Die geheimnisvollen Papierskulpturen von Edinburgh
Eine Liebeserklärung an Bücher, Wörter und Ideen

Alles begann mit einer mysteriösen Skulptur aus Papier im März 2011 in Edinburgh. In der Scottish Poetry Library hinterließ eine anonyme Personen den aus Papier geformten „poetree“, mit einer ebenso poetischen wie mysteriösen Botschaft adressiert an den Twitteraccount der Bibliothek:

It started with your name @byleaveswelive and became a tree.… … We know that a library is so much more than a building full of books… a book is so much more than pages full of words.… This is for you in support of libraries, books, words, ideas….. a gesture (poetic maybe?)
 

@Scottish Poetry Library

Neben dem „poetree“ lag ein aufgebrochenes, mit Gold ausgekleidetes Papierei in dem sich Papierschnipsel befanden die das Gedicht „A Trace of Wings“ von Edwin Morgan ergaben.

Auf den Schöpfer der fantastischen Skulptur und den Verfasser der Botschaft gab es keine Hinweise und niemand weiß wer es war oder gewesen sein könnte.


Im Juni tauchte dann eine weitere wunderbare Skulptur auf, diesmal in der National Library of Scotland. Dort fand die Rezeptionistin ein aus Papier kreiertes Grammaphon und einem davor liegenden Sarg, gestaltet aus dem Buch „Exit Music“ von Ian Rankin.

Die Botschaft auf einem kleinen Zettel war folgende:
For @natlibscot – A gift in support of libraries, books, words, ideas….. (& against their exit)

 

@National Library of Scotland

 

Kurze Zeit später wurde auch das Edinburgh Filmhouse mit einem solch zauberhaften Geschenk beglückt. Bei dieser Skulptur wurde ein Kinosaal imitiert bei dem das Publikum beobachtet wie Pferde und Menschen auf der Leinwand lebendig werden und aus ihr heraus brechen. Auch hier findet sich wieder ein Hinweis auf den Autoren Ian Rankin, eine der Figuren wurde mit seinem Gesicht beklebt. An dem Modell klebt ein Zitat von Francis Ford Coppola, “I think cinema, movies, and magic have always been closely associated” sowie die Nachricht: For @filmhouse – A gift in support of libraries, books, words, ideas….. and all things *magic*
 

@Edinburgh Filmhouse

Auch die nächste Skulptur, ein Drachennest, wurde aus einem Ian Rankin Roman gestaltet und im Scottish Storytelling Centre gefunden. Dort lautete die Botschaft:

For @scotstorycenter – A gift in support of libraries, books, works, ideas….. Once upon a time there was a book and in the book was a nest and in the nest was an egg and in the egg was a dragon and in the dragon was a story…
 

@Scottish Storytelling Centre

Ende August tauchten dann zwei weitere Skulpturen beim Edinburgh International Book Festival auf. Die eine trug die Nachricht:To @edbookfest ‘A gift’ This is for you in support of libraries, books, words, ideas…… & festivals xx

Auf dem kleinen Zettel am Teebeutel steht: “by leaves we live”. In der Tasse Tee steht in einem Schwung aus Wörtern: „Nothing beats a nice cup of tea (or coffee) and a really good BOOK”. Neben dem Cupcake steht: “except maybe a cake as well”.
 

@Edinburgh International Book Festival

Die andere Skulptur wurde aus dem Buch, „The Private Memoirs and Confessions of a Justified Sinner“ von James Hoggtrug geschnitzt. Welches von der Arbeit Ian Rankins beeinflusst wurde.
Die Nachricht hier lautete: 

To @edincityoflit ‘A gift’ LOST (albeit in a good book) This is for you in support of libraries, books, words, ideas…. “No infant has the power of deciding….. by what circumstances (they) shall be surrounded.. Robert Owen
 

@Edinburgh International Book Festival

Eine weitere Skulptur erschien einige Zeit später in der Central Lending Library und wurde dort in einem Regal hinterlassen. Diese hat die Form einer Lupe die den Text: „When I go in I want it bright, I want to catch whatever is there in full sight“ vergrößert.

Die Botschaft auf dem beigefügten Zettel lautete: For Central Library ‘A Gift’ @Edinburgh_CC This is for you in support of libraries, books, words, ideas…. LIBRARIES ARE EXPANSIVE

Bei dem Wort expensive, also teuer, wurde das zweite ,e‘ durchgestrichen und durch ein ,a‘ ersetzt wodurch es eine neue Bedeutung erhält, nämlich umfangreich/ ausdehnend.
 

@Central Lending Library

Die besten Geschichten enden dort wo sie angefangen haben und so auch diese traumhafte Reise. Der „poetree“ wurde an der Rezeption der Scottish Poetry Library aufgestellt, neben ihm ein Gästebuch in das am 23. November 2011 folgende Nachricht hinterlassen wurde:

“Hopefully next time I’ll be able to linger longer – I’ve left a little something for you near Women’s Anthologies X. In support of Libraries, Books, Words and Ideas….”

Ein kurzer Blick in die besagte Abteilung förderte ein weiteres Geschenk zu Tage. Eine Kappe aus Federn (natürlich aus Papier geschnitten), ein Paar Papierhandschuhe UND ein Brief:
 

Es ist wichtig eine Geschichte nicht zu lang werden zu lassen, sie nicht langweilig werden zu lassen, zu wissen wann die Geschichte zu Ende ist. Gute Geschichten enden oft dort, wo sie angefangen haben. Es war also Zeit, zur Poetry Library zurückzukehren. Der Ort an dem das erste von zehn Geschenken hinterlassen wurde. Zu denen zurück, die den kleinen Baum so sehr liebten, dass SIE ermutigt wurde weiter zu machen. [...]
Cheers Edinburgh It’s been fun!

X
 

@Scottish Poetry Library

@Scottish Poetry Library

Ein wunderbar ausgeklügeltes Ende für eine wunderbare Geschichte mit zauberhaften Meisterwerken. Doch der aufmerksame Leser stellt fest, in dem kleinen Brief ist von zehn Skulpturen die Rede, bisher wurden aber nur acht gefunden. Die Frage nach dem Verbleib der letzten beiden beantwortete sich aber kurze Zeit später.

Das National Museum of Scotland fand einen kleinen Tyrannosaurus Rex am Sockel eines Hirschskeletts. Heraus gearbeitet wurde der Dinosaurier natürlich aus Arthur Conan Doyles´ “The Lost World“.

Die Botschaft dieser Skulptur lautete: “For @NtlMuseumsScot A Gift Your friends at @edbookfest suggested you might like this. …. In support of libraries, books, words, ideas and those places that house our treasures……”
 

@National Museum of Scotland

Die letzte Skulptur, die eigentlich an achter Stelle gefunden werden sollte, wurde im Writers Museum auf der Spendenbox im Robert Louis Stevenson Raum gefunden. Die Skulptur zeigt eine Straßenszene und wurde aus dem Buch „Hide & Seek“ von Ian Rankins gestaltet.

Die Nachricht:@CuratorEMG A Gift “The stories are in the stones” Ian Rankin In support of Libraries, Books, Words, Ideas …… and Writers.”
 

@Writers Museum

Und damit scheint die Geschichte um die mysteriösen und märchenhaften Papierskulpturen ein Ende gefunden zu haben. Die geheimnisvolle Schöpferin der kleinen Meisterwerke ist bis heute unbekannt und will dies wohl auch bleiben. Mit ihrer Idee hat sie jedenfalls eine spannende Reise gestartet die einem Film entsprungen sein könnte. Für mich, die Geschichte des Jahres.
von Steffi

 
Noch mehr Bilder der Mysterious paper sculptures findet ihr bei Flickr.

Noch mehr tolle Sachen:

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten auf Die geheimnisvollen Papierskulpturen von Edinburgh
Eine Liebeserklärung an Bücher, Wörter und Ideen

  1. Pingback: Paper sculpture, paper tree, mystery gift,

  2. Pingback: Buchskulpturen von Brian Dettmer | Im Licht der Neonröhren

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>