200 Kaffeekränzchen in 200 Tagen in 200 fremden Wohnungen

via weheartit

Stephanie Quitterer klingelt und wird sofort freundlich nach oben gebeten, dabei kennt sie den Mann an der Gegensprechanlage überhaupt nicht. Aber Stephanie hat schon einmal bei Sebastian geklingelt und hatte es bloß schon wieder vergessen, denn Stephanie hat schon 1184 mal (Stand: 21. Oktober 2011) an fremden Türen geklingelt.
Quitterer hat sich das zur Aufgabe gemacht, was sich unter wohl erzogenen Menschen nicht gehört, sie klingelt bei fremden Menschen und lädt sich selbst zu Kaffee und Kuchen ein. Warum? Stephanie will eine Wette gewinnen: In 200 Tagen 200 Kaffeekränzchen in 200 fremden Wohnungen.
Am 1. Juli 2011 begann das Projekt und Stephanie klingelte unangemeldet und ungebeten an der ersten fremden Wohnung im Prenzlauer Berg, im Winsviertel in der Immanuelkirchstraße. Als Türöffner bringt sie Kaffee und selbst gebackene Leckereien mit, meistens Marmor- oder Käsekuchen.
 
In ihrem Blog Hausbesuchwins erzählt Stephanie Quitterer unter dem Pseudonym Rotkapi liebevoll und detailreich von den Erlebnissen während ihrer Kaffekränzchen, von unterschiedlichen Wohnungen und Menschen. Sie lernt Designer, einen Soldaten, Studenten, eine Kindergärtnerin, die Betreiberin eines Swinger-Clubs und viele andere völlig verschiedenen Menschen kennen. Während ihrer Besuche windet sich der Prenzlauer Berg als roter Faden durch die Gespräche aber es geht auch um Privates, Politik und die Welt.
 
Dass Stephanie soviel Zeit hat um an hunderten Wohnungen zu klingeln liegt an ihrer kleinen Tochter die vor neun Monaten geboren wurde, oder viel mehr an der Elternzeit die sie sich für die Kleine genommen hat. Schon vor acht Jahren hatte sie die Idee mit den Wohnungsbesuchen, die besonders aus ihrer unendlichen Neugier rührte. Außerdem wollte sie den aufgekommenen Gentrifizierungsthesen auf den Grund gehen. Die Frage, welche Leute wohl wie hinter welcher Tür wohnen, musste einfach geklärt werden. Die kurzen Porträts erfüllen die Sehnsucht vieler Neugieriger, zu wissen wer eigentlich hinter den vielen verschlossenen Türen um uns herum wohnt.
 
In 96 Wohnungen durfte sich Stephanie bisher selbst zu Kaffee und Kuchen einladen. Die Erste die freundlich die Tür öffnete und Einlass in die eigenen vier Wände gewährte, war Silvia, Mitte zwanzig, Architektin und aus Italien. Silvia erzählt ihr, dass sie erst vor vier Monaten für ein Praktikum nach Berlin gezogen ist. Wenn sie wieder aus der Wohnung ausziehen muss, dann will sie nach Kreuzberg oder Neukölln, dort sind die Leute weniger distanziert und freier.
Und so geht es weiter, Stephanie klingelt, wird abgelehnt, eingelassen oder gebeten ein anderes mal wieder zu kommen, so wie bei Sebastian und Lionel die über Design und Epson Drucker mit „Verfallsdatum“ sprechen.
 
104 Wohnungen wollen noch bis zum 25. Januar besucht werden. Dann ist die Wette gewonnen und das Rotkäppchen vom Prenzlauer Berg setzt die „ich wollte schon immer mal“-Wünsche mit allen Wettwütigen um, die sich auf ihren Blog dafür anmelden. von Steffi

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