Über die Notwendigkeit des Beziehungsalltags oder, warum Pupsen doch irgendwie okay ist

 

 

 

Es ist so gegen 07:30. Ich stehe im Schlafzimmer und bin gerade dabei irgendwie munter zu werden und schlaftrunken in meine Hose zu klettern ohne beim Stehen auf einem Bein das Gleichgewicht zu verlieren und vorn über zu kippen. Im Augenwinkel sehe ich eine zerknüllte Bettdecke und darunter einen zur Unkenntlichkeit verknoteter Körper. Ich kann mich erinnern, dass sich dieses Tier irgendwann Mitten in der Nacht zu mir gelegt und etwas wie: ich lübe disch geraunzt hat. Aber jetzt vernehme ich nur noch ein ungleichmäßiges schnarchen. Aber das soll, für diesen Morgen, noch nicht das ganze Trauerspiel gewesen sein. Das Etwas in meinem Bett dreht und windet sich, und da – ein lauter unüberhörbarer Furz.

Ich bin überrascht, mit so einem Angriff hatte ich nicht gerechnet, aber verwundert bin ich nicht. Sicher wirkt dieses animalische Verhalten etwas abstoßend, ist es ja auch, aber es hat auch etwas für sich. So muss er, im Gegenzug, auch meine Schweinereien hinnehmen. Zwar halte ich mich mit sämtlichen Körperausstößen zurück aber man hat ja so seine Macken. Und dieses ausgelassene Treiben funktioniert eben nur dann wenn der, immer verpönte und schlecht geredete, Alltag in eine Beziehung eingekehrt ist.

Denn wenn man noch frisch verliebt und rosarot bebrillt in der Beziehung steckt, spielt man, ob bewusst oder unbewusst, eine Rolle und die lässt sich mit so manchen Eigenarten nicht in Verbindung bringen. Die Rolle der zuckersüßen, immer sexy Unterwäsche tragendenTraumfrau, die nur Schmetterlinge und Rosenduft nach einem Toilettengang hinterlässt und die des Traummanns, der sich ähnlich engelsgleich verhält, kann man nicht lange spielen.
Haare im Abfluss, offene Zahnpastatuben, getragene Wäsche in jeder Ecke, Essensreste im Bett und all unsere kleinen Marotten schleichen sich mit der Zeit einfach ein und nur
durch Vertrauen, Innigkeit und wahre Liebe lässt es sich noch, nach Abzug der Kolonie flatternder Insekten in unseren Bäuchen, miteinander aushalten.

Ein Trott aus immer gleichen Fernsehabenden mit ungewaschenen Haaren, Bierbauch und Desinteresse ist aber was ganz anderes als schnarchende und pupsende Bären unter der Bettdecke, und sollte vermieden werden, wie das geht – wer weiß das schon. Es ist jedoch immer ratsam eine Wohnung erstmal neu zu tapezieren als sie gleich zu verlassen.

von Steffi

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