Liebe“ seinen Vorgänger von Platz eins bereits ab. Ich habe mich herangewagt und mir Teil zwei (Band eins natürlich einige Wochen vorher auch) zu Gemüte gezogen.
Inhalt:
Nachdem Anastacia Steele sich am Ende des ersten Teils von ihrem Liebhaber Christian Grey trennte, da sie ihrer Ansicht nach seinen sexuellen Praktiken und seinen distanziertem Wesen nicht gerecht werden konnte und wollte, beginnt sie im zweiten Teil erneut eine Affäre mit dem erfolgreichen Unternehmer und Milliardär. Dieser, als Kind schwer misshandelte und vernachlässigte Mann, lernt durch Ana die wahre Liebe kennen. Ließ er früher keinen Menschen physisch und psychisch an sich heran, öffnet er allmählich sein Herz für die junge Dame. Ana wiederum weiß mit der Zeit mit den Launen und „vielen Facetten“ ihres Geliebten umzugehen und so entwickelt sich zwischen den beiden eine Liebe, die mehr als auf einer sexuellen Beziehung beruht.
Urteil:
Zunächst einmal etwas Positives: Auch diesmal ist die Handlung des Buches im Allgemeinen nicht schlecht und man ist am Ende jeden Kapitels doch gespannt, wie es denn wohl weiter geht.
Dennoch ist der zweite Teil in gleicher Weise miserabel geschrieben wie sein Vorgängerroman. Nicht nur der begrenzte Wortschatz der Autorin trägt dazu bei, dass das Buch stilistisch einem Groschenroman gleicht. Auch sind die ständigen inhaltlichen Wiederholungen ungemein nervig. Würde die Autorin nicht kontinuierlich dieselben Worte nur in anderer grammatikalischer Zusammenstellung verwenden, würde das Buch sicherlich nur die Hälfte der Seitenzahl besitzen. Neben der regelmäßigen Röte, die Ana auch in diesem Teil ständig ins Gesicht steigt, muss sie in jedem zweiten Satz erwähnen wie sehr sie ihren „abgefuckten Mr. Grey“ liebt und dass er nur ihr allein gehört. Allgemein sind das Geschmalze und die ewigen gegenseitigen Liebes(ge)schwüre des zweiten Teils nur schwer zu ertragen. Schön, die beiden lieben sich und haben es sich auch schnell eingestanden, aber muss das wirklich dazu führen, dass man sich das in kürzester Zeit hundertfach sagt?
Nur noch wenig ist von dem SM-Praktiken des ersten Teils geblieben. Hier mal ein Klaps auf den Popo, da mal ein kleines Fesselspielchen. Mehr ist in dieser Richtung nicht zu lesen. Das führt aber nicht dazu, dass weniger Sexszenen vorhanden sind. Nein, ganz im Gegenteil. Beim Lesen denkt man so manchmal, bitte lass sie jetzt nicht schon wieder vögeln und Ana in ihren „alles erlösenden Orgasmus“ verfallen.
Eines muss man den beiden aber lassen. Fantasie in Sachen Sex haben sie. So wird nicht nur in einem vollbesetzten Fahrstuhl „gefummelt“, sondern auch allerlei Spielzeug im Liebesleben mit einbezogen. Wahrscheinlich wird dies wieder zu einem Run auf Sexshops in Deutschland und der Welt führen.
Fazit:
Den dritten Teil werde ich bestimmt nicht lesen, dachte ich mir nach den ersten 200 Seiten. Das Liebesgeschmalze und den schlechten Schreibstil ertrage ich nicht noch einmal. Nun gebe ich offen zu: Komischerweise endet die Handlung, wie auch im ersten Teil, auf eine Art und Weise, dass ich nun doch zu neugierig bin und mich auch dem letzten Teil, der Ende Oktober erscheint, nicht verwehre. Die Kollegen von „Wien heute“ haben es auf den Punkt gebracht, so beende ich auch diese Rezension mit einem Zitat (Verdammt, färben Wiederholungen ab?): „Der zweite Porno-Groschen-Roman zwischen Blümchensex und Popoklatsch ist ein Phänomen wie der erste, der Sprachstil ist zwar genauso grottenschlecht und dürftig, aber der Sog der Geschichte einmalig.“ von Nancy
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