Der Scheiß-drauf-Drink

via weheartit

Denjenigen, die jetzt verzweifelt über google und wikipedia herauszukriegen versuchen, was es mit diesem Getränk auf sich hat, sei versichert, es ist Zeitverschwendung; also einfach weiterlesen. Der Scheiß-drauf-Drink ist ein Shot (nein, nichts mit Waffen), den Cathys alte College-Freundin Rebecca früher hin und wieder aus einem Querschnitt der vorhandenen Alkoholbestände gemixt hat. Das Wiedersehen auf der Überraschungsparty zu Cathys 43. Geburtstag nehmen beide Frauen zum Anlass, diese Tradition erneut aufleben zu lassen, sich ein paar Gläser zu genehmigen und mit 80er-Jahre-Sonnenbrillen auf der Nase „What about love“ von Heart zu schmettern.
Cathy, Rebecca?
Ich rede mal wieder von Serien, genauer gesagt von einer, „The Big C“, über eine Lehrerin, die in geordneten Bahnen mit Mann, Kind und Haus lebt und plötzlich eine Diagnose über Krebs im fortgeschrittenen Stadium bekommt. Es ist kein gedankliches Novum, dass man in so einer Situation sein bisheriges Leben überdenkt, die momentan herrschenden Umstände in Frage stellt und über die Träume sinnt, die man schon immer hat ausleben wollen, von denen man aber dachte: Später!, wenn die Kinder volljährig, aus dem Haus und verheiratet sind. Doch die üblicherweise daraus resultierende melancholische Grundstimmung findet sich in der Serie erstaunlicherweise nicht. Ja, Cathy stellt ihr Leben auf den Kopf, sie schmeißt ihren Mann raus, lässt sich das fürs Rentnerdasein angesparte Geld auszahlen und kauft sich ein rotes Cabrio; sie verbrennt ihre Couch und lässt sich einen riesigen Pool bauen (der allerdings – aufgrund von Nachbarbeschwerden – vorerst ein großes Erdloch bleibt, in dem sich aber trotzdem einiges tut..). Die Tatsache, dass sie ihrer Familie nichts von dem Tod, der sich in ihr ausbreitet erzählt, führt zu allerlei skurrilen Situationen, die einen durch den trockenen Humor von Darstellerin Laura Linney oft zum Lachen bringen, die aber nie albern sind; weil man als Zuschauer die ernste Lage immer noch im Hinterkopf behält.
Dieses Handeln aus dem Bauch heraus, dieses nicht ständig darüber nachdenken, was sich denn nun grade für ein Verhalten ziemt und welches Wort in den Mund genommen werden darf, finde ich großartig. Ja, ich weiß, Alltag funktioniert anders und ohne gewisse Beständigkeit im Leben – in Bezug auf einen Rückzugsort, Job oder Beziehungen – kann man vermutlich auch nicht dauerhaft auskommen. Aber dieses Bild des Scheiß-drauf-Drinks gefällt mir außerordentlich gut. Sich mal frei zu machen von allen Anforderungen und Ansprüchen, die die Umwelt an einen stellt, ist doch irgendwie ein Grundbedürfnis des Menschen. Nein, ich will jetzt gar keine allgemein gültigen Lebensphilosophien entwickeln. Aber ich finde es befreiend mal diesen symbolischen Scheiß-drauf-Drink hinterzukippen und einfach zu tun, wonach einem grad ist und sei es mit Klamotten in den See zu springen, auch wenn du nicht genau weißt, woher du dann das Handtuch bekommst oder ob deine Uhr wasserdicht ist. Ab und an muss man sich solche Momente nehmen und einfach leben ohne Nachzudenken.
Also, cheers. von Nicole

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