My Blog is more fashionable than yours
Das Ding mit den Modeblogs

via weheartit

Manchen Menschen ist die Bedeutung und Existenz von Modeblogs zwar völlig unbekannt, aber ich kann euch sagen, es gibt sie – es gibt sogar viele – sehr viele. Tatsache ist, dass Modeblogger sich zu den neuen Trendjournalisten mausern. Sie sitzen bei der Fashion Week neben namenhaften Redakteuren und stilbewussten Promis in der ersten Reihe und twittern und bloggen was das Zeug hält und sind damit schneller als ihre professionellen Kollegen. Ohne Umschweife und redaktionelle Überarbeitung landen die Bilder der Models und Mode im Netz. Versehen mit der persönlichen und mehr oder weniger qualifizierten Meinung des Bloggers. Die Mode-Branche freut sich über diese schnelle und unkomplizierte Berichterstattung.
Doch wie in jeder Branche muss man auch hier die Spreu vom Weizen trennen. Während die einen sich um eine Review des Geschehenen bemühen, scheinen die anderen nur da gewesen zu sein, um Goodiebags abzugreifen und mit ihren verwackelten Schnappschüssen zu schreien: „Seht alle her, ich war bei der Fashion Week, ich habe es geschafft.“ Ohne Frage, der Weg von Outfit-Posts aus der Primark-Umkleidekabine hierher war weit. Doch die inhaltliche Relevanz zahlreicher Modeblogs ist fragwürdig. Wer gut recherchierte Geschichten sucht, findet diese auf einem Modeblog so wenig wie ein erschwingliches Teil auf den Laufstegen.
 
In der unendlichen Masse der Modeblogs haben nur die wenigsten tatsächlich etwas über Mode zu sagen. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass viele der Blogs wirken als seien sie mit Hilfe einer wie-betreibe-ich-einen-Modeblog-Anleitung erstellt worden, die sich ungefähr so lesen würde: „Poste (täglich) Fotos von dem was du trägst, was es zu Essen gab – oder Cupcakes, Fotos von dir in der Umkleidekabine, von deinem Haustier, deinem neuen Nagellack oder Lippenstift oder sonstigen Kram, den du dir gerade zugelegt hast. Verlose irgendwas. Wenn du nach zwei Wochen keine neuen Outfits mehr hast, poste wieder Cupcakes oder Einhörner oder verkünde, dass du jetzt erstmal weniger posten wirst, weil du viel Stress in der Schule, Uni oder Arbeit hast.“ Würden Header und die niedlichen schmollmundigen Mädchengesichter verpixelt werden – wer wüsste da noch, welches Zara-Kleid eigentlich zu wem gehört.
 
Aber wie gesagt, es geht ja eigentlich auch gar nicht um Mode, sondern maximal um´s Shoppen, aber viel mehr darum sich zu präsentieren. Einen Punkt, den ich wirklich nicht verstehen kann – wie kann man sich freiwillig(!) dieser grausamen Internetmeute präsentieren, die jede Gelegenheit nutzt rumzustänkern, besserzuwissen und zu kritisieren?
Der bekannteste Modeblog Deutschlands LesMads erntet für einen Post über Haute Couture und Laufstegtrends im Schnitt 10 Kommentare – für einen Outfitpost hingegen gerne auch mal das siebenfache. Und genau das scheint das Geheimrezept der Modeblogs zu sein – sie befriedigen unseren Voyeurismus. Nirgendwo, außer bei RTL, kann man besser über Menschen urteilen, die man gar nicht kennt, als in den Kommentaren tausender Modeblogs. von Steffi

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3 Kommentare zu My Blog is more fashionable than yours
Das Ding mit den Modeblogs

  1. So wahr. Das neue Fenster in die Welt ist die stereotype Bloggerszene, früher war das das TV aber da wird einfach schon zu viel gescripted. Mal sehen wer nach dem Überdruss die Blogs ablöst bzw was..

  2. Pingback: My Blog is more fashionable than yoursDas Ding mit den Modeblogs | Placedelamode

  3. Marisa sagt:

    Coole Aussage, danke für deinen Artikel :)

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