Sarah Kuttner, ein Buch, ein Hund und Erfurt

Sarah Kuttner in Erfurt

Eigentlich wollte Sarah Kuttner lieber zur Pressekonferenz zum Thema Entenrennen als aus ihrem zweiten Roman „Wachstumsschmerz“ zu lesen. Weil man sie wegen der fehlenden Ente aber nicht rein gelassen hatte, stand sie am Mittwochabend dann doch pünktlich 20.00 Uhr auf der Bühne des Erfurter Kaisersaals („Hier finden sonst sicher seriösere Veranstaltungen statt.“) Mit dabei, ihr Jack Russel Terrier, der mal Peter, mal Rakete, mal Ey! heißt. Nachdem das Bettchen, bestehend aus Sarahs Winterjacke, für den Hund hergerichtet war, geht es los.

Sie erzählt von ihrer Fahrt nach Erfurt, bei der sie die Ausfahrt verpasst hatte und in Gera landete und von einer Massage, die nicht ganz ihrer Vorstellung entsprach (abgesehen von den obligatorischen Walgesängen als Hintergrund“musik“). Sie hätte gern noch weiter so geplaudert, da aber noch nicht alle Anwesenden das Buch gelesen hatten, musste sie ihrer Pflicht nachkommen.
Doch vorher noch ein Hinweis: „Ich kann zwar ganz gut lesen, aber nicht wie große Literaten dabei noch bedeutungsschwanger ins Publikum schauen. Die hier (sie zeigt auf ihre Augen), seht ihr jetzt also zum letzten Mal.“

Sie liest von Liebeskummer und Selbstzweifeln und erzählt die Geschichte von Luise und Flo, ein mittdreißiger Paar, das beschließt, zusammenzuziehen und dabei merkt, was Erwachsensein eigentlich bedeutet. Es ist keine Autobiografie, sagt sie, aber sie kann sich in das Thema gut einfühlen. Und natürlich hat sie auch einige persönliche Anekdoten mit einfließen lassen, zum Beispiel ihr Unverständnis über Mädchen, die ständig hoch aufgelöste Fotos von Cupcakes auf ihren Blogs posten.

Dem Publikum gefällt, was es hört. Es wird viel gelacht, besonders wenn sie doch einmal die Augen von ihrem Schriftstück hebt und in der bekannten kuttnerischen Art schnell und direkt vor sich hin schwatzt.
Zwischendurch wanderte Sarahs Blick immer wieder zu ihrem vierbeinigen Begleiter. „Die Liebe zu meinem Hund lenkt mich ab.“ So lies sie es sich nicht nehmen, sein Talent unter Beweis zu stellen und einen Trick zu präsentieren, bei dem sie mit Pistolen-imitirenden-Fingern auf ihren Hund „schießt“ und der dann theatralisch umfällt.

Im Anschluss an die Lesung gab es eine Frage-Antwort Runde, bei der die Kuttner die aufkommenden Fragen wie immer schlagfertig beantwortete. Dass sie ein Problem damit hätte, mit Charlotte Roche verglichen zu werden, wird ihr immer nur angedichtet. „Ich mag Charlotte. Es gibt schlimmere Leute mit denen man verglichen werden könnte, Sonja Kraus zum Beispiel.“ Auf die Frage wie sie ihre Generation beschreiben würde, hielt sie verschmitzt ihr Buch in die Höhe, resümierte dann aber noch: „Wir sind Luschen, aber dafür sehen wir gut aus.“ von Steffi

PS. „Ey Erfurt! Das war aber schön! Der Hund ist noch ganz aufgeregt. Und wenn es Euch so irre wichtig ist, schließe ich meinen Frieden mit Eurem komischen Entenfetisch!“
(Sarah Kuttner via Facebook)

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