Filmtitelübersetzungen oder: Wer denkt sich diesen Mist überhaupt aus?

aka dawn of the dead

Als junger und unerfahrener Filmfan schert man sich wenig um den Titel eines Films. Er muss gut klingen und neugierig auf den Inhalt machen. Mit Entsetzen musste ich feststellen, dass wir in Deutschland mit teilweise absurden Übersetzungen abgespeist werden. Da hat der Titel im Deutschen quasi nichts mehr mit dem Original zu tun.
 
Als erstes fällt mir da „Die Hard – Stirb langsam“ ein. Klar, ein Wort ist zumindest in beiden Titeln enthalten, aber zwischen „hart“ und „langsam“ ist ja doch ein kleiner  Unterschied. Gut, dass sich Bruce dadurch nicht hat abschrecken lassen und die deutsche Filmszene trotzdem erobert hat. „Monty Pythons Flying Circus“ heisst übrigens im Englischen…also nein im Original „And now to something completely different“. Das ist wirklich etwas komplett anderes. Und von einer wirklichen Übersetzung kann man hier auch nicht sprechen. Ich stelle mir die Leute von der deutschen Produktionsfirma (oder gibt es speziell ausgebildete Filmtitelübersetzer? Ich bezweifle es ganz stark!) immer in einem großen Konferenzraum vor, sie suchen in Wörterbüchern, reihen Worte aneinander oder versuchen es zumindest und irgendwann kurz vor Feierabend sagt dann einer „Wir machen das mit den Fähnchen“ und die Sache ist erledigt. Heraus kommen dann so Sachen wie „Zombies im Kaufhaus“ (im Engl. „Dawn of the Dead“). Zugegeben, die Geschichte von 1978 spielt teilweise in einem Kaufhaus, aber jetzt mal ehrlich, nur weil ein Kaufhaus in „Dawn of the Dead“ vorkommt, muss ich doch nicht den ganzen Film so nennen.
 
In Deutschland werden wir mit Alternativ-Titeln, kompletten Fehlinterpretationen nahezu überschwemmt, besonders bei Filmen, die nicht gut genug waren, um in den Kinos zu laufen.
Aber natürlich ist es nicht möglich jeden Filmtitel originalgetreu zu übersetzen, so würde „Analyze this! (im Dt. „Reine Nervensache“) mit „Analysier das“ wohl ziemlich daneben klingen. Und „Saving Private Ryan“ wäre dann wohl ein „Soldat Ryan retten“ statt „Der Soldat James Ryan“. Da haben sie alles richtig gemacht, die Filmtitelübersetzer.
 
Natürlich müssen bei Übersetzungen kulturelle Hintergründe genauso beachtet werden wie umgangssprachliche Formulierungen. Warum dann aber „The Hangover“ (2009) gar keine Übersetzung bekommen hat, ist mir schleierhaft. Nicht jeder in Deutschland kann mit dem Wort etwas anfangen oder weiß, dass das jemand ist, der zuviel getrunken hat und am nächsten Morgen einen Kater mit sich rumschleppt und sich an nichts vom Vorabend erinnern kann.
 
Aber nicht nur im Deutschen gibt es missglückte landessprachliche Titel. In Frankreich heisst das „Texas Chainsaw Massacre“ tatsächlich „Non aprite quella porta“ („Öffne nicht diese Tür“). Da kann man froh sein, dass es auch Trailer gibt, die man sich vor der Entscheidung für einen Film ansehen kann. Und welche Tür soll ich nicht öffnen? Die Jugendlichen stehen doch nicht vor dem Haus von Leatherface und überlegen, sollen wir jetzt oder nicht? Warte, wie war nochmal der Titel des Films?
 
Meine persönlicher Favorit ist übrigens der deutsche Zusatztitel zu „The Fast&The Furious 4“. Das hätte doch vollkommen gereicht, aber warum etwas belassen, wenn man es auch ordentlich verhunzen kann? So wurde dem deutschen Film noch „Neues Modell. Originalteile.“ hinzugefügt. Da stellen sich mir echt die kleinen Härchen im Nacken auf.
 
In etlichen Filmforen existieren übrigens lange alphabetisch angeordnete Listen über fatale Filmübersetzungen und ich bin mir sicher, dass da noch etliche Beispiele hinzukommen. Ansonsten machen wir eben das mit den Fähnchen. von Julia

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