Karneval: Von Süßigkeitengrabschern und anderen Enttäuschungen

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Zum ersten Mal in meinem Leben war ich beim Faschingsumzug, jetzt weiß ich wieder, warum ich nie zuvor da gewesen bin. Ganz grundlegend finde ich die deutschen Faschingstraditionen eher schlecht als recht. Was gibt es da schon, alte Männer, die miese Büttenreden halten, alte Männer, die im Anzug auf dem Umzugswagen stehen, aber dafür pseudowitzige Narrenkappen tragen und alte Männer, die betrunken sind.
 
Bei so einem Umzug bündelt sich aber noch mehr schlechter Geschmack und schlechtes Benehmen als man an einem Sonntagnachmittag ertragen kann. Neben den ganzen Besoffenen, die man ja von solchen Veranstaltungen gewohnt ist, gibt es noch eine weit schlimmere Kategorie Mensch – die Süßigkeitengrabscher. Sie stehen in der ersten Reihe mit Tüten und Regenschirmen und nehmen keine Rücksicht auf Verluste. Sobald eine Ladung Blombenzieher von den Wagen herunter geworfen wird und auf die begeisterte Meute herabregnet, fahren die Süßigkeitengrabscher ihre Ellenbogen aus und stürzen sich wie wild auf das bunte Zuckerwerk als wären ihre Kühlschränke seit Monaten leer. Die Gierigen, die mit ihrem Regenschirm angerückt sind um den Süßkram gleich aus der Luft abzufangen, sind die Rücksichslosesten von allen. Die kennen keine Gnade, egal, ob sie mit ihren Schirmen Augen ausstechen oder ob kleine Kinder neben ihnen weinen, Hauptsache, sie schleppen den Kram nach Hause und lassen es in ihrem ohnehin schon überfüllten Süßigkeitenschrank verrotten.
Eine weitere Attraktion sind die Gardemädchen, die entgegen meiner Erwartungen weit weniger drauf haben als ich dachte, aber dafür mehr auf den Hüften. Ein bisschen Helau hier und ein bisschen Pompons schütteln da, ansonsten nur starres Maschieren und in der Gegend rum grinsen.
Besonders enttäuscht war ich auch von dem Ideenreichtum der Umzugsbesucher, die Kostümvielfalt reichte bei den Meisten gerade mal für bunte Perücken und Herzchen im Gesicht.
Alles in allem eine ganz schöne Zeitverschwendung. Das nächste Mal bleib ich zu Hause, da kann ich auch Süßigkeiten vom Fußboden essen. von Steffi
  
Übrigens, wer sich bei der regionalen Bezeichnung der Zeit vor dem Aschermittwoch und der Dinger die man zu dieser Zeit häufig isst, nicht sicher sein sollte, findet hier und hier die Lösung.

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2 Kommentare zu Karneval: Von Süßigkeitengrabschern und anderen Enttäuschungen

  1. Sarah sagt:

    Vielleicht mal von einer anderen Warte aus gesehen: Faschingstradition mag es treffen, Karnevalstradition ist etwas anderes. Wenn an Weiberfastnacht viele tausende kostümierte Menschen jeden Alters an die Hochburg am Rhein stürmen, sind es nicht die alten Männer, die auffallen. Junge Menschen ziehen durch die Innenstadt, feiern, tanzen und…naja, okay, betrunken sind sie meistens auch. Büttenreden und Sitzungen sind sicherlich Geschmackssache und mein Fall definitiv auch nicht, aber das Gesamtpaket Karneval ist jung, frisch und immer eine gute Gelegenheit, mit Freunden etwas zu unternehmen. In diesem Sinne schiebe ich die Probleme mal ganz engstirnig auf das „Helau“ und wünsche allen ein fröhliches Alaaf :)

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