Nacktbadestrand: Manche Dinge sind wie ein Unfall…

via ullsteinbuchverlag

SOOO genau wollte ich es gar nicht wissen!?

 

Es gibt Literatur, die man sich zulegt, weil man entweder am Thema interessiert ist, das Cover optisch ansprechend findet (so suche ich übrigens meine Bücher in erster Linie aus), den Klappentext spannend findet oder eben, weil man es empfohlen bekommen hat.
Eben dieser letzte Fall ist bei mir mit dem literarischen Erguss „Nacktbaden“ eingetreten. Obwohl das Wort Empfehlung in diesem Zusammenhang auch etwas am Thema vorbei geht… Es war eher ein aus der Neugier heraus geborener Impuls, der sich mit den einhergehenden Erzählungen meiner Bekannten mischte.
Kurzum: einen Tag später hielt ich dieses magentafarbene Erstlingswerk von Elfriede Vavrik in der Hand und ab diesem Zeitpunkt hatte ich 188 Seiten Zeit mich mal ordentlich fremd zu schämen. Die optische Ähnlichkeit mit Roches „Feuchtgebiete“ sei hierbei unumstritten, auch wenn die 80-jährige Autorin selbst davon eher weniger hält und sich davon differenzieren möchte. Es mag an derselben Schonungslosigkeit liegen, die beide Bücher miteinander vereint, auch wenn das Alter der jeweiligen Protagonisten stark auseinander klafft. Es ist auch die abgestumpfte Thematisierung von Sex und die Selbstzurschaustellung des eigenen verkappten Ichs! Man möchte bei beiden Werken fast zur Erkenntnis kommen, dass es sich hierbei um Persönlichkeiten mit minderem Selbstwertgefühl handelt, die der Meinung sind, mit aggressivster Belletristik um Aufmerksamkeit winseln zu müssen. Schon nach „Feuchtgebiet“ stand ich völlig verdutzt da und fragte mich ernsthaft, ob man die Welt glauben lassen sollte, dass jedes Mädchen in dieses Art und Weise ihre Sexualität entdeckt und entfaltet. Denn so beschreibt es Roche ja: als völlig alltäglich; es ist völlig normal, dass pubertierende Mädchen ihr Menstruationsblut an Fahrstuhlwände schmiert… Ist es übrigens nicht! Und das hat nichts mit Prüderie zu tun!
So ähnlich verhält es sich für mich mit „Nacktbadestrand“. Innerhalb von fünf Stunden, war ich damit (auch im übertragenden Sinn) durch. Das lag nur bedingt daran, dass dieses Buch einen unglaublich fesselnden Charakter hat, sondern viel mehr, an dem außerordentlich einfach gehaltenen Schreibstil. Ich hatte keine Schöngeistigkeit erwartet, aber vielleicht ein bisschen mehr Fantasie im Umgang mit dieser Thematik und deren schonungsloser Offenbarung.
Es ist aber leider nur eine detailgetreue, stupide Abhandlung von Sexualpraktiken einer Frau geworden, die unser aller Oma bzw. Uroma sein könnte.
Der Leser hangelt sich ohne jeden Witz, ohne jeden Ideenreichtum und ohne Handlungsstrang von Schäferstündchen zu Schäferstündchen einer Rentnerin, die mit wenig Taktgefühl von gewöhnlichen Schaufelstielen (und deren ambivalenten Einsatzfunktionen) berichtet und am Weihnachtsabend einen Häftling empfängt, den sie nur über eine Kontaktanzeige kennt.
Grundsätzlich stehe ich der Thematisierung von Sex in all seine Facetten sehr offen gegenüber, so lange es eine gewisse Klasse und Eleganz in sich trägt. In diesem Fall allerdings ist es nicht
die charmant erzählte Geschichte, die mitreißt, sondern die bloße Neugier und der angeborene Voyeurismus, der den Empfänger Seite um Seite weiter lesen lässt – auch wenn die ältere Dame an sich äußerst entzückend wirkt...von Cathleen

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Rezensionen abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar