Hilfe, das Fußball-Fieber greift um sich
Ein Krankheitsbild

via weheartit

Deutschlandweit sind tausende Menschen mit der Fußball-Krankheit, auch Fußball-Fieber genannt, infiziert. Die Symptome treten bei den Betroffenen meist während der Beobachtung eines Fußballspiels auf und reichen von unwillkürlichen, raschen Bewegungen bis hin zu heftigen verbalen Äußerungen sowie Ausrufen und eigenartigen Geräuschen. Häufig wird auch ein verstörter Wahrnehmungssinn diagnostiziert. Störungen im Nervensystem führen dazu, dass ein an Fußball Erkrankter dazu neigt, während einer Übertragung der namensgebenden Sportart, die Fähigkeit zu verlieren, andere Menschen in der Umgebung wahrzunehmen. Geräusche jeglicher Art versuchen die Infizierten durch einen zisch-Laut und eine ausladende Handbewegung abzuwehren. Zu den einhergehenden Zwangsstörungen gehört, dass der mit Fußball-Fieber erkrankte Patient stetig über den Sport, Ergebnisse, Tabellen und Statistiken zum Thema reden muss.
 
Im Normalfall bleibt die Krankheit unter bereits Betroffenen und wird nur selten übertragen. Doch alle zwei Jahre, nämlich zur Fußball Europa- und Weltmeisterschaft nimmt das Fußball-Fieber ein so enormes Ausmaß an, dass man dem gefährlichen Virus kaum noch auszuweichen vermag. Mit der Ansteckungsgefahr mit Fußball-Fieber verhält es sich während der Europameisterschaft ungefähr so wie mit Masern im Kindergarten – hat es einer, haben es alle. Somit schwillt die Masse an Fußballbegeisterten plötzlich auf ein meterhohes Niveau an.
 
Während dieser Zeit weiten sich die Symptome der Fußball-Krankheit teilweise aus. Zu dem oben genannten Krankheitsbild kommen ungewöhnliche Symptome wie die verstärkt falsche Verwendung des Personalpronomens „wir“. Beispielsweise in Sätzen wie „Wir haben das Spiel gegen Portugal gewonnen.“ – Im vollen Bewusstsein, dass der Betroffene selbst nicht am Spiel beteiligt war, verwendet er dennoch stetig das falsche Wort. Wenn das Fußball-Fieber vermehrt umgeht, haben Forscher außerdem einen verstörten Geschmackssinn diagnostiziert. Erkrankte tragen zu dieser Zeit meist lächerliche Kopfbedeckungen und peinliche Kleidung in den Farben Schwarz-Rot-Gold (manchmal auch andersherum). Das Hörvermögen der Infizierten verringert sich in der Zeit der EM auf ein Minimum. Dies wird jedoch als Schutzmechanismus betrachtet, um den Geräuschpegel durch Vuvuzelas, Tröten und andere fußball-typische Krachmacher ertragen zu können. Symptomatisch für die Fußball-Krankheit sind zudem gesteigerter Alkoholgenuss und damit einhergehender Kontrollverlust. Bei Niederlagen der favorisierten Mannschaft tendiert der unter dem Fieber Leidende zu Depressionen oder Impulsivität.
 
Sind die Medien- und Werbebranche ebenfalls mit der Fußball-Krankheit infiziert, ist die Epidemie kaum noch aufzuhalten.  Durch sie wird das Fußball-Fieber erst unter die Massen gebracht. Ihre allgegenwärtige Berichterstattung über Wichtig- und Nichtigkeiten zum Thema führt zu einer exzessiven Vermehrung der ansteckenden Keime.
 
Die Werbestrategien werden nach der Infektion komplett auf Fußball umgestellt. Zu den ohnehin immer mit Prominenten Fußballspielern beworbenen Produkten, kommen Autos, Bier, Duschgel, Chips, Sprudelgetränke und eigentlich alles, was sich irgendwie neben einem Fußball oder auf dem grünem Rasen präsentieren lässt. Die Supermärkte verwandeln sich in ein Meer aus schwarz-rot-gelben Lebensmitteln, Fahnen, Hüten, Schals, Shirts und anderem unnützen Zeug. Durch diese Omnipräsenz des Themas Fußball-EM wird die Krankheit genährt und eine beschleunigte Verbreitung wird angeregt.
 
Wer sich vor der Krankheit schützen will, sollte sich in einer Kölner Privatklinik in ein dreiwöchiges Koma versetzten lassen – der Postillon berichtete. von Steffi

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2 Kommentare zu Hilfe, das Fußball-Fieber greift um sich
Ein Krankheitsbild

  1. Mia sagt:

    Toll, treffend, (tor-)zielsicher beschrieben! Ich bin begeistert – sowohl von dem Artikel, als auch vom Fußball :)
    Zur näheren Inaugenscheinnahme der Symptome und des Krankheitsverlaufs lade ich dich ganz herzlich ein, einen Tag mit mir beim Public Viewing zu verbringen. Wohlgemerkt schwarz-rot-gold gekleidet – zumindest meinerseits ;)

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