Stephen Chbosky: Das also ist mein Leben

© Heyne Verlag

„Das also ist mein Leben. Und ich will, dass du weißt, ich bin glücklich und traurig zugleich und versuche noch immer herauszufinden, wie das eigentlich sein kann.“
 
Charlie ist in seinem ersten Jahr an der Highschool und er hat es nicht leicht. Er gilt als introvertierter Außenseiter und sein einziger Freund hat sich kürzlich das Leben genommen. Er ist ein stiller Beobachter und analysiert die Menschen in seiner Umgebung. Er fragt sich, ob sie ihr Leben so leben, wie sie es möchten, und versucht verzweifelt, seine eigene Rolle in all dem, was wir Leben nennen, zu begreifen.
Doch die Dinge ändern sich, als er Sam und Patrick kennenlernt. Sie zeigen ihm wie man am Leben teilnimmt, wie man die Welt nicht vom Rande beobachtet sondern von der Tanzfläche aus. Charlie verliebt sich zum ersten Mal, er betrinkt sich, kifft, feiert Partys und erlebt Dinge die man als 16-Jähriger nunmal so erlebt. Er durchlebt glücke Phasen und depressive Phasen. Die Geschehnisse, seine Gedanken und Gefühle hält Charlie in tagebuchähnlichen Briefen an einen unbekannten Freund fest. Sie helfen ihm dabei die Dinge irgendwie klarer zu sehen und nicht zu verzweifeln.
 
Das Buch spielt Anfang der 90er, aber bis auf ein paar popkulturelle Verweise auf Bücher, Filme und Musik, wie Charlies Liebe zu „The Smiths“ und dem Fakt, dass Kurt Cobain noch am Leben ist und man damals noch Mix-Tapes aufgenommen hat, könnte der Roman auch in der heutigen Zeit spielen.
 
Was auf dem ersten Blick wie ein unschuldiges Jugendbuch daherkommt und sich nach Party und Teenys anhört, wartet mit vielen unbequemen Dingen des Lebens auf und ist tiefgründiger und aufwühlender als so mancher Roman für Erwachsene. Themen wie Selbstmord, Abtreibung, Missbrauch, psychische Erkrankungen und Familiendramen werden zwischen Partys, Rocksongs, Drogen und Büchern behandelt. Aber es geht natürlich auch um Freundschaft und Liebe und die kleinen und großen Probleme beim Erwachsenwerden. Es gibt keine großartige Handlung und dennoch ist man gefesselt von Charlies alltäglichen Erlebnissen, die man so oder ähnlich auch schon erlebt hat.
 
Charlies Briefe sind berührend, erhellend, komisch und traurig. Seine Art zu schreiben ist ehrlich, aufrichtig und ein bisschen naiv. Man darf sich von dem einfachen Schreibstil der Briefe nicht täuschen lassen, denn in ihnen steckt sehr viel Tiefe. Es fühlte sich alles sehr Real an und es hat mich wirklich berührt. Ich war richtig traurig als ich die letzte Seite beendete. Nicht nur wegen dem irgendwie bedrückendem Ende, sondern weil man Charlie während des Lesens wirklich lieb gewonnen und man sich selbst als der „liebe Freund“ fühlte an den er seine Briefe adressierte.
 
Ich habe dieses Buch an zwei Tagen gelesen und ich hätte es an einem Tag gelesen, hätte ich mehr Zeit gehabt. In einer so kurzen Zeit habe ich noch nie ein Buch verschlungen und ich werde es ganz bestimmt noch einmal lesen. Ich kann es wirklich jedem empfehlen, der nicht so großen Wert auf eine aktionreiche und spannungsgeladene Handlung legt aber eine gefühlvolle und liebenswerte Geschichte zu schätzen weiß. Das Schlimmste ist, dass man die Bücher, die man am besten findet, immer am schlechtesten beschreiben kann. Man muss es einfach lesen um verstehen zu können, warum dieses Buch so berührend, emotional und großartig ist.
 
„Ich fühle mich grenzenlos“, sagte ich. 
Und Sam und Patrick sahen mich an, als hätte ich gerade das Beste gesagt, was sie jemals gehört hatten. Weil der Song großartig war und wir alle ganz genau zugehört hatten. Fünf Minuten unseres Lebens waren wirklich gelebt worden und wir fühlten uns auf eine gute Art und Weise jung.“
 
„Das also ist mein Leben“ ist eine Neuauflage des bereits im Jahr 2000 erschienenen, inhaltsgleichen Romans „Vielleicht lieber morgen“. Anfang November erscheint eine Verfilmung des Buches mit Emma Watson und Logan Lerman. von Steffi
 

 
„Das also ist mein Leben“ von Stephen Chbosky
Originaltitel: The Perks of Being a Wallflower
Aus dem Amerikanischen von Oliver Plaschka
Paperback, Klappenbroschur
288 Seiten, 13,5 x 20,6 cm
ISBN: 978-3-453-26751-0
12,99  EUR
Heyne Verlag, 2011

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Ein Kommentar zu Stephen Chbosky: Das also ist mein Leben

  1. silver account sagt:

    Mein Fazit: Lasst euch auf das Schmuckstück „Das also ist mein Leben“ ein, denn es kann euch so viel geben. Ihr müsst nicht selber ein Tagebuch führen, um die Botschaft vom Autor und seiner Figur Charlie zu verstehen. Vermutlich war Stephen Chbosky einfach nur ehrlich und hat damit in jeder, normalerweise banalen Situation, Spannung eingewoben und mich mit in das schönste Leseabenteuer meines Lebens mitgenommen. Nach „Das also ist mein Leben“ ist mir klar geworden, dass es sie noch gibt, die betörenden und verzaubernden Romane, die unbedingt gelesen werden sollten, weil man so etwas in dieser Form nur einmal im Leben lesen wird. Meine absolute Leseempfehlung!

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