Aus alt mach jung und umgekehrt.
Interview mit einer Maskenbildnerin

Foto: Juliane Flöting, Modell: Jan Seiler

Luisa ist 25 Jahre, gebürtige Erfurterin, Wahlberlinerin und Maskenbildnerin. Drei Jahre lang hat sie eine Ausbildung an der Mephisto Hasso von Hugo Maskenbildnerschule gemacht und diese vor kurzem erfolgreich hinter sich gebracht. 26.000 Euro hat sie in ihre Ausbildung investiert – im Interview verrät sie, ob sich das gelohnt hat, was man als Maskenbildner alles können muss und wie ein Tag in einer Maskenbildnerschule aussieht.
von Steffi
 

Hallo Luisa, erzähl doch mal, wann und warum ist dir die Idee gekommen Maskenbildnerin zu werden und was reizt dich besonders an diesem Beruf?

Filme haben mich schon immer sehr interessiert. Vor allem fantasievolle Geschichten, in denen man in eine Welt abtauchen kann, die es so nicht gibt mit all ihren verschiedenen Charakteren und Wesen. Da hat es mich interessiert, wie man es schafft aus einem normalen Menschen so eine Kreatur zu gestalten. Kreativ und künstlerisch bin ich eigentlich schon immer gewesen und als ich mein Abitur gemacht habe, wollte ich unbedingt etwas Handwerkliches machen. Nach umfassender Recherche was den Beruf der Maskenbildnerei betrifft, entschloss ich mich dann erst einmal eine Friseurausbildung zu machen und anschließend an die Maskenbildnerschule in Berlin zu gehen.
Am meisten reizt mich an diesem Beruf die Vielfältigkeit, ob es die Arbeit am Theater oder beim Film ist, Fotoshootings oder die Welt der Mode. Ich muss mich immer wieder neu auf den Job einstellen und speziell auf die Bedürfnisse eingehen.
 

Fotos: Juliane Flöting

Du hast deine Ausbildung an der Mephisto Hasso von Hugo Maskenbildnerschule absolviert, wie waren die drei Jahre dort und wo lagen die Schwerpunkte in eurem Unterricht?

Die drei Jahre an der Mephisto waren sehr spannend, vielfältig und natürlich auch anstrengend.
Wir hatten überwiegend praktischen, aber auch theoretischen Unterricht. Das betraf dann die Fachtheorie und die Stilkunde, in der wir lernten, wie sich die Menschen in der Antike bis heute geschminkt, frisiert und gekleidet haben. Ein bisschen Fachenglisch war auch dabei, damit wir dann in Hollywood zurecht kommen. (lacht)
Ich habe unglaublich viel gelernt, vom historischen Frisieren über Theaterschminke und Beauty Makeup bis hin zur Herstellung von falschen Gesichtsteilen, Perücken, Bärten und anderen Haararbeiten. Auch ein wenig Specialeffects war dabei. Daher hat sich die Investition von 26.000 Euro auf jedem Fall gelohnt.
 

Foto: Juliane Flöting

Wie kann man sich einen Tag an der Maskenbildnerschule vorstellen?

Ich war von Montag bis Freitag in der Schule, den halben Tag hatten wir Unterricht und den Rest des Tages konnten wir zum Üben verwenden, wobei Dozenten (selbst Maskenbildner) uns ständig halfen und berichtigten. Jeder Dozent ist auf seine eigene Art streng, wir bekommen viel Kritik (positive als auch negative). Und das ist auch gut so, so bekommt man immer wieder neue Anregungen, seine Arbeit zu verbessern. Man lernt verschiedene Arbeitsweisen kennen und kann für sich das Beste daraus ziehen.
 
Wir waren so zwischen 25 – 30 Schüler in einer Klasse. Jeder hatte seinen eigenen Arbeitsplatz. Wir haben uns immer gegenseitig Modell gesessen, sowie mit den anderen aus den unteren oder höheren Klassen. So hatten wir nicht noch den Druck, dass wir uns von ausserhalb Modelle suchen mussten. Das war sehr praktisch und man konnte immer von dem anderen etwas abschauen und dazulernen. Natürlich haben wir auch, vor allem am Anfang, an Übungspuppen frisiert. Geschminkt haben wir sofort am lebenden Modell. Das war sowieso am Besten, da wir 30 verschiedene Gesichter hatten, an den wir üben konnten. Wir haben sowohl mit Vorlagen als auch ohne gearbeitet. Wichtig war, dass wir immer ein Bild dabei hatten, ob wir es nun selbst gestaltet haben oder nicht. Man orientiert sich eigentlich immer an anderen Sachen und am Ende setzt man sie nach seinem eigenen Stil um.
 

Foto: Juliane Flöting

Welche Arbeiten sind besonders aufwendig?

Die Arbeit an einer Perücke oder Maske ist sehr aufwendig. Das beginnt ja schon mal damit, dass man von seinem Modell einen Abdruck machen muss vom Gesicht oder dem ganzen Kopf. Für eine Maßperücke braucht man zum Beispiel den genauen Kopfabdruck. Wenn der dann fertig ist, kann die Arbeit beginnen. Die Herstellung einer Perücke dauert zwischen 50-60 Stunden, je nach dem wie schnell man ist und in welcher Art die Perücke hergestellt wird.
Der Zeitaufwand hängt auch immer mit dem Material zusammen.
Als wir unsere erste Fantasieperücke bauen mussten, die aus allem bestehen darf ausgenommen sämtlichen Haaren oder haarähnlichem Material, da wusste ich auch noch nicht, was ich alles aus welchem Material herstellen kann. Da musste ich viel ausprobieren und am Ende war das Ergebnis für mich nicht besonders überzeugend. Aber bei der nächsten Fantasieperücke ging das Ganze schon ein bisschen leichter. Man muss also viel ausprobieren und viel Material kennenlernen.
 
Gibt es Arbeiten, die du besonders gern machst?

Ich schminke und frisiere sehr gern, die Herstellung von Bärten und Perücken macht eben so viel Spaß wie die Erstellung von Masken oder Prosthetics (künstliche Teile für Gesicht und Körper).
 

Foto: Juliane Flöting, Modell: Erik Seiler

Vor wenigen Wochen hast du deine IHK Prüfung als staatlich anerkannte Maskenbildnerin abgeschlossen, wie ging es danach weiter und hast du Angst vor dem Stress und dem Druck im Alltag eines Maskenbildners?

Momentan arbeite ich als Maskenbildnerin für Fotoshootings, bei denen ich in sehr kurzer Zeit abliefern muss. Das kann sehr stressig sein, macht aber dafür auch sehr viel Spaß. Druck und Stress gehören zum Job dazu, Angst habe ich trotzdem nicht. Ich habe meinen Traumberuf gelernt und freue mich auf neue Herausforderungen.
 

Was muss man mitbringen, wenn man Maskenbildner werden will?

Als Maskenbildner sollte man offen und kreativ sein und eine Sensibilität im Umgang mit den Künstlern haben. Man muss flexibel sein und Spaß an der Arbeit haben. Wichtig ist auch die Pünktlichkeit und Disziplin.

 
Wenn du bei einem Film deiner Wahl, die Maske hättest machen dürfen, welcher wäre das gewesen?

Es gibt viel tolle Filme. Bei „Harry Potter“ oder „Der Herr der Ringe“ wäre ich gern dabei gewesen, weil maskentechnisch einfach alles dabei war und es total imposant ist.

Dieser Beitrag wurde unter Interview abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar