Umweltbewusst, sportlich und vorbildlich wie ich bin, fahre ich jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit. Unglücklicherweise sind aber auch andere Menschen umweltbewusst, sportlich und vorbildlich, so dass mein Arbeitsweg zu einem reinsten Hindernisparcours aus anderen Fahrradfahrern, Joggern, Walkern, Gassigängern (natürlich mit dazugehörigem Hund) und gewöhnlichen Fußgängern wird. Ein uneingeschränktes Vorankommen ist durch diese zahlreichen Hindernisse kaum möglich und strapaziert mein feingestricktes Nervenkostüm am frühen Morgen und mein lose zusammengezwirbeltes Nervenkostüm zum Feierabend, enorm.
Oben genannte Hindernisse sind für sich genommen ohne weiteres zu überwinden, werden aber unerträglich wenn sie sich zu Gruppen formatieren.
So ist ein gewöhnlicher Fußgänger meist kein großes Problem und kann gewandt umfahren werden. Doch bei einer Gruppe Fußgänger bricht, bei der Anfahrt eines Fahrrades, sofort eine Massenpanik aus und die Schar zerstreut sich willkürlich in alle Richtungen. Aber auch ein einzelner Fußgänger kann schonmal in Panik geraten wenn er durch eine Fahrradklingel aufgeschreckt wird. Dann dreht er sich zwar um und blickt der Gefahr ins Auge, kann sich vor lauter Schreck aber nicht mehr bewegen und bleibt wo er ist.
Fahrradfahrer sind da weniger unberechenbar. Für gewöhnlich radelt ein Fahrradfahrer einfach an mir vorbei oder schleicht hinter mir her und bleibt außerhalb meines Sichtfelds und somit auch außerhalb meines Interesses. Treten die Radfahrer jedoch als Paar oder Rudel auf, werden sie zu einem wirklichen Problem. In diesen Fällen neigen die Fahrradfahrer nämlich dazu, in einer scheinbar eng verketteten Reihe zu fahren, an der rechts und links kein vorbeikommen ist. Außerdem verringert sich die Fahrgeschwindigkeit proportional zur Anzahl der Gruppenmitglieder, so dass sie nicht nur platzraubend sondern auch noch langsam vorankommen.
Selbes Phänomen zeigt sich bei Walkern, obwohl man die meisten Omis und Muttis, die ihre Stöcke zwar wirr durch die Gegend schleudern, aber ein Schrittempo haben wie die Polonaise im Altersheim, gar nicht Walker nennen dürfte – aber das ist ein anderes Thema. Die „Walkerinnen“ – ja auf meinen Wegen sind das immer nur Frauen – treten eigentlich immer als dynamisches Doppel auf, oder als Rentnergruppe. Sie haben sie sich in atmungsaktive Sportkleidung geschmissen und einen Pferdeschwanz gebunden (wenn noch genügend Haare vorhanden sind) das war´s dann aber auch schon mit der Sportlichkeit. Tatsächlich halten sie nur ein Kaffeekränzchen ab und blockieren dabei die Wege auf denen ich fahre. Ihre Walkingstöcke haben sie nicht als Sportinstrument dabei, sondern vor allem als Abstandhalter zu anderen Fußgängern und Fahrradfahrern. Wer nicht aufpasst und den tratschenden „Sportlerinnen“ zu nah kommt, kriegt den Stock zwischen die Speichen oder Schienbeine.
Eine Gruppe zu der ich selbst gern gehöre, wenn ich ohne Drahtesel unterwegs bin – was mich aber nicht davon abhält auch in ihnen ein störendes Hindernis zu sehen – sind die Gassigänger. Das tückische bei Fußgängern mit Hund ist vor allem das unkontrollierte Verhalten des freilaufenden Hundes und diese lästigen Langlaufleinen, durch die der Hund auf der rechten Seite des Weges und sein Herrchen auf der linken Seite laufen kann. Wer es sich nicht bildlich vorstellen kann: zwischen beiden Parteien spannt sich eine Stolperschnur wie sie im Buche steht.
Egal wer meinen Weg kreuzt steht prinzipiell im Weg, nervt mich und hindert mich am nach hause kommen. Bus und Bahnfahren ist da übrigens keine Alternative, wie ich HIER bereits erzählte.
Bevor noch jemand meckert, möchte ich an dieser Stelle noch anmerken, dass ich soweit vorhanden auf Radwegen fahre, in Erfurt sind die aber eher spärlich gesät. Außerdem bedanke ich mich bei den Menschen die mir den Weg frei machen, das hat mir meine Mutti so beigebracht.
von Steffi
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