Rezension: Die Verschwörung der Idioten – John Kennedy Toole

© Klett Cotta

John Kennedy Tooles Kult-Roman Ignaz oder die Verschwörung der Idioten erwacht durch eine neue Übersetzung des Schweizer Alex Capus zu neuem Leben. John Kennedy Toole hat während seines Militärdienstes in Puerto Rico an Die Verschwörung der Idioten gearbeitet. Jahrelang suchte er vergeblich nach einem Verleger. Aus Enttäuschung über die zahlreichen Ablehnungen nahm er sich 1969 das Leben. Nach seinem Tod machte es sich seine Mutter zur Aufgabe das Werk doch noch zur Veröffentlichung zu bringen. 1980 veröffentlichte schließlich ein kleiner Universitätsverlag das Manuskript. Postum erhielt Toole für seinen Roman den Pulitzer-Preis.
 
 
 
Der Anti-Held des Buches Ignatius J. Reilly ist ein 30-jähriges, fettes und überhebliches Muttersöhnchen, dass zu faul für jegliche Art von Arbeit ist, das am liebsten motzend und sich voll stopfend vor dem Fernseher liegt und sich für einen Kinobesuch mit drei Tüten Popcorn und zwei Milky-Ways wappnet. Das bedeutendste Thema für Ignatius ist sein Magenventil, dass sich bei Stress oder Anstrengung verschließt.
Nach seinem Studium hat es Ignatius zu nichts weiter gebracht als zu einer wirren Sammlung politischer und philosophischer Schriften. Doch nach einem Unfall seiner Mutter ist er gezwungen zum ersten Mal in seinem Leben einen Job anzunehmen. So landet er bei der heruntergekommenen Firma Hosen-Levy bei der er insbesondere seine Fähigkeit unter Beweis stellt stundenlang zu „arbeiten“ ohne tatsächlich etwas sinnvolles zu schaffen, außer für jeden Mitarbeiter dekorative Namensschilder zu basteln. Nachdem er die Fabrikarbeiter zu einer fehlgeschlagenen Revolte anstachelt wird er entlassen. Doch hier ist diese irre Odyssee durch das Berufsleben noch nicht beendet.
 
Die Verschwörung der Idioten wartet mit herrlich verschrobenen Charakteren auf, bei denen Ignatius nur die Spitze der Absurditäten darstellt, die uralte und verwirrte Miss Trixie und der unfähige Polizist Mancuso zum Beispiel sind nicht weniger eigentümlich. Durch die Ansichten und Handlungen der Charaktere erschafft Toole ein skurriles und ironisches Abbild Amerikas.
Die einzelnen Handlungstränge sind eher szenenartig aneinander gefügt und finden nur teilweise wieder zusammen. Diese Geschichten in der Geschichte sind aber nicht weniger grotesk als Ignatius Erlebnisse. Dessen kuriose Episoden sind immer wieder gespickt mit Briefen und Aufzeichnungen aus seinem Werk „Tagebuch eines Jungproletariers oder mein Kampf gegen die Faulheit.“, die einen tiefen Einblick in das wirre Weltbild Ignatius` geben.
 
Das Werk lebt von seinen amüsanten Dialogen, gelungenen Vergleichen, Metaphern, Wortspielen und sehr bildhafter Szenenbeschreibungen.
 

„Ignatius schlug sein Tagebuch eines Jungproletariers auf der ersten unbeschriebenen Seite auf, zog mit großer Geste seinen Hosen-Levy-Kugelschreiber hervor und drückte auf den Taster am oberen Ende. Die Mine zeigte sich jedoch nur kurz und verschwand gleich wieder im Dunkel der Plastikhülse. Ignatius drückte kräftiger, aber wiederum verweigerte die Mine den Dienst. Wutentbrannt zerbrach er den Kugelschreiber an der Schreibtischkante und hob einen seiner Venus-Medalist-Bleistifte auf, die in großer Zahl auf dem Boden herumlagen. Vergeblich versuchte er seine Konzentration zu steigern, indem er mit dem Bleistift in seinem Ohrenschmalz bohrte; er konnte nicht anders, als den Geräuschen zu lauschen, die seine Mutter in der Vorbereitung auf ihre abendliche Bowlingpartie verursachte. Das Stakkato ihrer Schritte im Badezimmer deutete darauf hin, dass sie mehrere Phasen ihrer Toilette gleichzeitig ausführte.“

 
Das im Klappentext versprochene „wiehernde Gelächter“ blieb bei mir leider aus, aber für ein Schmunzel hat es allemal gereicht. Meine häufigste Geste beim lesen war aber wohl Kopfschütteln, über Ignatius` unverschämt unhöfliche und nervige Art. Man muss ihn einfach hassen dann kann man ihn lieben und über ihn lachen.
 
Die Verschwörung der Idioten ist sicher kein Buch für jedermann, man muss sich auf die Charaktere sowie den Schreibstil und den Humor des Autorens einlassen, nur dann kann man verstehen, dass dieses Werk in den USA zu einem Kult-Roman geworden ist und lachend Seite um Seite genießen. von Steffi
 
John Kennedy Toole: Die Verschwörung der Idioten. Roman.
Übersetzt aus dem Amerikanischen von Alex Capus.
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2011.
462 Seiten, 22,95 EUR.
ISBN-13: 9783608939002

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