Silvester, ich sag dir jetzt mal was

via weheartit

Ich werde diesen Artikel nicht mit den Worten „das Jahr neigt sich dem Ende“ und „der Countdown läuft“ oder „die Stunden sind gezählt“ beginnen. Nein, ich werde nicht in den Sack der Standard-Phrasen für Silvester betreffende Artikel greifen. Nein, ich werde diesen Artikel mit den einzig richtigen Worten beginnen, die dem Thema angemessen sind.
Der Artikel beginnt jetzt:
 
Silvester, du bist ein Arschloch. Immer das Gleiche mit dir, du treibst mich in den Wahnsinn. Nur weil du laut polternd vor der Tür stehst, machen wir uns alle verrückt und wollen dir zuliebe die größte Party des Jahres feiern. Dabei hast du das überhaupt nicht verdient. Erinnere ich mich an die letzten Jahre, hast du nicht viel mehr gebracht als ein Loch in meinem Portemonnaie und eine Katze in meinem Kopf. Und dafür erwartest du auch noch Originalität bei der Zelebrierung dieser Jahresabschlussfeier. Aber hast du schon mal daran gedacht, dass das gar nicht so einfach ist? Wer will für diese Endjahresorgie schon seine kostbare Wohnung zur Verfügung stellen? Andernorts wird uns zur Feier deiner Existenz, für den doppelten Preis und die dreifachen Menge an Feierwütigen (gerne auch anders herum), nur die gleiche schlechte Party wie an jedem anderen Wochenende geboten, aber es gibt ein Glas Sekt gratis – juhu.

Du willst, dass wir all unsere Freunde an einem Ort versammeln und dir huldigen. Aber das funktioniert nicht, jeder will dich auf eine andere Art und Weise feiern. Wegen dir werden Freundeskreise auseinander gerissen, aus Angst es könnte irgendwo eine bessere Party geben. Die Entschluss-Unfähigkeit ist nie größer, als wenn es um deinen Festtag geht. Die Strategie der meisten ist eine feste Zusage auf einen möglichst fernen Zeitpunkt zu verschieben. In dessen Folge andere ihre Zusage lieber auch verzögern, schließlich will man nicht allein auf einer schlechten Feier sein. Manch einer treibt dieses Spiel sogar soweit, nie eine Zusage für irgendwas zu geben und die Ankündigung zu machen von Party zu Party zu wandern. Verstehst du das Dilemma?
 
Du willst, dass es uns nicht reicht, gemütlich beisammen zu sein, wir sollen feiern wie die Bekloppten, uns betrinken, kleine Vermögen in den Himmel jagen, runter zählen, uns umarmen und „Frohes neues Jahr“ sagen, was ungefähr so bedeutungslos ist wie das Jahreshoroskop der BILD. Nervt es dich eigentlich nicht selbst, jedes Jahr die gleichen Bilder zu sehen?
 
Du lässt es zu, dass man Kindern und besoffenen Wahnsinnigen Sprengstoff in die Hände gibt. Bist du verrückt, wenn das ins Auge geht! Wenn wir diese sinnfreie Knallerei hinter uns gebracht haben, müssen wir feststellen, dass die Stimmung ihren Nullpunkt erreicht hat – das hast du nun davon. Und das Ding mit den Vorsätzen kann doch auch wirklich nicht dein Ernst sein, du kannst doch nicht wollen, dass wir uns gleich in den ersten Minuten des neuen Jahres anlügen und unsere Vorsätze brechen.
 
Nachdem das gesagt wurde, finde ich, du solltest das alles noch mal überdenken und dir bis nächstes Jahr was Neues überlegen, ansonsten guten Rutsch. von Steffi

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Ein Kommentar zu Silvester, ich sag dir jetzt mal was

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