Ein Papstbesuch, zwei Meinungen

Um das Thema Papst kommt man zur Zeit nicht herum und da sein Besuch in Erfurt nun unmittelbar bevor steht, müssen wir auch noch das ein oder andere Wort zu dem Thema verlieren und so ist es wieder Zeit für Ein Thema, zwei Meinungen
 

via nea.antifa

Ein Staatsakt wird zum Volksakt
 
Der Papst kommt. Gut. Der Papst kommt nach Erfurt. Auch gut. Ich möchte bitte nicht falsch verstanden werden, aber das heilige Tohuwabohu, welches für den geistlichen Gast aus dem sonnigen Vatikan veranstaltet wird, lässt mich ein wenig an den wichtigsten Kodizes der Bibel zweifeln. Besagen die Schriften nicht unter anderem, dass es egal ist, wo man zu Gott betet, denn Gott ist überall?! Und sprechen nicht etliche Testamente von Genügsamkeit, von einem christlichen Leben, dass auch mit wenig Besitz und ohne Reichtümer ein glückliches sein kann, wenn man nur fest genug an Gott und seine Lehren glaubt?! Mal von der Nächstenliebe ganz abgesehen…
Was ich damit sagen will ist, dass es mich wundert, wie Unmengen an finanziellen Mitteln des einfachen Steuerzahlers (Kirchensteuer) aufgebracht werden, um das Oberhaupt der katholischen Kirche und seinen gottgläubigen Jüngern auf das höchstmögliche Maß in „Watte zu packen“. Da werden extra neue Straßen gebaut, obwohl Länder, Städte und Gemeinden sonst nicht einmal für die Ausbesserung der alten Fahrwege Geld haben. Da  wird eigens für den Staatsbesuch Kleidung für die unzähligen Helfer kreiert, obwohl die Kinderarmut in Deutschland (Caritas) stetig steigend ist und diese einen warmen Pullover wohl wirklich dringender benötigen würden. Ich weiß, dass angeblich der Großteil der anfallenden Kosten (allein in Erfurt belaufen sich die Kosten auf locker-fluffige elf Millionen Euro) von den jeweiligen Bistümer getragen werden sollen, glauben kann ich das allerdings nur bedingt. Viel zu groß ist doch der angepriesene Image-Gewinn für Deutschland und schließlich beweist unsere Bundesregierung zur Zeit fast tagtäglich, dass sie schon für ganz andere Dinge bereit ist unseren hart verdienten Lohn auszugeben und die Steuerschraube einmal mehr zu Lasten von uns anzuziehen…
 
Ich könnte alleine den finanziellen Aspekt jetzt ins Unendliche weiterführen und zum Beispiel von exorbitanten Werbemaßnahmen oder zig Übungseinheiten und endlosen Schutzauflagen sprechen, aber es gibt neben den kommerziellen Unannehmlichkeiten noch weitaus mehr Gründe für mich, dem Papstbesuch distanziert gegenüber zu stehen: Da werden ganze Autobahnen und wichtige Bundesstraßen gesperrt, Anwohner, die in direkter Nähe zu den Veranstaltungsorten ansässig sind, dürfen ihre Fenster nicht öffnen, geschweige denn vor die Tür gehen.
Öffentliche Einrichtungen, wie Kindergärten und Geschäfte müssen geschlossen bleiben und das alles im Namen der Sicherheit. Im Falle der Kindereinrichtungen erscheint mir dieses Prozedere besonders unwirklich, wenn man bedenkt, dass sich es sich hierbei um KITAs handelt, die vom eigentlichen Veranstaltungsort gut 20 Kilometer entfernt liegen…
Ich fühle mich (auch wenn das vielleicht ein wenig übertrieben klingen mag) in meinen persönlichen Rechten eingeschränkt, wenn ich zum Beispiel wegen unzähliger Straßensperrungen für meinen Weg zur Arbeit ca. 30 Minuten länger brauche werde, wenn ich denn überhaupt ankomme… Wie muss sich dann erst eine berufstätige Mutter fühlen, die nur wegen dem Papst einen Tag Zwangsurlaub nehmen muss, weil ihr Kind nicht in den Kindergarten gehen kann?!
 
Ich kann diesen Besuch aufgrund seiner unglaublichen Ausmaße nur bedingt gut heißen.
Natürlich freue ich mich für alle Pilger, die mit einem solchen Besuch ihrem Glauben etwas schier Greifbares verleihen können, allerdings sollte man nicht die Menschen aus den Augen verlieren, die diese Veranstaltungen in ihrer ganzen Tragweite erdulden müssen – ob sie es nun wollten oder nicht! von Cathleen

 

Der Papst geht auf Tour und keiner will ihn sehen!?
 

via weheartit

Bisher ist es mir noch völlig unklar wer eigentlich die tausend Leute sein sollen, die den alten Oberhirten unbedingt sehen wollen, denn bisher hab ich noch kein gutes Wort über den Papstbesuch gehört, genau genommen sind alle nur am meckern.
Einen Tag vor dem Papstbesuch in Berlin ist Eure Heiligkeit endlich in den Twitter Trends angekommen. Aber bei dem was es da zu lesen gibt, würde dem Papst wohl die Hostie im Halse stecken bleiben:

„10.000 Polizisten müssen Menschen vor dem Papst schützen. Gefahr von Kreuzzügen und Hexenverbrennung ist unmittelbar.“; „Ach ja, der Papst wird in Berlin empfangen von einem geschiedenen Katholiken, einer Protestantin und einem schwulen Bürgermeister.“; „Zollitsch verlangt Respekt für den #Papst. Respekt ?! WARUM ? Der respektiert doch viele andere auch nicht“; „Nicht der Boykott der Papstrede im Bundestag ist schäbig, liebe cdu, sondern der Papst.“
 
Die einen wettern über seine undemokratische, menschenrechtsverletzende Politik (und haben damit sicher auch recht) die anderen, die eigentlich nicht wissen was genau sie gegen den Papst haben, regen sich über die horrenden Kosten und übertriebenen Einschränkungen auf. Er hat es auch nicht leicht, der Joseph, trifft er doch in Thüringen auf Gottlose, denn hier sind nur ein Drittel überhaupt christlich und davon auch noch drei Viertel evangelisch.
Aber das scheint in Erfurt eigentlich auch egal zu sein, denn hier kümmert sich jeder nur darum wo er parken kann, ob Fenster offen oder geschlossen sein müssen und wie man von A nach B kommt. Und natürlich Pöbels liebster Motz-Grund: das gute Geld.
„Allein der geplante Gottesdienst im Berliner Olympiastadtion soll das Erzbistum 3,5 Millionen Euro kosten – rechnerisch sind das etwa  zehn Euro pro Hauptstadt-Katholik. In Thüringen wird es noch teurer – etwa elf Millionen Euro hat das Bistum Erfurt veranschlagt.“, so die Süddeutsche.
 
Und genau da liegt auch der Punkt, bei dem sich das gefährliche Halbwissen zu einer Schlinge dreht: Es ist das Geld des Bistums, also derer die sich über den Besuch von Gottes Sprachrohr tatsächlich freuen und immer fleißig ihr Kleingeld in die Kollekte geschmissen haben. Und „nur“ die Kosten der Sicherheit trägt das Land.
Sicherlich sind sämtliche Einschränkungen, Sperrungen und Vorschriften nervig aber wenn in Nachbars Wohnung plötzlich eine Bombe hochginge, sehe ich jetzt schon die meckernde Meute vor mir.

Ich bin auch kein Freund des heiligen Hirten, der Kirche und allem was dazu gehört und auch wenn ich mich sonst immer gern über alles und jeden aufrege kann ich beim Papstbesuch ganz ruhig bleiben, vielleicht weil sich alle anderen schon genug echauffieren.
 
Aber eine Frage bleibt zum Schluss: Wenn die einen online wettern, die anderen auf die Straßen gehen und alle Fans vor Ort sind, wer soll denn dann die ganzen Berichte und Artikel von den 4.000 akkreditierten Journalisten sehen und lesen? von Steffi

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