Schwer verliebt & Co.:
Ich seh nur noch fette Trottel im Fernsehen

screenshot schwer verliebt

Dass Deutschlands TV Landschaft verkommt, ist nichts Neues, aber seit einigen Wochen scheint der traurige Höhepunkt erreicht zu sein. Neuester Trend: dicke, wenig schöne und sonderbare Menschen in einer Doku-Soap zu vereinen; genannt Kuppelshow. Getarnt unter so freundlichen Namen wie: Schwer verliebt, Bauer sucht Frau, Schwiegertochter gesucht oder Großstadtliebe. Diese Sendungen gleichen einem Kabinett der Kuriositäten bei dem der Fremdschämfaktor schwindelerregende Höhen erreicht. Die Kandidaten dieser schwergewichtigen Sendungen sind ziemlich traurige Figuren. Muttersöhnchen mit komischen Vorlieben, unerfahren in Liebesdingen und einfach irgendwie anders. Konzept und Durchführung sind überall gleich: Schwer vermittelbare Liebest(r)olle werden miteinander verkuppelt, dabei lädt der Suchende einen oder zwei mögliche Partner zu sich nach Hause ein, es folgen skurrile und bizarre Situationen bei denen erschreckend oft nackte Wabbel-Haut zu sehen ist.
 
Sat.1`s Trauerspiel Schwer verliebt kommt mit einer Wagenladung eigentümlicher Charaktere daher. Angefangen bei dem 47-jährigen Erik, mit dickem Bauch, wenigen Haaren und Schnappatmung über die „romantische Regalservicekraft“ Sarah, die leidenschaftlich gern Barbies sammelt, bis hin zu der beinahe vollbärtigen Mariam. Diese Karikaturen von richtigen Menschen latschen dann in Feinrippunterwäsche über den Bildschirm und tummeln sich in unvorteilhafter Bademode am Strand und im Schwimmbad. Mit Unterwasserkamera. Danke Sat.1. Diese Freakshow ist wie ein richtig übler Autounfall, eigentlich möchte man die Augen vor dem Elend verschließen, aber es ist doch zu faszinierend um weg zu sehen.
 
Die Schwer verliebt Kandidatin Sarah hat gegenüber der Rhein-Zeitung nun geäußert, dass viele der „Alltagssituationen“ gestellt und durch ein geheimes Drehbuch vorgegeben waren. Keine wirkliche Überraschung. Scripted Reality heißt das, was von manch Gutgläubigen für die Wahrheit gehalten wird. Jedem, der schon mal einen Happen dieser Fernsehkost runtergewürgt hat, müsste klar sein, dass die Realität so nicht aussieht. Das wirkliche Leben ist einfach zu langweilig für ein Millionen Publikum. Da muss nachgeholfen werden: Ob ein komplettes Drehbuch oder die spontanen Ideen der „Realisatoren“. Für das sensationsgeile Publikum spielt es keine Rolle, ob die Kandidaten durch ihre Verträge gezwungen sind, allen Anweisungen zu folgen oder aus freien Stücken handeln. Hauptsache es kann lachen, lästern, den Kopf schütteln und sich in dem wohligen Gefühl baden, im Gegensatz zu den ahnungslosen Deppen im Fernsehen selbst so normal zu sein. von Steffi

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Schwer verliebt & Co.:
Ich seh nur noch fette Trottel im Fernsehen

  1. Oh ja der riesige Fremdschämfaktor, ich frage mich wirklich wer sich solche Sendungen ansehen kann bzw. wer da auch noch mit macht. Das ist doch echt ein Trauerspiel, wenn sich dann vllt. wirklich zwei Menschen ist es ja schön, aber muss das denn auf diese Art und Weise passieren?

Schreibe einen Kommentar