Seit wann ist es 21.00 Uhr eigentlich schon dunkel, fragte ich mich, als ich auf mein Fahrrad stieg um von der Arbeit nach Hause zu fahren. Da ich mit dieser plötzlichen Finsternis noch nicht gerechnet hatte, lag das Fahrradlicht natürlich zu Hause.
Bei der Wahl zwischen dem beleuchteten aber längeren und mühseligeren Weg und dem kürzeren aber dunklen Weg, fiel meine Entscheidung zu Gunsten der Dunkelheit aus, was sich leider aber relativ schnell als Fehlentschluss entpuppte, da meine Augen doch nicht so katzenartig waren, wie ich zunächst erhofft hatte. Also schlich ich vorsichtig durch den finsteren Park und war mir ziemlich sicher jeden Augenblick entweder gegen einen Baum zu fahren, in ein kratertiefes Schlagloch zu fallen oder von einer finsteren Gestallt überrascht und übermannt zu werden. Doch ich hatte Glück, um die nächste Kreuzung bog ein Fahrradfahrer – mit Licht, der den selben Weg einschlug den ich auch nehmen musste. Der hatte so viel Licht, dass er ohne Probleme das Erfurter Stadion hätte erleuchten können, das war genug Helligkeit für uns beide. Diese Chance auf gratis Erleuchtung konnte ich mir nicht entgehen lassen. Also trat ich kräftig in die Pedale um den Mann einzuholen und mich in seinen Lichtkegel zu mogeln. Ich musste mein Fahrtempo nur so anpassen, dass ich immer in seiner Nähe blieb und die Fahrt konnte ohne einen Unfall und Todesangst gemütlich weiter gehen.
An der nächsten Kreuzung, die auch das Ende des Parks und der Dunkelheit bedeutete, hielt ich an, um vorbeikommende Autos vorüber zu lassen. Gleich darauf hielt auch mein Nachtwächter neben mir, eine älterer dicklicher Herr mit Schiebermütze. Ich drehe mich zu ihm, er auch, er lächelt: „Hab ich Sie jetzt sicher durch den Park gebracht…!?“ fragte er und fuhr unversehens weiter in die andere Richtung.
Ob er mir nun bewusst den Weg erhellt hat oder einfach nur die gleiche Strecke fahren musste wie ich; ich bin dem netten Herren sehr dankbar dafür, dass er für Erleuchtung sorgte.
von Steffi
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