Casting für Rotznasen: Bitte nicht auch noch DSDS Kids

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Anfangs dachte ich noch es sei nur ein Gerücht oder etwas das in ferner Zukunft, wie das Monster unter dem Bett, auf uns wartet. Aber als die Hiobsbotschaft durch die musikproduzierende Lederhaut in der ersten Werbung bestätigt wurde, war klar, DSDS Kids  ist keine kranke Ausgeburt der Fantasie fanatischer Fans, sondern die traurige Wahrheit. Vier- bis 14-Jährige können sich bei dem Casting für Rotznasen anmelden und ein Ausbildungs-Stipendium sowie ein Preisgeld gewinnen.
 
Als gäbe es nicht schon genug Castingshows, muss RTL noch einen weiteren Hilfeschrei nach Quoten und Aufmerksamkeit in die Welt senden. Irgendwie muss es der Sender ja wieder aus der Quotenkrise schaffen. Warum nicht also nutzen, was bei „Das Supertalent“ schon bestens funktionierte hatte – niedliche Kinder, die lassen sich sowieso viel besser ausbeuten, als mündige Erwachsene. 
Warum es jetzt auch noch DSDS Kids gibt, erklärt Bohlen mit dem jahrelangen Wunsch der Kleinen nach einer eigenen Sendung. Aber Kinder wünschen sich auch Eis und Schokolade zum Mittag.
 
Die Kids sollen “die einmalige Chance haben, sich vor einem großen Publikum zu präsentieren”. Dabei wurden die gleichen Kids bei Bohlens zweiter Nervshow meistens nach Hause geschickt, weil sie zwar super süß, aber zu jung für die Show waren. Diese Ansicht hat sich anscheinend geändert. Im Fokus des Interesses sind wohl doch eher die hohen Quoten, die sich mit den kleinen singenden Bälgern erreichen lassen, als das Wohl der jungen Talente. Aber weil der Bohlen jetzt breit grinsend den netten Onkel mimt und „sehr sehr nett“ sein will, haben die Eltern, die ihre Kinder den Löwen zum Fraß vorwerfen, offensichtlich keine Angst, dass der Titan der Beleidigungen sich die Zunge abbeißt, um sich einen Kommentar á la “Ne Stimme zum Niederknien, aber nur, damit man sich nicht auf die Füße kotzt” verkneifen zu können. In den ersten 20 Stunden haben bereits 2.000 Eltern ihre Schützlinge zum Gladiatorenkampf der Stimmen angemeldet.
 
Dabei ist dieses Sendeformat in so vieler Hinsicht falsch. Das fängt bei der fragwürdigen Kompatibilität des Jugendschutzes mit den Wünsche des Senders an und hört bei Eltern auf, die es selbst nicht zu DSDS geschafft haben und ihre eigenen Wünsche auf ihre Kinder projizieren. Ganz zu schweigen davon, wie ein 4-Jähriger gesanglich gegen einen 14-Jährigen überzeugen und den psychischen Druck aushalten soll.
 
DSDS Kids erinnert mich so sehr an Mini-Miss-Wahlen, bei denen kleine Mädchen zu „aufgebitchten“ Diven herangezüchtet werden und von ihren amerikanischen Vorstadtmüttern durch das ganze Land geschleift werden, obwohl sich die kleinen Scheißer lieber mit Dreck aus dem Sandkasten als mit Make-Up beschmieren würden. Solche Mütter wird es auch bei DSDS Kids geben. Überehrgeizige Drachen, die ihren Sprössling mit Disziplin und Strenge zu Hochleistungen trimmen, ohne auf die Wünsche ihrer Kinder zu achten und bei denen es, bei jedem falschen Ton eine Woche Hausarrest gibt.
 
Auch wenn Bohlen verspricht “Es gibt in unserer Show nur Gewinner, keine Verlierer” sollte jedem klar sein, dass das Ganze immer noch eine RTL Produktion ist, deren Interesse bei hohen Quoten liegt, und die gibt es nunmal am besten mit Demütigung, Bloßstellung, Skandalen, Peinlichkeiten und Misserfolgen. Die Einschaltquoten von DSDS waren immer dann am höchsten, wenn die peinlichen Trottel, die Nichts-Könner und Freaks am Anfang des Castings noch in der Sendung waren und sich ordentlich blamierten. Warum sollte RTL bei den Kids nicht die gleiche Schiene fahren, allein auf zuckersüße rosa-backige Sonnenscheine zu setzen, wäre doch etwas naiv und völlig untypisch für RTL.
 
Sophie Mono von Medien-Monitor formuliert es sehr treffend: „Casting-Show bleibt Casting-Show und RTL-Casting-Show bleibt RTL-Casting-Show. Und dabei gibt es immer Verlierer und Gewinner. Das ist das Prinzip, das ist das, was die Leute sehen wollen – und das, was die Quoten bringt. Eine Casting-Show, in der nicht zwischen Guten und Schlechten entschieden wird, ist keine Casting-Show. [...] Es wird Niederlagen geben, Tränen und Misserfolge, so viel steht fest. Und selbst die erfolgreichen Kids werden das helle Rampenlicht und seine Schattenseiten sicherlich nicht unversehrt überstehen.“
 
Bleibt nur noch zu hoffen, dass Deutschland zur Abwechslung mal Vernunft vor Schadenfreude walten lässt, zu ZDFneo umschaltet und die erste Staffel DSDS Kids, die letzte bleibt.
von Steffi


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2 Antworten auf Casting für Rotznasen: Bitte nicht auch noch DSDS Kids

  1. Tanja sagt:

    Das ist wirklich der größte Mist von dem ich je gehört habe…Ich wette das ganze ist auf Bohlens Mist gewachsen und zwar komplett. Und das ganze nur weil er den Hals einfach nicht vollkriegen kann. Er mag ein gute rProduzent sein aber irgendwann ist auch endlich mal gut…Ich hoffe das wird sich niemand ansehen…

  2. Jan sagt:

    Das geht gar nicht, wird wohl eine zweite Mini-Playback-Show werden. Andere Formate haben da für mich deutlich mehr Stil und Glaubwürdigkeit, Voice of Germany zum Beispiel. Leider hat sich aber auch da gezeigt, dass Leute die echt klasse singen können aber nicht wie ein Model aussehen zu früh rausfliegen. Bestes Beispiel ist Nina Kutschera, troz ihrer Traumstimme musste sie gehen. Aber was richtig cool ist, sie bringt jetzt trotzdem ihre Platte raus, auf sell-a-band. Da können Fans ihre Stars unterstützen http://www.sellaband.de/ninakutschera Auf so einer Plattform landen dann nachher auch nicht diese Rotznasen ;)

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