Ossis an die Macht!
Dreamteam an der Spitze: Angie und Joe

© AFP

Joachim Gauck wird Bundespräsident. Ich finde das großartig! Dieser Mann hat Würde, Integrität und Ausstrahlung. Er hat eine Meinung, er lässt sich das Wort nicht verbieten und er kann reden. Für mich ist dies das Rezept, mit dem ein guter Bundespräsident gebacken wird. Sicher nicht zwingend notwendig, aber für mich durchaus positiv besetzt, ist seine feste Verwurzelung in der evangelischen Kirche, sein herausragendes Engagement zur Wendezeit und Funktion bei der Aufarbeitung der DDR-Geschichte . Nach langer Zeit freue ich mich einmal wieder auf einen Bundespräsidenten, bin gespannt auf seine Arbeit und sicher, dass er gute Akzente setzen wird.
 
Meiner Meinung nach sind Joachim Gauck und Angela Merkel das Dreamteam an der Spitze unseres Landes – gerade deshalb, weil beide Charakter haben und Kämpfer sind. Außerdem kommen beide aus dem Osten. Ja, ich gebe es ganz offen zu – ich finde die beiden super, weil die aus dem Osten kommen. Ich möchte gar nicht das Ossi-Wessi-Gefasel bemühen – oder vielleicht irgendwie doch.
 
Wenn ich die vergangenen (westdeutschen) Bundeskanzler und Bundespräsidenten einmal Revue passieren lasse, sieht man deutlich, was man in diesem Land nicht mehr braucht:
Gerhard Schröder, Typ: Arroganter, großspuriger Medien- und Basta-Kanzler
Helmut Kohl, Typ: Dickköpfiger und unsympathischer Brocken
Horst Köhler, Typ: Eingeschnapptes Mimöschen
Roman Herzog, Typ: Keiner-wird-sich-je-an-mich-erinnern
 
Ich könnte diese Liste schier unendlich verlängern, würde ich (westdeutsche) Minister auf Bundes- und Landesebene einbeziehen. Ich sage: „Brauchen wir alles nicht mehr – lasst mal die Ossis ran.“ Ohne Frage gibt es auch Ausnahmen. Spontan fallen mir Margot Käßmann, Ole von Beust, Rita Süssmuth,  Hans-Dietrich Genscher – ups, nein, der ist ein Ossi.
Ich sage nicht grundsätzlich, dass Ossis besser sind. Alles was ich meine ist, dass wir alle in den letzten Jahren jede Menge schlechte Erfahrungen mit westdeutschen Politikern gemacht haben. Für mich Grund genug, es mal mit Ossis zu versuchen.
Noch eins zum Schluss: Was mich wirklich stört ist diese seltsame Argumentation, nachdem der Betroffene mit dem Rücken an der Wand steht (Wochen oder Monate mit unzähligen Vertuschungs- bzw. Aussitzversuchen gehen dem meist voraus). Da heisst es: Ja, ich habe einen Fehler gemacht, aber alle machen doch Fehler! Liebe Politiker, das gilt nicht: Natürlich macht jeder Mensch Fehler, aber alle anderen müssen ihre Fehler ausbaden und die Konsequenzen tragen. von Conny

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7 Kommentare zu Ossis an die Macht!
Dreamteam an der Spitze: Angie und Joe

  1. Beez sagt:

    ganz ehrlich?, dass ist mist was Sie hier schreiben. Ob Ossi oder Wessi ist erstmal grundlegend egal. Politiker in unserem Land haben sowieso nur noch wenig zu sagen, da die meisten Befehle schon von der Industrie, den Banken, der EU oder von der USA kommen! also völlig unwichtig wer Präsident wird, viele denken(oder wissen) auch dass seit der Wende(manche meinen schon seit dem 2.Weltkrieg) kein Staat mehr existiert.

  2. Mia sagt:

    Willkommen im Neo-Rassismus.
    Mir ist es sch…-egal, ob jemand Ossi oder Wessi ist, solange derjenige seinen Job gut macht. Klar, es waren seit der Wende mehr Wessis als Ossis in hohen politischen Ämtern – aber das könnte auch daran liegen, dass es mehr Wessis als Ossis gibt. Nur weil eine Supermarktverkäuferin in Hamburg unfreundlich und langsam ist, heißt es nicht, dass die in Dresden besser ist. Achja…hoch leben 22 Jahre Unterschied zwischen Wessis und Ossis! :(

    • Conny sagt:

      Willkommen im Weichspülgang

      Vielen Dank für Deinen Kommentar. Feedback finde ich immer gut.

      Zunächst einmal: Es wundert mich, dass Du schlechte Erfahrungen mit Supermarktverkäuferinnen (auch mit den Verkäufern?) in Hamburg gemacht hast. Mit Hamburgern sind meine durchweg positiv. :-)

      Meiner Meinung nach gibt es durchaus evidente Unterschiede zwischen Ossis und Wessi. Die Großeltern- und Elterngenerationen sind in unterschiedlichen politischen Systemen sozialisiert worden. M.E. macht genau das die Unterschiede aus. Ich denke, es ist offentsichtlich, dass es einen Unterschied macht, ob man in einem System aufwächst, in dem man sich eher nicht exponiert oder ein System, in dem es gerade darauf ankommt, seine Stärken hervorzuheben, weil man sich der Konkurrenz von Mitbewerbern erwehren muss. Diese Elterngenerationen erziehen heute die junge Generation, in der die Unterschiede zunehmend verblassen. Das finde ich auch gut so. Außerdem sage ich nicht grundsätzlich, dass „Wessi-Eigenschaften“ schlecht sind – ich betone die Anführungszeichen.

      Mir ist es grundsätzlich ebenfalls egal, ob jemand Ossi oder Wessi ist. Es handelt sich lediglich um meine Sichtweise aus der Retrospektive, die durchaus spitz formuliert und durchaus auch mit einem zwinkerndem Auge zu verstehen ist.

      • Mia sagt:

        Hallo Conny,
        sicherlich kann ich dir teilweise Recht geben. Es mag bestimmt unterschiedliche Lebenseinstellungen geben, abhängig davon, in welchem „System“ man aufgewachsen ist, beziehungsweise von welchem Wertesystem (das gefällt mir besser) man geprägt wurde. Und ja, zum Glück verblassen die Unterschiede in der Erziehung mittlerweile.
        Aber letztendlich machen einen guten Politiker für mich die eigenen Wertvorstellungen aus, der Umgang mit anderen, die moralische Integrität. Und diese Punkte sind für mich nicht nur erwachsen aus einem System, sondern aus der persönlichen Entwicklung.
        Und auch wenn das Aufwachsen in einer anderen Staatsform mit anderen Werte gewiss Einfluss auf die Persönlichkeitsbildung hat (nein, nicht jeder Wessi weiß alles besser und nicht jeder Ossi meckert nur), so finde ich es doch ein wenig vermessen (Spitzfindigkeit hin oder her), die Qualität eines Politikers an seiner Herkunft festzumachen. Ganz zu schweigen, dass man, geht es nach der Herkunft, sehr viel kleinteiliger differenzieren müsste. Ein Wessi kann Münchner oder Frankfurter, Kölner oder Hamburger sein, die Mentalität ist grundverschieden. Und ordnen Geografieleuchten Erfurt nach Sachsen ein, ist die Empörung direkt groß.
        Ja, Mentalität prägt, die Werte, die ein Staat festsetzt, prägen auch.
        Aber hat das „Ossi-Sein“ Einfluss auf die Qualität eines Politikers? Ein Lokalpatriotismus, der mal eben 5 Bundesländer umschließt?
        Ne, ganz ehrlich, das geht heute nicht mehr in meinen Kopf. So wie man in jeder Partei politische Flachzangen findet, findet man sie gleichermaßen im Osten, wie im Westen.
        Ich denke auch, dass Gauck aus der Liste der möglichen Kandidaten die eindeutig beste Wahl war. Er wirkt auf mich engagiert, integer und überzeugend. Aber gerade er, als Mann, der in der Wendezeit viel bewirkt hat, ist kein für mich kein Ossi, sondern Gesamtdeutscher. Und das ist es, was mich besonders freut!

        • Conny sagt:

          Hallo Mia,
          da kann ich mich in vielem anschliessen. Natürlich kann man die Qualität eines Politikers nicht an seiner Herkunft festmachen. Das wäre sehr verkürzt. Wie du schreibst, wird diese Qualität bestimmt durch die eigenen Wertvorstellungen. Einen gewissen Einfluss des Systems räumst auch du ein. Offensichtlich sind wir näher beieinander als es zunächst schien.

          Dennoch glaube, ich, dass dieser Einfluss des politischen Systems auf die eigenen Wertvorstellungen und Prinzipien extrem unterschätzt wird. Ich glaube, da sind wir alle nicht so autark und selbstbestimmt sind wie wir vielleicht gern wären. Ich glaube, dass das politische System, was sich im übrigen für Fankfurter, Münchner oder Hamburger nicht unterscheidet, einen ganz enormen Einfluss auf die Wertvorstellungen hat.
          Diesen gemeinsamen Wertepool, wenn man es mal so nennen möchte, empfinde ich gerade in Ostdeutschland als sehr angenehm. (Auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel.)

          Daher freue ich mich ganz besonders auf die Arbeit von Joachim Gauck. Und auch dabei sind wir uns wieder einig.

  3. der letzte abschnitt bringt es auf den punkt. schön zu lesen euer text in all dem superficial medien bla bla!

  4. HR sagt:

    es gibt im osten (prozentual gesehen) bestimmt genauso viele flachpfeifen an politikern wie im westen auch…
    beispiel gefällig?
    http://www.youtube.com/watch?v=8bGKfvBG9sM
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,611157,00.html

    darüber hinaus ist die amtszeit von merkel noch nicht vorrüber – wer weiß, ob da die (überaus objektive) bild zeitung nicht noch was findet.

    bezüglich gauk erlaube ich mir noch kein urteil, aber aufgrund einiger früherer äußerungen seinerseits bin ich auch hier skeptisch…
    http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/4/0,3672,8480132,00.html

    also zusammenfassend: ganz egal, ob westen oder osten – in deutschland gibts überall politiker, die nichts taugen.
    ist ja auch kein wunder – wo man als politiker doch nur einen bruchteil dessen verdient, was man als topmanager in der freien wirtschaft verdienen könnte – dummerweise muss man halt auch was aufm kasten haben, um topmanager zu werden –> die guten leute in der wirtschaft – die weniger guten in der politik…

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