London Tattoos by Alex MacNaughton
Ein Blick unter die Haut: Menschen und ihre Tattoos

© Alex MacNaughton / Prestel

Tattoos gehören in den Augen älterer Generationen immer noch zu Knastbrüdern und Seemännern, sind aber in unserer Generation längst akzeptiert und Teil der modernen Urban Culture, ein Kultthema, das sich über alle sozialen Milieus hinweg zieht.
Ich mag Tätowierungen – Arschgeweihe, Namen der (Ex-)Freunde und Gesichtstattoos mal ausgenommen – sie sind kleine wandelnde Kunstwerke, die in stundenlanger Arbeit mit dem Einsatz von einem Haufen Geld entstanden sind.
 
Der Fotograf Alex MacNaughton, der schon mit seinen Büchern „London Street Art“ und „London Street Art 2“ den Nerv der Zeit traf, präsentiert in „London Tattoos“ auf 300 Seiten 51 tätowierte Londoner in Ganzkörper- und Detailaufnahmen.
Um sein Projekt zu verwirklichen richtete MacNaughton eine Website ein, auf der sich potentielle Teilnehmer anmelden und Fotos hochladen konnten. Außerdem ließ er 10.000 Flyer drucken und in Bars und Clubs verteilen. Doch die meisten, die zu seinem Shooting kamen, hatten durch Mundpropaganda von seinem Projekt gehört.

 

“The idea of the book is to show tattoos in a new way. It is going to be a book of portraits of people, who happen to have tattoos. It’s not just a book only showing the tattoos. I want to show how tattoos are a reflection of a person’s character and lifestyle, how to live with them and how tattoos can enhance confidence and success in life.” (Alex MacNaughton)

 
„London Tattoos“ ist kein gewöhnliches Tattoo-Buch mit düsteren Design und Fotos die ausschließlich das Tattoo, nicht aber dessen Träger zeigen. MacNaughton wollte mit dieser Konvention brechen und kreierte kein Tattoo-Buch, sondern einen Portraitband über Menschen mit Tätowierungen.
 
Dabei ist ihm ein Querschnitt durch alle Gesellschaftsschichten und Altersklassen gelungen. Von Bänkern zu Punks, Strippern, Doktoren, Models, Musikern und Lehrern, hat er alles vor seine Linse bekommen. So unterschiedlich die Menschen, so unterschiedlich sind auch die Beweggründe und Bedeutungen ihrer Körperkunst. Vielen gefällt schlicht das Motiv, andere verbinden Stationen in ihrem Leben, Personen oder Orte mit den Bildern. Für alle aber ist es ein Ausdruck ihrer Persönlichkeit.

 

„My tattoos represent different emotions from different times in my life: they are an image of how I was feeling on the inside projected on the outside. They provoke reactions – not always good reactions – but it makes people ask questions  and think outside the box, which to me is a great thing. It proves that there is still individuality. I try to design each piece I have with meaning. It´s like reading a diary you kept as a child years after you have written the words.“ (Amanda Burzio, 24)

 


 
Was „London Tattoos“ zu einem einmaligen und spannenden Bildband macht, ist das man die Träger der Tattos sowohl in ihrer Alltagskleidung als auch entblößt sieht. Da Kleider ja bekanntlich Leute machen, gewähren diese Bilder einen interessanten Einblick auf die Persönlichkeit des Menschen. Auch wenn gerade dadurch große Überraschungen entstehen. Wenn beispielsweise die 31-jährige Hayley Hayes, Typ graues Mäuschen/ Bibliothekarin ihre braune Wollstrickjahre auszieht und plötzlich eine komplett tätowierte Rückansicht, inklusive Beine, Armen und Rücken zum Vorschein kommt, kann das schon verblüffen.
Das Konzept von „London Tattoos“ ist absolut stimmig, von der facettenreichen Auswahl der Modelle, den persönlichen Texten der Tattooträger bis hin zu den Fotografien selbst.
von Steffi

 
Alex MacNaughton: London Tattoos
Prestel Verlag, 2011
527 farbige Abbildungen

304 Seiten,
19,95 EUR
ISBN: 978-3-7913-4584-0

 

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Eine Antwort auf London Tattoos by Alex MacNaughton
Ein Blick unter die Haut: Menschen und ihre Tattoos

  1. Nizza Tätowierungen. Sieht gut aus. Vielen Dank für Ihre Informationen.

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