Göttlich bitterböse: Gott bewahre von John Niven

© Heyne

Gott war angeln, seit der Renaissance. Als er nach einer Woche wieder kommt (ein Tag im Himmel entspricht siebenundfünfzig Erdenjahren), muss er mit Entsetzen feststellen, dass die Erde während seiner Abwesenheit den Bach runter gegangen ist.
„Sie benutzen den Regenwald als gottverdammtes Holzlager. In der Ozonschicht ist ein Loch – EIN VERFICKTES LOCH -, so groß wie mein Schwanz! Und die Ozeane … die wenigen Fische, die es darin noch gibt, haben sie auf eine Zwangsdiät aus Kloake, Rohöl und alten Kühlschränken gesetzt. [...] Und das ist nur der Öko-Kack. Moralisch, ich… ach Scheiße, hast du auch nur den leisesten Schimmer, wie tief diese Menschen in moralischer Hinsicht inzwischen gesunken sind?“ Dazu kommen noch die Hassprediger, die gegen Homosexuelle, Abtreibung, Schwarze und Emanzipation predigen, Aggression und Furcht schüren – und das auch noch in seinem Namen, nichts regt Gott mehr auf, als fanatische Katholiken. Alles nur, weil der egomanische Moses, Gottes einziges Gesetz SEID LIEB! in zehn irrsinnige Gesetze umwandeln musste.
Ihm blieb also nichts anderes übrig, als seinen dauerkiffenden und mit Hendrix Gitarre spielenden Sohn noch einmal auf die Erde zu schicken und die Sache wieder in Ordnung bringen zu lassen.
In New York angekommen, war es Jesus´ Plan, die Menschheit durch seine Musik zu retten, ihnen klar zu machen, welche Scheiße sie hier gerade bauen. So wie Bono, nur cooler. Doch auf Erden interessiert sich niemand für ihn und sein Gebot. Nur einer Schar Obdachloser, Gescheiterter, Alkohol- und Drogenabhängiger kann er helfen. Kurz bevor die Mission ,Rette die Menschheit‘ zu scheitern droht und es so aussieht, als müsste Gott einfach ganz von vorne anfangen, erhält Jesus ein Zeichen, aus dem sich ein irrer Roadtrip durch Amerika entwickelt.  
 
Schamlos, kritisch und entlarvend erzählt John Niven Jesus´ Leidensgeschichte, bei der man zwar sehr oft lachen muss, manchmal aber lieber niedergeschmettert, ob der egoistischen und boshaften Menschheit, eine Träne verdrücken möchte. Niven findet, trotz der teilweise derben Sprache und den zahlreichen komischen Elementen, immer wieder den Wendepunkt zum Nachdenklichen. Und am Ende sollte es auch dem Letzten klar sein: Wir brauchen keine Religion, um uns moralisch korrekt zu verhalten.
 
John Niven, bekannt geworden durch den Kult-Roman „Kill your Friends“, gelingt mit „Gott bewahre“ eine bitterböse aber tiefgründige Religions- und Gesellschaftskritik. Besonders das konservative und gottesfürchtige Amerika kommt dabei nicht gut weg. So überrascht es auch nicht, dass Nivens´ US-Verlag die Veröffentlichung ablehnte.
Eigentlich sollte „Gott bewahre“ sogar ein Film werden (Owen Wilson als Jesus, George Clooney als Gott und Danny de Vito als Teufel), doch Niven wurde bald klar, dass kein Filmstudio mehrere Millionen Dollar für einen solchen Film ausgeben würde, also wurde es ein Buch.
 
Ein furchtbar geniales Buch, das so viele Wahrheiten inne hat und so ehrlich ist, dass es statt der Bibel in Millionen Nachtschränken liegen sollte. Ein absolut lesenswertes Werk für die, die nichts von der Kirche, dem Papst und Gottesgeboten halten, aber daran glauben, dass die Welt so viel besser sein könne, wenn wir uns alle nur an ein Gesetz halten würden: SEID LIEB! von Steffi
 
John Niven: Gott bewahre
Aus dem Englischen von Stephan Glietsch und Jörn Ingwersen
Heyne Verlag, München 2011
400 Seiten, 19,99 Euro

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