Gelesen: Die Bravo

Die Bravo

Ich habe heute etwas ganz verrücktes gewagt und mir eine Bravo gekauft. Genau,  diese Jugendzeitschrift mit den Nackten in der Mitte, den vielen Postern und der Foto-Lovestory. Das Magazin, dass Teenagern sämtlicher Generationen dabei geholfen hat ihre Pubertät mehr oder weniger unbeschadet und ohne ungewollte Schwangerschaft zu überleben.
 
Es dürfte mittlerweile mindestes zehn Jahre her sein, dass ich zuletzt eine Bravo gekauft habe. Früher war es noch ein anrüchig-cooles Gefühl das Ding am Kiosk zu besorgen. Doch als ich heute das knallbunte Heft auf das Kassenband legte und in die Augen der Kassiererin schaute, war ich kurz versucht zu sagen: „Die ist für meine kleine Schwester.“ Aber was soll ´s, soll die ruhig denken, ich sei noch nicht aufgeklärt oder an Katy Perrys Power-Geheimnis interessiert. Ich wollte sie haben, einfach nur so, um zu wissen was da heute so drin steht.
 
Als ich die Bravo schließlich sicher in die Redaktion gebracht hatte, stieß sie auch dort sofort auf Interesse, besonders an dem bereits erwähnten Mittelteil, daran hat sich also bis heute nichts geändert. Doch dann, oh Graus – Die Nackten sind weg! Es gibt keine Selbstauslöser Nacktportraits mit Steckbrief mehr. Aber keine Angst, das Dr. Sommer Team steht immer noch mit Antworten rund um das Thema Liebe, Sex und Zärtlichkeit zur Verfügung. In dieser Ausgabe 28/ 2012 gibt es sogar ein großes Sex-Special zum Thema Selbstbefriedigung.
 
Da ich in letzter Zeit keine Zeitschriften dieser Art, oder irgendeiner Art, gelesen hab war ich im ersten Moment etwas überfordert von der Flut unterschiedlichster Reize – grelle Farben, riesige Headlines, Subheadlines, verschiedenste Schriftarten, Sprechblasen, Bilder ohne Ende. Das Leben in der Bravo ist farbenfroh, fröhlich und anstrengend.
 
Die inhaltliche Relevanz der Artikel geht gegen Null aber so ist das ja meistens bei solchen Starblättchen. Überrascht war ich dafür über einen Artikel über Aerosmith unter der Kategorie Rock-Legends. Die coolsten Bands aller Zeiten, nicht wegen seiner journalistischen Qualitäten sondern weil ich den Gedanken sympathisch finde, den Kids von heute zeigen zu wollen, dass es neben Justin Bieber auch richtige Musiker gibt.
 
Englische Begriffe und Phrasen wie: Cool, Lieblings-Movie, Girl, Boyfriend, Hot und Fun werden überall eingestreut wo gerade Platz ist. Aber dafür wird, durch eine Anmerkung der Redaktion erklärt, dass Queens ein Stadtteil von New York ist und „Part of me“ soviel heißt wie „Ein Teil von mir“. Richtig viel trauen die den Kids von heute wohl nicht zu. Ebenso großzügig eingestreut wie das Wort „cool“ wird der kleine Zusatz (lacht) in Interviews verwendet, gern auch öfters und manchmal auch (lacht ganz verdächtig) oder (zwinkert).
 
Das habe ich gelernt: Die jungen Leute nennen Justin Bieber einfach ganz lässig Jus oder Biebs und Rihanna nennen sie RiRi.
Am häufigsten verwendete Wörter: Cool und Mega
Selbsttest: Wie viel Power steckt in dir? (natürlich mega viel Power – im Ernst)
Lesenswertester Artikel: Charlie ist wieder da! So cool ist seine neue Serie „Anger Managment“
Beste Headline: Schlepper rammt Rapper
Tolles Extra: 45 Sticker – Deine coolsten Moviestars + 4 Poster (One Direction, Carly Rae Jepsen, Robert Pattinson, The Big Bang Theory)
Katy Perrys Power-Geheimnis: „Beißt euch durch, lasst euch nicht verbiegen und seid wer ihr sein wollt.“
Fazit: Es hat Spaß gemacht, reicht jetzt aber auch erstmal wieder für die nächsten zehn Jahre. von Steffi


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