Interview mit der JustErfurt Bloggerin Krissi

Der Name ist Programm

 

Wer Lust auf witzige, teils provokative und wirklich unterhaltsame Geschichten aus dem Erfurter Nachtleben hat, sollte sich ganz dringend den JustErfurt Blog von Krissi anschauen, durchlesen und gut finden.
Alles weitere erzählt sie euch selbst in unserem Interview.
von Steffi


Krissi - JustErfurt

Krissi, wer bist du und was machst du?

Kristina, 32 Jahre jung – liebende Mutter, vertrauende Ehefrau und ansonsten genauso druchgeknallt wie alle anderen auch. Als hauptberufliche Online-Redakteurin mit technischem Hang zu allem was einen Apfel im Logo hat, bin ich tagsüber die brave Immobilien-Marketing-Texterin und werde erst nach Sonnenuntergang zur Tastaturkriegerin.


Wie lange bloggst du schon? Und wie hat sich dein Blog in dieser Zeit entwickelt?

JustErfurt.de war ursprünglich ein Experiment. Nach einem Text über Erfurter Afterwork-Gardinen, die man nicht anfassen darf, der schon sehr lange zurück liegt, habe ich JustErfurt schnell wieder aufgegeben. Die damalige Resonanz hatte mich so sehr beeindruckt, dass mir schnell klar wurde – ohne dickes Fell brauchst du hier gar nicht weitermachen. Erst vor ca. 1 Jahr – im Urlaub auf Fuerteventura – und in Cuba Libre-geschwängerter Strandlaune, wusste ich: Jetzt oder nie! Vielleicht lag es an der damaligen, physischen wie psychischen Entfernung zu Erfurt, vielleicht aber auch an den Erfurtern selbst, die sich unter reichlich Verbal-Aufregerei über die Erfurter Partylandschaft rechts und links neben mir den Sand zwischen den Zehen pulten, aber ich fühlte: mein Fell lässt nichts mehr durch, die Früchtchen der Stadt wollen geerntet werden und in meinem Obstkorb ist noch ein Platz frei! Und so legte ich im neuen Web2.0 Gewand, frisch gebräunt und motiviert wieder los. Wie sich JustErfurt seitdem entwickelt hat? Nun, dass im Obstkorb nicht nur saftige Äpfel landen, sondern auch Maden und Würmer ihr Unwesen treiben – ist glaube ich auf JustErfurt nicht zu überlesen. Mit der Zeit und nach einem Jahr habe ich dennoch meine Linie immer noch nicht erreicht. Vielleicht ist es aber diese Dauerselbstfindungsphase, was es zu dem gemacht hat was es heute ist: mein persönlicher Output, mein Gedankenpapierkorb, meine Seelentoilette über alles, was mich an meiner Heimatstadt anmacht. Im positiven wie negativen Sinne.


Wie bist du zum bloggen gekommen?

Wie das Huhn zum Ei. Geschrieben hab ich schon immer – halt „nur“ für andere. Sei es beim Stadtmagazin BLITZ! Oder in meinem derzeitigen Job. Der Gedanke daran, mal ein Ei ausbrühten zu dürfen, anstatt es nach „dem Legen“ zur „Zensur“ abgeben zu müssen, hatte mich schon immer gereizt. Mein Mann hat mir schließlich die technischen Vorraussetzungen (Server, Template usw.) zur Verfügung gestellt, mit den Worten: „Es ist Zeit. Ich weiß, dass Du das kannst – also mach!“. Für diesen liebevollen Anstupser bin ich ihm heute noch dankbar.


Wie würdest du deinen Blog beschreiben?

..einfach Erfurt.


Der Name deines Blogs lässt es schon ganz gut erahnen, er dreht sich um Erfurt. Manch einer wundert sich vielleicht wie man fast täglich etwas über diese Stadt schreiben kann, woher nimmst du deine Inspiration?

Inspiration braucht es fast gar nicht. Wichtig ist es, die richtigen Leute zu kennen. Dann kommen die kleinen und großen Geschichten fast ganz von allein angewatschelt. Vieles kann ich unter Berücksichtigung auf Persönlichkeitsrechte zwar nicht verwenden – ich bin ja auch kein Ausschlachter. Auch weil ich öfter lieber „etwas“ nicht schreibe, wird mir vielleicht auch mehr erzählt, als anderen. Die Rest-Inspiration liegt einfach in meiner unbändigen Liebe zu meiner Heimatstadt, unserem Fußballverein, meinen Lieblings-Bars, dortigen Lieblings-Barkeebären und natürlich den Gastronomen, die noch für gute Gespräche zwischen den Gläsern zu haben sind. Das zusammen mit meiner unersättlichen Neugierde, macht wohl den Antrieb aus, der hinter JustErfurt.de steckt.


Wenn man deine Blog-Einträge so liest hat man das Gefühl du führst eine Hassliebe mit Erfurt. Was hasst du? Was liebst du? Und welches Gefühl überwiegt?

In der Übertreibung liegt immer die Deutlichkeit der Worte. So ist was als Hassliebe aufgenommen wird, im Grunde nichts anderes als mein natürlich, kritischer Blick auf die sog. „People“ dieser Stadt. Es überwiegt kein Hass, es dominiert keine Liebe. Oftmals liebe ich es einfach nur, über die Strenge zu schlagen und Reaktionen abzuwarten. Seien es die Erfurter Afterwork-Prinzen hinter „Dolce Vita“ und „Kressepark“, oder einfach nur der Mastermind des Cosmopolar – jeder hat meine „Tastaturwut“, egal ob berechtigt oder nicht, schon einmal zu spüren bekommen und leider nicht darüber gestanden oder gar gelacht. Dabei erkennt man doch den Charakter eines Menschen immer an den Witzen über die er lacht – und guter Humor fängt meiner Meinung nach, immer bei einem selbst an. Also: kein Hass, ein Quantum Provokation, aber mehr Liebe.


Deine Einträge sind teilweise, sagen wir mal etwas bissig, erntest du oft Kritik?

Da ich diejenige bin, die Kritik ausübt und damit in Erfurt die wenigsten, wie in der vorangegangenen Frage schon angesprochen, umgehen können, ernte ich keine Kritik – sondern Hausverbote. Dann gibt es natürlich noch die persönlichen und eher unqualifizierten „Krissi-Hasser“, die mit wirklich unsachlichen Kommentaren auf JustErfurt.de, versuchen mich aus der emotionalen Fassung zu bringen. Ich wäre kein Mensch, wenn ich sagen würde, dass mir diese Art von Anfeindung nicht nah geht. Aber es ist nun mal selbstgewähltes Schicksal. Ich habe die Öffentlichkeit gesucht, gefunden und nun muss ich auch mit denen klar kommen, die nicht mögen was ich mache. Wobei ich aber noch einmal ganz offiziell sagen muss, dass ich mit JustErfurt.de weder reich oder gar „semi-prominent“ werden möchte. Es ist mein Spaß, mein Vergnügen – dass irgendwann einmal mehr als 1000 Leute am Tag auf meine Seite gehen würden, damit habe ich nie gerechnet. Jetzt ist es so – und ich gebe mein erstes Interview. Boah ey!


Krissi - JustErfurt

Was würdest du Erfurt schenken, wenn du alle Möglichkeiten hättest?

Zuerst die Utopie: Ich bin dafür aus dem Italiener „Paganini/Pavarotti“ am Fischmarkt einen stylischen Ganztags-Club für jedermann zu machen. Tagsüber Chillen, abends Grillen und des Nachts die Platten-Rillen. Dort schaffen wir dann diesen Rosa-Polohemdchen-Papenbreer-Dresscode ab, trinken wieder Bier aus Flaschen, Prossecco eisgekühlt und nur mit Wodka und zum Nachtisch gibt es Bachstelzen-Softeis aus der Muschelwaffel.
Jetzt das Realistische: Die PO’s (JustErfurtsch für „Party-Oligarchen) sollten sich weniger und dafür ihre Gäste mehr ernst nehmen. Zu diesem Zwecke würde ich den Herren einen mehrwöchigen Aufenthalt im Steigerwald-Camp bei Stockbrot und Fassbrause schenken. Back to the roots und nicht zu vergessen: zurück zum wahren Leben in Erfurt.

Und wo ich gerade beim Steigerwald bin – ein neues Stadion für den FC RotWeiß Erfurt wäre auch nicht schlecht, Familienpässe und Freikarten für alle unter 16 und über 70 inklusive. Alles in allem ist das eine von den gemeinen Fragen, denn das alles und noch viel mehr – würd ich machen, wenn ich König von… .


Wirst du auch im wirklichen Leben auf deinen Blog angesprochen?

Ja. Und es macht mich immer stolz, wenn Freunde und Fremde auf mich zukommen und mich auf meine Artikel ansprechen.


Die Selbstdarstellung von Bloggern wird häufig negativ bewertet und ihnen wird vorgeworfen aufmerksamkeitssüchtig zu sein, was sagst du dazu?

Um bei der Masse an Bloggern in Deutschland wirklich aufzufallen, quasi das VIP-Ticket zur republica zu bekommen, muss man schon ordentlich in die Tasten hauen. Ich selbst sehe mich als Nischenpublikation, die es jedem selbst überlässt, ob er mich liest oder nicht. Ob das Selbstdarstellung ist? Klar. Aufmerksamkeitssüchtig? Nein. Dieses Problem hat man wahrscheinlich erst, wenn man einen gewissen Grad an Aufmerksamkeit erreicht hat und krampfhaft versucht, diesen auch zu halten. Aber sind wir nicht alle ein bisschen aufmerksamkeitsgeil?


Was hast du beim Bloggen über dich und deine Leser gelernt?

Man lernt nie aus – besonders was das eigene Alter Ego betrifft. Meine Leser kenne ich größtenteils nicht, deshalb lässt sich die Frage auch nicht wahrheitsgemäß beantworten außer mit einem: Nichts. Was auch wichtig fürs Bloggen ist, denn ich will weder beeinflussen, noch manipulieren oder gar irgendwie steuern. Scribo ergo sum. Und nicht anders herum.


Was sollte man?

Bei der Wahrheit bleiben und das Gespür dafür haben, welche Geschichten unter dem Deckmantel der Diskretion besser aufgehoben sind. Beim Bloggen und im wahren Leben! Ausnahmen bestätigen die Regel.


Was sollte man nicht?

Zu allem „Ja“ und „Amen“ zu sagen, ist genauso armselig, wie beim reden gar nichts zu sagen. Reden ist Silber. Schreiben ist Gold.

Noch mehr tolle Sachen:

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2 Antworten auf Interview mit der JustErfurt Bloggerin Krissi

  1. Pingback: Scribo ergo sum – oder so. DeutschlandToday interviewt JustErfurt-Krissi! - JUST ERFURT

  2. Eddie sagt:

    Gefaellt mir gut die Seite. Gute Themenwahl.

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