Altbewährte Foltermethode seit 1956: TV-Werbung

Schöne Natur, freie Tiere, leckre Bionade

Schon die Tatsache allein, dass ein Film alle gefühlte fünf Minuten von ca. 20 Minuten Werbung unterbrochen wird, macht Reklame zum Hass-Objekt aller Zuschauer. Aber es gibt etliche TV-Spots, die einen wirklich aggressiv machen. Haben wir vor einigen Jahren noch entnervt aufgestöhnt, wenn wieder mal ein computergenerierter Hase uns die neuesten Klingeltöne verkaufen wollte, sind die Werbefuzzies nun darauf erpicht uns mit allen möglichen Mitteln zu quälen und ihre Produkt möglichst verkaufsfördernd darzustellen.
 
Wichtig ist dabei, einige Regeln zu beachten:
 
Die Person im TV muss uns ganz spontan und selbst überrascht von der Kamera (aber mit Mikrofon am Hemdkragen) ein Produkt ans Herz legen können
Eine nervige Stimme oder ein Dialekt erhöhen das Nervpotential um ein Vielfaches!
Der Name des Produkts muss möglichst oft wiederholt werden
Eine scheußliche Melodie, die sich ins Hirn der Zuschauer einbrennt
 

Ja, sowas ist ganz natürlich, wenn mich ein Filmteam in ein Studio zerrt, mich dann an einen Tisch setzt und mir ein buntgefärbtes „Erfrischungsgetränk“ vor die Nase stellt. Da hab ich doch direkt Lust mir was darüber aus den Fingern zu saugen. Aus diesem Grund geht man doch immer mit den besten Klamotten und kameratauglich gestylt auf die Straße. Nicht auszudenken, wie diese realistischen Werbespots aussehen würden, wenn die Menschen früh am Morgen nur mit Bademantel die Post holen würden. Werbung mit verschlafenen Gesichtern kommt nicht so gut, obwohl…vielleicht für ein Schlafmittel?
Mir stellt sich auch die Frage, wie viel die Möchtegern-Schauspieler für ihren Auftritt bekommen? Ein Typ der nur unverständliches Deutsch vor sich hin brabbelt oder eine junge Frau, die mit ihrer naiven Weltanschauung wohl auf dem Stand einer 12-Jährigen seit Jahren gastiert und uns was von „schöner Natur“ und „freien Tieren“ erzählt. Das schürt echt meine Abneigung gegen das angepriesene Getränk und gerade aus diesem Grund würde ich das Bio-Gesöff nie finanziell unterstützen. Die Werbebotschaft wurde also komplett verfehlt.
 
„Carglass repariert, Carglass tauscht aus!“ ich wette dieser Werbespot hat sich bereits in viele Gehirne eingebrannt. So dass ganz nach dem pawlowschen Reflex der Verstand nach dem ersten Steinschlag in der Scheibe meldet: „Schnell in die Werkstatt, die machen das doch sofort wieder heile!“. Ich bitte euch, so gewinnt man doch keine Kunden. Übrigens werden nicht nur die deutschen Zuschauer mit dieser Werbung gequält, auch in Frankreich, Großbritannien und anderen Ländern wird die Gehirnwäsche ausgestrahlt.
Es muss doch nicht immer alles so unglaublich gestellt sein. Es muss auch niemand singen, reimen oder mit kleinen Hoppelhäschen auf dem Bett liegen. Ich entscheide nur sekundär durch die Werbung welche Produkte ich kaufe. Glaube ich zumindest, vielleicht ist das auch alles so eine unterschwellige Botschaften-Sache, die mich nur denken lässt, ich bin nicht beeinflußbar. Apropos, ein paar vegetarische Joghurt-Gums wären jetzt nicht schlecht…
 
Laut einer kleinen Umfrage im Freundeskreis ist das sprechende T-Shirt vom Billig-Laden KiK ganz oben auf der Skala der nervigsten TV-Spots. Und zur Nervtröte in rot gesellt sich das Quietsche-Entchen…Verzeihung, ich meine natürlich Verona Pooth. Die Billig-Kleidungskette sollte erst einmal anfangen hautfreundliche Baumwolle zu 100% in ihren Klamotten zu verarbeiten, anstatt mir ein komplettes Outfit für 9,99 Euro verkaufen zu wollen, dass schon Feuer fängt, wenn es nur in die Nähe einer Kerze kommt.
Schlimm ist auch die Tofifee-Werbung, die mir suggeriert, dass ich nur mit den Plombenziehern eine schöne Zeit mit meiner Familie oder den Freundinnen verbringen kann. Da sind wir dann irgendwie „zusammener“. Aha. Schön für euch, hier im realen Leben ist das glücklicherweise auch ohne Zuckerzeug möglich.
Natürlich scheiden sich an so mancher Werbung die Geister. Ich mag zum Beispiel die Werbung für Schuhe aus dem Internet mit dem nackigen Postboten (warum hat man da denn keinen gutaussehenden Adonis genommen?). Andere wiederum finden dieses Gekreische am Schluß sehr nervig. Apropos scheiden, natürlich ist Werbung geschlechtsspezifisch aufgeteilt. Am Frauen-Serien-Mittwoch darf ich mir in jeder Unterbrechung was über eine Creme gegen Probleme meines Schmuckkästchens ansehen. Ist mir schon klar, dass es die männliche Zuschauerschaft weniger betrifft, aber es ist schlichtweg unnötig, mich 5.000 mal darauf hinzuweisen.
 
Wenn es mir zu bunt, zu nervtötend und zu pseudo-real wird, schalte ich komplett ab. In meinem Buch, dass ich dann zur Hand nehme, gibt es – oh Wunder – noch keine Werbeunterbrechung. Aber das wird sicher nicht lange auf sich warten lassen.
 von Julia

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3 Kommentare zu Altbewährte Foltermethode seit 1956: TV-Werbung

  1. Maria sagt:

    Oh weh, nun hat meine Hasswerbung „Bionade“ in euren schoenen Blog gefunden :-D
    Normalerweise verweigere ich mich ja der Werbung, in dem ich einfach die Sendungen, die ich schauen moechte, aufnehme und dann ganz frech die Werbung wegspule.
    Nun ist es neulich passiert, dass ich eine Sendung quasi „live“ geschaut habe. Natuerlich liess die Werbepause nicht lange auf sich warten und am Ende stellte ich mir die Frage: „War Werbung schon immer sooo schlecht?“ (um es mal ganz, ganz nett auszudruecken)
    Meine Antwort: Nein.
    Werbung hat schon immer irgendwie genervt – besonders nachdem die Werbepausen anfingen, einen gemuetlichen Filmabend auf die beinahe doppelte Laenge des Films aufzublaehen.
    Ich habe aber leider den Eindruck, die Spots werden wirklich immer unkreativer und stupider. Schade eigentlich fuer die wenigen Werbespots, die eigentlich sehenswert sind.
    Ein wirklich schoener Beitrag, der mir sehr aus dem Herzen spricht…

  2. Kate sagt:

    Vielen Dank für diesen erfrischenden Blockeintrag *stinknormales Mineralwasser trink*
    Auch ich frage mich immer wieder, ob die Hersteller uns was verkaufen oder doch eher vor dem Prudukt warnen wollen.

    Sieht man sich die Ahoi-Brause Werbung an, wo der Ex-Praktikant die dem Wohlstand Deutschlands figurmäßig angepaßten Kinder auffordert, doch was lustiges zu machen und denen nichts besseres einfällt als sich mit Wasserpistolen in den Mund zu ballern überdenkt man sofort seine eigenen Erziehungsmethoden.
    Traurig aber wahr, Herr Buffer ist sich für nichts zu schade und statt „Henryyyyyy Maaasgäääää“ ruft er jetzt „Geiz iiis gaaaaaaaiiiilllll“. *ürgs*
    Wenn die Werbung uns sagt, dass Cerealien sooooo was tolles sind und wichtig für den Körper MUß es was absolut neuwertiges und unbekanntes sein. Himmel Herrgott sakra nochmal, es ist GETREIDE….
    Und Katzen würden Whiskey saufen und dann ne gescheite Maus fangen gehen statt die kleingehackten Überreste verstorbener Haustiere vorgesetzt zu kriegen.
    Und JA, es kann zu Mißverständnissen kommen. Meine Lieblingswerbung dahingehend ist die vom kleinen Hunger. Sitzt man nämlich am PC und mit dem Rücken zum Fernseher kann einen folgende Szene sehr stutzig machen: „Wenn der kleine Hunger kommt… Tütschen auf…drübber…ferchtisch“ Ich sage nur: Kondome schützen… *lach*
    Aaaaber es gibt sie tatsächlich noch. Werbung, die einen unterhält und man sich wiedererkennt. Denn wenns bei mir mal wieder länger dauert werde auch ICH zur Diva…. *grins*

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