Ich bleibe zu Hause

via weheartit

Ich merke immer häufiger, wie ich am Wochenende immer seltener den Drang verspüre, feiern zu gehen und mir die Nächte um die Ohren zu schlagen oder mich überhaupt, nach 20.00 Uhr, auf die Straße zu begeben. Die Arbeit hat mir meine Motivation geraubt – ich brauche diese zwei Tage für eine Atempause. Mir graut es schon bei dem Gedanken an den Kater, den ich am nächsten Tag mit mir rum tragen würde, durch den ich mich halb tot zum Gassi gehen schleppen und das halbe Wochenende in einem komatösen Zustand vergeuden würde – da scheint mir doch die Vorstellung „früh“ aufzustehen und den Tag irgendwie sinnvoll nutzen zu können viel erstrebenswerter.
 
Was erwartet mich schon da draußen? Eisige Temperaturen, grässliche Menschen, die mich beäugen, die quälende Aufgabe etwas Nettes zum Anziehen zu finden, überteuerte Getränke für die ich auch noch anstehen muss, Hintern, die sich an meinem Hintern vorbei quetschen, Drinks, die über mein mühsam zusammengestelltes Outfit vergossen werden und Typen, deren Anblick ich nicht ertrage – um nur einen Teil zu nennen.
Zu Hause hingegen ist es kuschlig warm, dem Fernseher und der Couch ist es völlig egal was ich trage, ich muss für nichts anstehen oder bezahlen und ich kann auf jede erdenkliche Art widerlich und ich selbst sein.
 
Doch es scheint, als wäre am-Wochenende-zu-Hause-bleiben kein Kavaliersdelikt. Bevor die Anklage unerlaubten zu Hause Bleibens fallen gelassen wird, muss man vor dem Tribunal seiner Freunde eine lange Liste unterschiedlichster Verteidigungen ausrollen und Fakten und Tatsachen aufdecken. Die gekonterten Einsprüche (ohne dich ist es aber langweilig) und Beleidigungen (du bist alt und langweilig) müssen standhaft ignoriert werden. Aber vor allem muss die eigene Angst überwunden werden. Die Angst tatsächlich alt und langweilig zu sein, doch etwas verpassen zu können oder beim nächsten Mal gar nicht erst gefragt zu werden. Hat man diese Barrikaden hinter sich gelassen, steht einem Abend, an dem man früh schlafen geht, oder noch schlimmer, ein Buch liest, nichts mehr entgegen.
 
Dennoch geht die Rechnung nicht ganz auf, denn während ich top fit, katerfrei und einsatzbereit in den nächsten Tag starte, liegen meine Freunde noch gequält, mit einem Glas Aspirin Plus C auf dem Nachttisch, im Bett und sind – wie ich am Abend zuvor – zu nichts zu gebrauchen.
von Steffi



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4 Antworten auf Ich bleibe zu Hause

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  2. Serra Skrbt sagt:

    haha. das kenne ich. sehr geiler text! gefällt mir richtig gut!

  3. Steffi, du sprichst mir aus dem Herzen. Danke. Eine gute Buchempfehlung zu dem Thema: Nina Paur:Wir haben keine Angst. Nur mal so am Rande..

    LG, http://vidanullvier.blogspot.com

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