Hipster wohin das Auge sieht

via notyourtypicalyouth

Die ganze Stadt ist voll mit Hipster. In Ermangelung eines Szeneviertels haben die wannabe Individualisten scheinbar gleich die ganze Stadt eingenommen. Für alle, die sich schon gefragt haben, wer diese Leute eigentlich sind, hier eine kleine Erklärung:

Der Hipster ist an seinem exzentrischen Äußeren erkennbar, das sich überwiegend aus hautengen Hosen, karierten Hemden, V-Ausschnitt-Shirts oder grausigen Motivshirts, Nerdbrillen, Vollbärten oder Oberlippenschnauzern und Stoffbeuteln zusammensetzt. Der Jutebeutel dient ihnen nicht nur als einfaches Transportmittel ihrer iPhones und Kameras, sondern vor allem auch um politisch und moralisch bedeutende Botschaften wie: my blog is more fashionable than yours zu vermitteln. Gern trägt der Hipster auch bei 25 Grad Wollmützen und Schals.
In Sachen Technik ist der Hipster ganz vorn mit am Start, iPhone und Macbook sind bei jedem Café- und Vernissage-Besuch mit dabei. Nur in Sachen Fotografie ist der Hipster rückläufig. Bunte Einwegkameras, analoge Spiegelreflexkameras oder Polaroidkameras stehen bei ihm höher in der Gunst als die schlichte „Digi-Cam“. Neuestes unabdingbares Accessoire des Hipsters ist das fixed-gear bike, auch Fixies genannt.
Der gemeine Hipster fühlt sich besonders in der Gemeinschaft anderer Hipster wohl. In diesem Verbund der Coolness und Individualität spielen sie überwiegend Tetris, checken neue Szeneläden aus und gehen feiern.
Das Verhalten eines Hipsters auf einer Party ist sehr eigen, er steht meist Club-Mate- oder Astra-trinkend bei Gleichgesinnten und schaut mit einer gewissen Arroganz und einer ordentlichen Ladung Langeweile in der Gegend rum und beurteilt andere Hipster. Oberstes Gebot des partyfeiernden Hipsters: es wird nicht getanzt! Er macht sich gar nicht erst die Mühe seine Jacke auszuziehen, schließlich hat er noch zwei Galerien, drei WGs und zwei Szeneclubs zu besuchen.
Der Hipster leugnet sein Dasein als solcher, schließlich ist er furchtbar originell, individuell und alternativ. In Wahrheit hat sich sein Look aber schon längst als Uniform einer überheblichen, gelangweilten, feierwütigen, perspektiv- und einfallslosen Meute etabliert. von Steffi

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6 Kommentare zu Hipster wohin das Auge sieht

  1. Pingback: Auf dem Weg zum Morgengrauen | Im Licht der Neonröhren

  2. Kingkeks sagt:

    Ich versteh nicht was so schlimm an diesem Stil oder dieser gesamten Bewegung ist. Eigentlich ist es traurig wie Menschen durch bestimmte Kleidung oder Gegenstände gleich runtergemacht werden. Schon mal überlegt ob die benutzten Dinge einen Sinn haben. Als Beispiel ich besitze ein Fixie (von mir selbst gebaut) und es macht einfach Spaß damit durch die Stadt zu fahren und auch Kameras von früher machen einfach mehr Spaß als jede Digicam aus dem Elektroladen.

  3. Rockabilly sagt:

    Dass traurige am sogenannten Hipster ist, dass er eben keiner eindeutigen Szenen sich zugehörig fühlt bzw keine sein will (sieh Text „Der Hipster leugnet sein Dasein als solcher, schließlich ist er furchtbar originell, individuell und alternativ.“), trotzdem zieht er aus bestehenden Szenen (wie eben der Rockabilly-Szene, der ich mich zugehörig fühle) Attribute und modische Details, wie eben z.B. ein Hang zu alten Kameras oder „Vintage“-Klamotten ( in Anführungszeichen, weil meine Szene auf 50er-Jahre-Kram steht und ich auch). Und eben dadurch entsteht keine richtige Autenzität, sondern ein Mix aus allem möglichem.

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