Misterhonk alias Martin Melcher im Interview

via misterhonk

Martin Melcher kommt aus Thüringen und betreibt den erfolgreichen Blog Misterhonk, der zu den beliebtesten der deutschen Bloggerlandschaft gehört. Er bloggt über Bier, Mucke und Nerdkram und reichert jeden Post mit etwas Herzblut an. Im Interview spricht er über seine Liebe zu Nerdkram, die Bloggerdepression und darüber das Erfolg beim Bloggen nicht das Wichtigste ist. von Steffi
 

Misterhonk alias Martin Melcher

Hallo Martin, du bist jetzt schon seit sechs Jahren im Blog-Geschäft, kannst du dich noch an deinen ersten Post erinnern (ohne Schummeln)? Welche Erwartungen hattest du damals ans bloggen?

Hallo, ja kann ich in der Tat, und wie bei so vielen ersten Blogs ist der heute nicht mehr der Rede wert – lacht. Erwartungen hatte ich seinerzeit wirklich keine, da ich WordPress als Blogplattform einfach mal ausprobieren wollte als ich mit meiner damaligen, selbst programmierten, Seite nicht mehr zufrieden war und die ganze Sache damals noch recht frisch in Deutschland war.
 
Wie bist du zum Bloggen gekommen, eigentlich magst du „die Dinger ja nicht“ (siehe erster Post)?

Ach heute mag ich sie doch sehr – lacht. Zum Bloggen, so wie ich es heute betreibe, bin ich eigentlich vor ca. zwei Jahren durch René und seinen Blog nerdcore.de gekommen. Sein täglicher Output hatte mich dazu inspiriert meinen Blog, den ich bis dahin eher unregelmäßig mit Inhalten aller Art befüllte, neu zu beleben und nach seinem Stil selber zu veröffentlichen.
 
Wie viel Zeit nimmst du dir täglich zum Bloggen?

Das ist ganz unterschiedlich. In der Regel habe ich eigentlich immer meinen Feedreader offen wenn ich am Rechner sitze und halte Ausschau noch interessanten Sachen über die ich bloggen könnte. Meist sitze ich dann abends in Ruhe bei einem Bierchen und schaue und lese mir alles im Detail durch über das ich dann schreibe. So fünf bis acht Stunden kommen da täglich schon zusammen.
 
Wie würdest du deinen Blog selbst beschreiben?

Als der nettere Nerdcore – lacht (mein Tonfall ist glaube ich wirklich deutlich weniger aggressiv bei bestimmten Themen und auch Trolle findet man bei mir nicht wirklich).
 
Dein Blog ist auf Platz 24 der deutschen Wikio Blogcharts und auf Platz 9 in der Kategorie Kultur. Entsteht da ein gewisser Erfolgsdruck?

Nö überhaupt nicht. Ich freu mich, dass das wohl irgendwie interessant ist was ich da veranstalte, letzten Endes sind solche Charts aber nur für die Leute interessant die über meinen Blog Werbung machen wollen, was ich in gewissem Umfang ja zulasse.

Viel mehr freue ich mich allerdings darüber wenn sich sonst eher stille Leser in den Kommentaren zu Wort melden oder mir via Mail interessante Dinge zukommen lassen. Das ist tausend mal toller als eine Chartnummer.
 
Was denkst du ist dein Erfolgsgeheimnis oder bringt die Zeit einfach den Erfolg?

Ich glaube man kann Bloggen nicht mit einem gewissen Erfolg verbinden. Man schreibt einfach über die Dinge die einen bewegen oder interessieren und das auf ehrliche Weise mit allen Fehlern und Missverständnissen. Erfolg ist ja immer etwas das von außerhalb durch Andere interpretiert wird. Klaro kann man auch mit der festen Vorgabe rangehen, soviel wie möglich innerhalb einer bestimmten Kategorie zu bloggen und dabei versuchen stets die großen Blogs zu verlinken um deren Aufmerksamkeit zu bekommen, aber das hat für mich nichts mit Bloggen zu tun. Das sollte von Herzen kommen, weil es Spaß macht und nicht um nach sechs Monaten in irgendwelchen Charts aufzutauchen.
 
Hast du dir schonmal gedacht: „Ab morgen poste ich einfach nichts mehr.“?

Häufiger. An diesem Punkt ist glaube ich jeder irgendwann einmal. Ein gut geführter Blog bedeutet einfach viel Arbeit, was wiederum bedeutet, dass man auf gewisse Dinge im Leben verzichtet. Meist kommt dieses Gefühl auf wenn man meint alles wiederhole sich nur noch. Bei mir war es einmal so, dass ich einfach die Lust am Bloggen verloren hatte, das Interesse an den Dingen an sich, ich fand alles langweilig, nichts konnte mich mehr so richtig begeistern. So eine Art Bloggerdepression, ein Gefühl das mich wirklich fertig gemacht hat. Darum hatte ich mal für einige Wochen ausgesetzt und mich auf andere Dinge konzentriert und das Netz lange Zeit gemieden. Ich war einfach übersättigt. Glücklichweise hat sich das wieder gebessert und heute gerade in diesem Moment kann ich es mir nicht vorstellen mit dem Bloggen aufzuhören.
 
Täglich sprießen neue Blogs aus der Internetlandschaft. Denkst du die Blogosphäre ist schon total überflutet und wie können neue Blogs unter tausenden überhaupt überleben?

Der einzige Teil der Blogosphäre den ich für überflutet halte ist die Tumblr-Community. Eine riesige Datenbank von beliebigen Inhalten, die es unmöglich macht eine Quelle zu identifizieren. Was mich persönlich ziemlich nervt. Grundsätzlich begrüße ich allerdings jeden neuen Blog egal ob es nun ein Bastel- oder Politikblog ist. Der- oder diejenige möchte der Welt etwas sagen oder zeigen. Darauf kommt es an. Sich daran zu beteiligen die Welt zu gestalten. Insofern stellt sich für mich auch nicht die Frage nach dem Überleben. Die Blogosphäre ist ein Kollektiv. Ein lebendiger Organismus, der sich fortwährend entwickelt. Nicht der Einzelne ist entscheidend, sondern alle zusammen.
 
Wie sieht deiner Meinung nach die Zukunft der sozialen Medien aus?

Ich denke aus dem sozialen Netz wird eine semantische Gesellschaft hervorgehen in der Information in heute noch unvorstellbarer Art miteinander verknüpft sein wird. Das Netz könnte ein eigenes Bewusstsein erhalten. Wie das genau aussehen wird kann ich allerdings noch nicht beschreiben, die Technik dafür wird ja gerade noch entwickelt.

 
Dein Blogname enthält das Wort Honk, Wikipedias Wiktionary „übersetzt“ das mit: „ein Mensch, der sich nicht besonders klug anstellt“. Ist das so bei dir oder steckt ein tieferer Sinn hinter dem Namen?

Ne das ist hoffentlich nicht so. Aber es ist insofern ganz interessant, da das Wort „Honk“, zumindest nach Wictionary, erst im Jahr 2007 aufgetaucht ist, vielleicht noch ein zwei Jahre eher, was ja mehr als zwei Jahre nach meinem offiziellen Blogstart war.

Das müsste man einmal erforschen wie und vor allem wann sich dieses Wort im deutschsprachigen genau entwickelt hat.

Die Domain misterhonk habe ich jedenfalls schon seit über 10 Jahren und war früher ganz einfach mein Spitzname in der Schule. Wie dieser entstanden ist kann ich heute aber nicht mehr sagen. Ich finde es nur schade dass das Wort „Honk“ heute so negativ belastet ist. Ich werde aber mein Bestes geben, dass das in Zukunft nicht mehr der Fall ist und man bei Honk an etwas Tolles denkt.
 
Dein Blog verrät, du stehst auf Bier, Mucke und Nerdkram. Wenn du dich für Eines entscheiden müsstest, was würdest du wählen?

Auch wenn es schwer fällt das zu sagen, aber auf Bier kann man irgendwie verzichten und auf Musik auch. Aber der Nerdkram hat es mir doch sehr angetan. Ich liebe es mich stundenlang über technische, wissenschaftliche Themen zu unterhalten und selbst immer tiefer in eine Materie einzudringen. Bei einem Bierchen und etwas Musik, macht das natürlich noch mehr Spaß, aber es funktioniert auch so.
 
Du kommst aus Thüringen, eine Glücksstudie hat ergeben, dass die Thüringer die unglücklichsten Deutschen sind. Wie steht`s um dein Befinden und was sollten die Thüringer machen um glücklicher zu werden?

Ja ich kenne diese subversive „Studie“. Die wurde, wie ich gelesen habe, von der Regierung in Auftrag gegeben um in den „wichtigen“ Bundesländern zu induzieren dass man mit der derzeitigen Politik ganz gut fährt. Insofern gebe ich da nicht soviel auf diese Aussage. Ich selbst bin ganz glücklich mit meinem Leben und auch in Thüringen sehe ich viele glückliche Menschen.
 
Kurz vor Schluss noch ein paar kurze Fragen:

Was denkst du, machst du in 50 Jahren?

Hoffentlich werde ich Zeuge der Singularität.
 
Lieblingssuperheld und welche Superkraft hättest du selbst gern?

Dr. Manhattan aus Watchmen. Die Kraft von Hiro Nakamura aus der Serie Heroes, der Raum und Zeit manipulieren konnte.
 
Ohne was kannst du nicht leben?

Meinen Verstand. Ich glaube wenn ich nicht mehr Herr meiner Sinne oder meines Verstandes wäre könnte ich nicht mehr leben.
 
Was wolltest du werden als du klein warst?

„Wissenschaftler“: Philosoph. Astronaut. Affenforscher. Archäologe. So Einiges *lach*
 
Was machst du im „Real-Life“?

Ich arbeite als Mediengestalter in einer kleinen Agentur mit ein paar Freunden zusammen. Ansonsten trinke ich gerne Bier, liebe es im Sommer auf Festivals zu gehen und schau‘ mir sonst unglaublich gerne Serien und Filme aller Couleur an.
 
Irgendwelche letzten Worte?

Nächstes mal mach ich‘s kürzer.
 
Wer noch mehr über Mistermonk erfahren möchte, sollte noch das Bierterview vom Kotzenden Einhorn lesen und natürlich seinen Blog verfolgen.

Noch mehr tolle Sachen:

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Eine Antwort auf Misterhonk alias Martin Melcher im Interview

  1. Engelbert Humperdinck sagt:

    Tolles Interview. Gut gefragt – interessant geantwortet!

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