Das wird teuer, Lady! – John Asht droht Bloggerin wegen negativer Rezension

via weheartit

Es gibt nichts schlimmeres als ein richtig schlechtes Buch zu lesen, jede Seite wird zur Qual und wertvolle Stunden kostbarer Lebenszeit werden vergeudet. So undankbar das gegenüber dem Autoren auch sein mag, muss man dann manchmal das gebundene Stück Langeweile einfach zuklappen und in die hinterste Ecke des Regals stellen oder jemanden schenken, den man nicht mag. Wenn man es sich aber zur Aufgabe gemacht hat, über jedes gelesene Buch eine Rezension auf dem eigenen Blog zu stellen, muss man dann auch noch über das misslungene Werk ein paar Worte verlieren. So handhabte es auch die Bloggerin Myriel von Bücherzeit. Im November 2011 schrieb sie eine Rezension über das Buch Twin-Pryx. Zwillingsbrut von Josh Asht.
 
Zwei Chancen gab sie dem Buch, aber beide Male schaffte sie es nicht weiter als bis zur 90. Seite. Zu viele „Ungereimtheiten“ und eine „schwerfällige Sprache“ sind ihre Kritikpunkte. Kein positives Fazit, aber sachlich und ehrlich.
 
Der Autor des 900 Seiten starken Schinkens John Asht (9 treue Fans hat er übrigens bei Facebook) hat diese Kritik aber überhaupt nicht gefallen und so landete ein äußerst unsachlicher Kommentar unter ihrem Artikel:
 

Na ja, von einer 23-jährigen Fantasy-Leserin, die mit gehobener Literatur überhaupt nichts anfangen kann, erwarte ich auch nicht mehr als eine solch’ unqualifizierte Pseudo-Rezi.
Mädel, schreib’s dir hinter die Ohren: Phantastische Literatur ist nicht „Fantasy“.
Also, tu uns allen einen Gefallen und bleib bei deinen Zwergen und Elfen – für mehr reichts nicht!

 
Drei Stunden später schien ihn das Thema noch nicht losgelassen zu haben und er setzte noch einen oben drauf.
 

… außerdem werde ich „Myriel“ und „Bücherzeit“ von meinem Rechtsanwalt gerichtlich ahnden lassen – denn mir sieht diese Einrichtung sehr suspekt aus – etwa so, wie von gewissen Leuten bezahlt, um einem Autor zu vernichten. Das wird teuer, Lady!

 
Aber dem nicht genug, nur ein paar Stunden später pfeffert auch die Verlegerin Antje Roder einen Kommentar hinterher in dem sie der Rezensentin Wirtschaftskriminalität vorwirft und ebenfalls mit rechtlichen Folgen droht.
 

„[…] Aber es ist natürlich bequem, so schön anonym einen Verriss zu posten. Man muss ja dem vermeintlichen „Gegner“ dabei nicht in die Augen schauen. Nicht gerade mutig, aber eben einfach. Auf diese Weise kann man auch wunderschön sogenannte „Freundschaftsdienste“ erfüllen und sich zum Handlanger anderer machen. Allerdings besitzt jeder Verlag und auch jeder Autor die Handhabe, eine feindliche und destruktive Kampagne ahnden zu lassen, sodass dann vor der Staatsanwaltschaft auch der Deckname nichts mehr nützt. Die Person wird identifiziert und zur Rechenschaft gezogen.“

 
Und auch das war noch nicht alles, in seinem Blog wettert der passionierte Hutträger John Asht weiter – über das Internetzeitalter im allgemeinen und über verquere Verschwörungen von Rezensenten, Verlagen und Autoren, im speziellen.
 

„[…] So kommt es, dass heute so mancher, der irgendwann mal Lesen und Schreiben gelernt hat, sich auch einbildet, sein vergorenes Hirnschmalz unbedingt via Literaturkritik ins Netz stellen zu müssen – frei nach dem Motto: Wenn eh schon kein Verlag meine Geistesergüsse drucken will, dann haue ich eben deren Bücher hinterfotzig in die Pfanne. An dieser Stelle: Nix gegen Kritik – sogar die negativste Kritik kann konstruktiv sein – insofern sie fair ist und nicht irgendwelchen hinterhältigen Absichten entspringt.

 
Er sieht in Literatur-Bloggern eine „Rezensenten-Mafia für Arme“, die von Rachegelüsten getrieben sind und absichtlich geschäftsschädigend agieren. Seine Theorie sieht er darin bestätigt, dass innerhalb von 48 Stunden  „742 neue, gehässige Rezensionen“ seines Buchs erschienen sind, aber in dieser Zeit kein einziges Exemplar verkauft wurde. 
 

„Da wurde auf organisierte und abgesprochene Weise einfach nur der Klappentext im Internet begutachtet und bösartig auf die Tasten gehauen. Das ist kriminell, weil es eine „Absichtliche Geschäftsschädigung wider besseren Wissens“ ist.“

 
Ja, ja das sind mir immer die Liebsten, die sagen: „Ich hab ja nichts gegen Kritik, ABER…“ und es folgen wilde Verschwörungstheorien und Beleidigungen der Leser, der natürlich selbst Schuld ist, wenn er nicht gebildet genug ist, um höhere zeitgenössische Unterhaltungsliteratur verstehen zu können.
 
Es ist ja durchaus verständlich, dass John Asht bei einer negativen Kritik nicht laut juchzend durch die Straßen rennt, aber jemanden gleich mit rechtlichen Folgen zu drohen, ist absurd. Insbesondere mit dem Blick auf die wirklich zurückhaltende Kritik der Bloggerin.
 
Nun haben sich John Asht und seine Verlegerin mit dieser unprofessionellen Vorgehensweise selbst in die Ecke gestellt. Denn nicht immer ist jede Publicity gute Publicity. von Steffi
 
Danke an das kotzende Einhorn, der mich auf diese abgefahrene Geschichte aufmerksam machte.

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5 Kommentare zu Das wird teuer, Lady! – John Asht droht Bloggerin wegen negativer Rezension

  1. Pingback: Ein Blog, ein Buch, eine Rezension und die Kunst mit Kritik umgehen zu können | konsensor.de

  2. Evil Asht sagt:

    EVIL ASHT is gonna get you!
    http://is.gd/ximezi

    :-D

  3. Zum Thema erlaube ich mir, auf unsere Februarausgabe hinzuweisen. Die hat die Titelgeschichte „DIE REZIMAFIA“ und beschäftigt sich exakt mit diesem Fall. Das Schöne: der Download kostet nix. :-)

    http://www.fandomobserver.de/2012/02/fo272/

  4. Pingback: Was man als Autor eher nicht tun sollte … « Buchjunkie

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