In Golden Tears im Interview
Indie-Sound made in Germany

In Golden Tears / Foto: Jan David Günther

Man mag es kaum glauben aber junge, erfolgreiche Bands schaffen es auch (oder viel mehr vor allem) ohne Castingshow und Dieter Bohlen zu internationalem Erfolg. Die Hamburger Newcomer-Band „In Golden Tears“ ist der fleischgewordene Beweis. Sie werden als “Die nächste große Indie-Hoffnung aus Deutschland.” und als eine der „viel versprechendsten deutschen Nachwuchsbands des noch jungen Jahres” gehandelt. Obwohl die Bandgründung erst ein Jahr zurück liegt und bislang gerade einmal ein Song veröffentlicht wurde, blicken sie bereits auf eine erfolgreiche Headliner-Tour durch England zurück, können Lobeshymnen der internationalen Blogosphäre vorweisen und durften sich mit dem Titel „MySpace Artist der Woche“ schmücken.
 
Am 20. April erscheint mit „Underneath The Balance“ die zweite Single des Quintetts bei der wieder großartige Indie-Sounds aus den Boxen strömen. Die melancholische Single gibt einen köstlichen Vorgeschmack auf das Ende 2012 erscheinende Debütalbum. Klare Gitarren, hallende Drumsounds, wabernden Synthies, pulsierenden Bässe und die imposante Stimme von Patrick H. Kowalewskis bilden eine musikalische Kostbarkeit, wie sie nur selten in Deutschland entsteht.
 
Im Interview sprechen die Jungs von „In Golden Tears“ ( Patrick H. Kowalewski (Vocals, Gitarre), Mats Dörband (Bass), Patrick Behrens (Vocals, Gitarre), Robin Shaw (Drums) und Max Schild (Keyboard) über ihre Zukunftspläne, ihre neue Single und ihre bevorstehende Tour. von Steffi
 

 
Hallo Jungs, erzählt doch mal kurz was über die Geschichte eurer Band. Wie habt ihr zusammen gefunden? Und wann wurden aus vier Mitgliedern fünf?

Mats: Angefangen haben Patrick H. Kowalewski und Patrick Behrens. Doch es fehlte an Bass, weshalb sie mich ins Boot holten. Robin Shaw haben wir dann als Schlagzeuger einer anderen Band kennengelernt. Mit seiner damaligen Gruppe haben wir mehrere gemeinsame Konzerte gespielt. Jedes Mal waren wir von seinem Schlagzeugspiel beeindruckt und er war von unseren Songs geflasht, so dass wir ihn nach einem Probewochenende als festes Mitglied aufgenommen haben. Unser fünftes und frischestes Mitglied ist Max Schild. Er spielt Keyboard und Synthesizer. Wir wollten weg von gesampleten Synthies und Keyboards um den Songs live mehr Energie zu geben und kannten ihn bereits durch Robins alte Band. In Max haben wir eine perfekte Ergänzung gefunden.
 
Viele junge Bands tun sich mit der Namensfindung etwas schwer und schwanken zwischen ironischen Statement und albernen Synonymen. Mit „In Golden Tears“ habt ihr einen poetischen und ziemlich gelungenen Namen gefunden. War es eine lange Suche und was hat euch dabei inspiriert?

Mats: Tears, Tränen, sind ein sehr starker Ausdruck von Emotionen – oft mit negativen Ereignissen verbunden. Gold ist wiederum etwas schönes, glänzendes, wertvolles – es ist durchweg positiv belegt. Die Verbindungen von diesen Gegensätzen finden wir sehr schön, berührend und spannend, wie ein Funkeln in einem dunklen Raum. Wir sind sehr zufrieden mit unserer Namenswahl. Es ist immer eine schwierige Entscheidung, die man seine ganze Karriere erklären und rechtfertigen muss. Also lässt man sich automatisch viel Zeit für so einen Prozess.
 
In der jetzigen Besetzung gibt es euch gerade einmal seit einem Jahr. In dieser kurzen Zeit habt ihr es schon ganz schön weit gebracht. Eine Headliner-Tour durch England liegt hinter euch und eine Tour durch Europa vor euch. Wie erklärt ihr euch eine so rasante Entwicklung und wie geht ihr damit um?

Mats: Für uns selber ist es unfassbar, es ist toll. Schnell war uns klar, dass wir es nicht nur als Hobby betreiben wollen. Doch das wir dann mit unserer ersten Single bereits solche Auftritte, wie das Dockville, Support Shows für u.a. Vaccines und eine Headliner Tour durch England spielen, hätten wir nicht erwartet. Nun stehen wir vor unserer zweiten Single und es stehen noch mehr tolle Daten an, zum Beispiel das Sziget Festival in Budapest, ein Auftritt beim Great Escape Festival in Brighton, England und das Bespielen von Bühnen in vielen Nachbarländern. Natürlich sind wir stolz auf diese Meilensteine. Es gibt nicht viele deutsche Bands, die ihre erste Tour durch England spielen. Aber wir müssen noch sehr hart arbeiten, stecken jede freie Minuten in die Band, um dahin zu kommen, wo wir hin wollen. Wir haben also keine Zeit für Allüren und Abgehobenheit, damit würden wir uns selber am meisten im Weg stehen.
 
Der Normalfall sieht vor, dass erst ein Album produziert und danach getourt wird. Ihr habt bisher nur eine Single raus gebracht, die nächste folgt Ende April – aber getourt habt ihr schon ordentlich. War das bewusst geplant oder hat sich das einfach so ergeben?

Mats: Die erste England-Tour war ein relativ spontanes Angebot von einem englischen Booker, wir waren da natürlich extrem heiß drauf und wollten es uns nicht entgehen lassen. Das viele Spielen hat sich erst so ergeben und war dann bewusst. Es ist unsere Chance den Leuten zu zeigen, dass wir mehr als nur zwei sehr gute Lieder haben. Die jetzige Tour war mit mehr Vorlauf geplant um uns weiter ins Gespräch zu bringen. Wir freuen uns besonders drauf jetzt eine durchgehende Deutschlandtour zuspielen und nicht nur vereinzelte Weekender.  
 

 
Im Rahmen eurer Tour werdet ihr bei dem legendären Sziget Festival in Budapest dabei sein, auf dem Musikgrößen wie Korn und Placebo spielen. Macht euch das ein bisschen Angst? Und was erwartet ihr von so einem Auftritt?

Mats: Ich glaube, man wächst mit solchen Auftritten. Natürlich ist man aufgeregter, wenn man weiß, dass es eine Bühne auf dem größten Festival Europas ist. Aber am wichtigsten ist es Spaß zu haben und sich darauf zu freuen. Wenn man mit etablierten Musikgrößen ein Festival oder eine Show bestreitet, ist es immer etwas sehr besonderes.
 
Ihr bastelt gerade an eurem ersten Album, wie entstehen dabei eure Songs und wer schreibt die Texte?

Patrick H. K.: Genau, wir schreiben gerade an unserem Debüt-Album. Die Songs, Kompositionen und Texte schreibe ich. Diese arbeiten wir dann gemeinsam im Proberaum aus und jeder schreibt seinen Instrumental-Part dazu, so dass ein einzigartiger “In Golden Tears” Sound entsteht. Oft ist es ein sehr langer Prozess, bis wir mit einem Song zufrieden sind aber genau das ist unser Anspruch.
 
Sind eure Songs von persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen geprägt?

Patrick H. K.: Selbstverständlich verarbeite ich Erlebnisse und Emotionen in den Songs. Denn es ist eine tolle Art seine Erfahrungen, Gefühle und Meinungen anderen mitzuteilen. Ich bin froh mich über diese Art von Kunst verständigen zu können.
 
Eure neue Single heißt “Underneath The Balance”, was bedeutet das und worum geht es in dem Song?

Patrick H. K.: In dem Song geht es um das (Un)gleichgewicht zwischen Gut und Böse, Stark und Schwach, Arm und Reich. Jeder kann die Texte individuell auf sein Leben und sein Handeln beziehen, aber er kennt auch den Bezug zur heutigen Zeit.
 
Eure neue Single wird über HummingRecords / Rough Trade digital und auf Vinyl veröffentlicht. Habt ihr euch bewusst gegen eine CD entschieden, weil CDs tot sind?

Mats: Wir kaufen selber viele Vinyls. Sieht ja auch ziemlich cool aus, wenn man die im Zimmer stehen oder hängen hat. Da man eine CD meistens nur ein Mal auf den PC spielt und dann nur doch digital hört, sind Vinyl und Download eine gute Entscheidung.
 
Geht ihr noch einer bürgerlichen Tätigkeit nach oder seid ihr schon Rockstars und macht nur noch Musik?

Mats: Noch ist es unser größter Wunsch Rockstar zu sein, wofür wir hart arbeiten. Aber so lange wir davon noch nicht vernünftig Leben können, müssen wir uns noch ein zweites Standbein aufbauen. Neben dem Musikerdasein sind wir Studenten, Auszubildende und Praktikanten.
 
Stehen schon kreischende Groupies vor eurer Tür?

Patrick B.: Wir haben uns im letzten Jahr eine beachtliche Fanbase erspielt und viele nette Leute kennengelernt, die wir dann bei unseren Auftritten in den jeweiligen Städten immer wieder sehen. Nach den Konzerten wird dann oft mit den neu gewonnenen Fans und Freunden gefeiert.
 
Wo seht ihr euch als Band in den nächsten Jahren?
Patrick B.: Nach Veröffentlichung unseres Debütalbums werden wir hoffentlich viele weitere Europa- und Deutschlandtouren spielen. Dabei wäre es auch sehr besonders mit einem bereits großen Künstler auf Tour zu gehen und ausgiebige Festivalsaisons zu spielen.
 
Am 25. April spielt ihr in Erfurt, was sagt euch diese Stadt?

Patrick B.: Wir können’s kaum erwarten endlich mal eine echte Thüringer Bratwurst zu essen! Auch als Heimatort toller Künstler, wie z.B. Clueso, ist uns Erfurt bekannt. Außerdem hoffen wir ein bisschen mehr von der Stadt zu sehen, aber leider ist es auf Tour sehr schwer die Zeit dafür zu finden, da man meist von Auftritt zu Auftritt fährt.
 
 
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Update: Das Konzert in Erfurt wurde von dem Veranstalter leider abgesagt.



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Eine Antwort auf In Golden Tears im Interview
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  1. McNoise sagt:

    … vielleicht läuft neue musik heute, genau wie schon vorhandene musik, auch manchmal gefahr, als berühmter und vermeindlich besser dargestellt zu werden, als sie wirklich ist …

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